13 bzw. 14 Malakowtürme im Ruhrgebiet

Der Malakowturm der Zeche Rheinpreussen in Duisburg
von Ernst Käbisch

Von weit über 100 in der zweiten Hälfte des 19ten Jahrhunderts erbauten Malakowtürmen im Ruhrgebiet sind 14 bzw. 13 noch erhalten. Malakowtürme sind nach Verteidigungsanlagen aus ukrainischen Kriegen benannte Türme, die zur Förderung der Kohle aus großen Tiefen dienten.

Und die Ausnahme ist einer der beiden Malakowtürme in Duisburg-Homberg. Denn wie sein nicht mehr vorhandenes Ruhrorter Gegenstück diente der dazu, Züge auf Fährschiffe zu heben. So konnten sie den Rhein überqueren. Schon jeder dieser 14 Malakowtürme im Ruhrgebiet ist auf eine andere Weise eindrucksvoll.

Malakowtürme der Zechen Westhausen + Holland

Dann am „schönsten“ all dieser Malakowtürme ist der Turm der Zeche Westhausen. Und leider ist er wie das gesamte Ensemble der Zeche Westhausen im Norden von Dortmund auch einer der am verfallendsten. Dafür hält die Route der Industriekultur die Zeche Westhausen für eine der bedeutsamsten Zechenanlagen im Ruhrgebiet.

Weiter ist die „Doppelmalakowanlage“ der Zeche Holland luxussaniert. Und sie wird bewohnt wie ein Schloss. Denn wo ich die Zeche besuche, merke ich, dass sie gut bewacht wird. Gerade baut sich eine junge Joggerin vor mir auf. So versperrt sie mir den freien Kamerablick auf den Doppelmalakowturm. Und ich gehe nun an ihr vorbei. Dann erst joggt sie los. Weiter treffe ich die nächsten Wächter. Und das ist eine Frau mit einem Riesenhund. Immerhin grüßt mich diese unbekannte Frau laut und freundlich.

Schon besteht aber doch ein öffentliches Interesse an dieser interessanten Bergbauanlage.?

Malakowtürme Fürst Hardenberg + ver. Carolinenglück

Dann ist der Malakowturm der Fürst Hardenberg als einer von zwei Dortmunder Malakowtürmen in Privatbesitz. Und der Turm ist (noch?) nicht bewohnt. Schon merkt man aber, dass sich jemand liebevoll um ihn kümmert. So wirkt er erstklassig restauriert. Und rings um den Turm und vermutlich eine ehemalige Maschinenhalle ist ein Garten mit frischgepflanzten Bäumen und Sträuchern angelegt.

Weiter ist der Malakowturm der Zeche ver. Carolinenglück wie alle 4 Malakowtürme in Bochum sehr gut gepflegt. Und das, wo auf dem ehemaligen Zechengelände ein Autoschrottplatz ist. Denn die bedauernswertesten Unfallautos sind hier gelagert und werden hier verwertet.

Und eigentlich steht der rotgetünchte relativ kleine Malakowturm aber im Schatten eines größeren grünen Förderturms der Zeche. Gerade das Fördergerüst wurde wohl nicht nur aus ästhetischen Gründen erhalten. Denn hier wird Grubenwasser gepumpt. Weil wo ich hier bin, verschwindet gerade eine Gruppe Bergmänner im Schacht, um zu arbeiten.

Die Zechen  Julius Philipp, Hannover, Brockhauser Tiefbau

Außerdem geht es dem Malakowturm von Julius Philipp  gut. Denn er beherbergt ein Museum der medizinischen Fachabteilung der Ruhruniversität Bochum. Weitere Zechengebäude einer Zeche Julius Philipp finden sich weit und breit nicht. Und nebenan sind ein Sportplatz und neugebaute Wohnviertel. So findet sich kein weiteres Indiz hier, dass hier mal Steinkohle gefördert wurde.

Dann war es lange unklar, wie es mit der eindrucksvollen Anlage der Zeche Hannover weitergeht. Nun wird hier eine Filiale eines Landesmuseums entstehen.

So erzählt es uns ein ehemaliger Bergmann. Dann gibt er uns und anderen gerade Anwesenden spontan und umsonst eine Führung über das Gelände und in den Turm. Und der Höhepunkt ist, wie er die im Malakowturm befindliche Fördermaschine anwirft. Schon ist die Maschine noch voll funktionstüchtig. Und wie man sehen kann, bedient er sie als gelernter Bergmann fachmännisch und mit großem Stolz.

Und der vierte Bochumer Malakowturm ist etwas versteckt im Wald unweit der Ruhr im Süden der Stadt. Denn es gibt hier einen Bergbauwanderweg mit z.B. einer einstigen Bleizeche auf dem Weg „Am Bliestollen“. Und der Malakowturm der Zeche Brockhauser Tiefbau ist aus Ruhrsandstein gebaut. So wirkt er zierlicher als die anderen Malakowtürme. Also ich kann mir kaum vorstellen, dass hier mal Steinkohle gefördert wurde. Immerhin ist das ja auch über 100 Jahre her. Und 1912 wurde die Kohleförderung eingestellt. Dann aber ist auch dieser Malakowturm top gepflegt. Und nur ein Dach fehlt.

Prosper Haniel, Ewald + Carl

Gerade auf dem Gelände einer noch aktiven Zeche befindet sich der Malakowturm der Zeche Prosper Haniel. Also selber ist der Turm aber nicht mehr aktiv, nur auf dem Zechengelände ist der sogenannte Förderberg. Und dort kommt die Kohle aus den aktiven Schächten der Zeche Prosper Haniel im Norden der Stadt Bottrop an. Dann wird sie weitergeleitet an die nebenan arbeitende Kokerei Prosper. Denn das ist eine von noch 3 Kokereien im Ruhrgebiet.

Weiter besteht noch ein gigantisch wirkendes Ensemble aus zwei Fördertürmen und weiteren Zechengebäuden von der Zeche Ewald. Und das ist gut neugenutzt durch ein Theater und ein Cafe. Und mittendrin steht hier auch noch ein Malakowturm. Die Zeche ist am Fuss des Haldengebirges Hoheward/Hoppenbruch gelegen. Und hier kann man stundenlang wandern. Denn das weitläufige Haldengebirge erstreckt sich von Herten bis nach Recklinghausen.

Trotzdem es den Zollverein in Essen gibt, ist wohl keine eh. Zeche in Essen so optimal neugenutzt wie die Zeche Carl. Davon ist nichts zu merken an einem frühen Samstagmorgen. Dann aber abends und nachts ist hier eins der angesagtesten Kulturzentren der Stadt Essen aktiv. Dafür muss ich nur auf das Programm der Zeche gucken. Denn da ist zu sehen, dass die ehemaligen Zechengebäude hier ständig ausgebucht sind. Und das auch von ganz bekannten Künstlern. Der Malakowturm ist in einem guten Zustand.

Unser Fritz

Und auch der Malakowturm der Zeche Unser Fritz in Herne hat zwei Ecktürme. Wenn es brannte, konnten die Treppen in den Ecktürmen als Fluchtwege benutzt werden. So ein Brand soll in einem Förderturm einer Steinkohlenzeche schon gelegentlich vorgekommen sein. Schon wirkt der Turm arg verfallen. Und als einziges Zechenrelikt steht er auf dem Gelände von Schachtanlage 1/4.

Gut erhalten und restauriert ist die Schachtanlage 2/3 der Zeche Unser Fritz gegenüber auf der anderen Seite des Rhein-Herne-Kanals. Hier existiert ein gutlaufendes Kulturzentrum in alten Zechengebäuden.

Rheinpreussen, Alte Haase

Wunderbar finde ich den Malakowturm der Zeche Rheinpreussen in Duisburg. Nur schade, dass dieses Gebäude seit vielen Jahren ungenutzt vor sich hinbröckelt. Die Bergbausammlung Rheinhausen sollte hierhin verlagert werden. Aber Nichts kommt in die Gänge und vor allem fehlt wohl das Geld. Traurig ist das.

Intakt scheint der Malakowturm der Zeche Alte Haase in Sprockhövel zu sein. Um hierhin in den südlichsten Zipfel des Ruhrgebiets zu kommen, muss ich durch beschauliche Landschaften in Hattingen und durch die Elfringhauser Schweiz fahren. Das ist hier voller Bergbautradition. Sprockhövel ist eine der Wiegen des Bergbaus. So ist das zu lesen.

Zahlreiche Gruppen, Vereine und auch Einzelpersonen nutzen die alten Zechengebäude. Wenn man um die Zeche herumgeht, ist aber schon zu sehen, dass da noch einiges im Argen liegt.

Eisenbahnhebeturm in Duisburg-Homberg

Zuletzt ist der 14te Malakowturm nicht von einer Steinkohlezeche. Denn er steht am linksrheinischen Homberger Teil des Duisburger Hafens und wird als Wohnhaus neugenutzt. Soweit ich sehe, ist das Gebäude sehr gut erhalten. Früher wurden hier Eisenbahnzüge auf Schiffe gehoben. Und in Duisburg-Ruhrort war ein nicht mehr existierendes Gegenstück. Dann mit dem Bau der Rheinbrücken verloren diese Türme ihre Bedeutung.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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