Abendspaziergang zum Nordsternpark in Gelsenkirchen

Fördertürme von Schacht I und Schacht II der Zeche Nordstern im Nordsternpark
Fördertürme von Schacht I und Schacht II der Zeche Nordstern im Nordsternpark
von Ernst Käbisch

Die Zeche Nordstern war zur Zeit seiner Gründung die nördlichste Zeche im Ruhrgebiet. Dafür steht ja auch der Name. Und inzwischen ist die Schachtanlage 1/2 der 1983 geschlossenen Zeche längst ein Ankerpunkt der Route der Industriekultur und sogar eine Bundesgartenschau fand im Nordsternpark statt. Dann wurde im Kulturhauptstadtjahr Europas von RUHR.2010 auf dem Dach des Förderturms von Schacht II die Herculesfigur des Düsseldorfer Künstlers Marcus Lüpertz aufgestellt.

Also eher zufällig sehe ich nach meinem Besuch bei der Zeche Carl in Essen-Altenessen, daß ich da ja mitten im Pott war, mehr mittendrin geht kaum. Denn nur 4 Stationen weiter als die U-Bahnstation Altenessen-Mitte ist auf den U-Bahnlinien 11 und 17 die Station Arenbergstraße. Und hier grenzen 4 Ruhrgebietsstädte aneinander. Denn links ist es durch die Arenbergstraße durch nicht weit bis in die Welheimer Mark von Bottrop, in Richtung Norden ist die Stadt Gladbeck nicht weit entfernt. Und wenn ich rechts die Straße Lohwiese hinein gehe, bin ich nach wenigen hundert Metern in Gelsenkirchen unweit der Zeche Nordstern im Nordsternpark.

Und bei der Zeche Nordstern war ich schon zweimal und habe davon in Erinnerung, daß ich endlos lange mit einem Bus ab dem Gelsenkirchener Hauptbahnhof dahin fahren musste. Dann aber bin ich ja ruckzuck da, so wie ich heute unterwegs bin. Denn nach der nur viertelstündigen U-Bahnfahrt ab dem Essener Hauptbahnhof, habe ich nun noch einen schönen Abendspaziergang von nur wenigen Kilometern Länge in frühlingshafter Abenddämmerung dabei.

Zentrum vom Nordsternpark ist Schachtanlage 1/2 der Zeche Nordstern

Schon nach kurzem Fußweg sehe ich vor mir die Türme der Zeche mit der Herculesfigur obenauf. Und ich bin noch keinen Kilometer gegangen, da ist schon  vor mir das Ortsschild von Gelsenkirchen, dem Stadtteil Horst an der Nordsternstraße. Dann wirkt der Nordsternplatz kühl und geschäftig. Und in den tiptop restaurierten Zechengebäuden, die stilistisch sehr an den Zollverein erinnern, sind jetzt moderne Büros und Geschäfte untergebracht. Gerade haben die meisten Betriebe offenbar Feierabend und zahlreiche Mitarbeiter eilen von ihren Arbeitsplätzen nach Hause.

Die Herculesfigur sollte die Attraktivität vom Nordsternpark noch steigern

So gucke ich nun nach oben auf den Turm von Schacht II, der viel höher ist als der schönere Förderturm von Schacht I. Dann aber richtig erkennen kann ich die Herculesfigur nicht. Und irgendwie tritt die nicht in Beziehung mit ihrer Umgebung und steht fast schon arrogant über den Dingen. Denn sie guckt auch gar nicht in Richtung des interessanten und vielbesuchten Ex-Bugapark Nordsternpark sondern dahin, wo all die modernen Betriebe sind. Also wo diese tonnenschwere Figur aus Aluminium Ende des Jahres 2010 vorgestellt und dann in einer aufwändigen Aktion von dem Künstler Marcus Lüpertz auf dem hohen Turm aufgebaut wurde, fand ich sie noch großartig.

Inzwischen gefällt sie mir nicht mehr. Denn wie von oben herab will der ehemalige Düsseldorfer Kunstakademierektor die Menschen belehren, daß Herkulesaufgaben vor dem Ruhrgebiet liegen. Ja und weiter? So glaube ich doch, das wissen die Ruhris selber. Und da brauchen die doch keinen schlauen Rat eines Düsseldorfers für.

Zu Fuß vom Nordsternpark nach Essen-Karnap

Dann ist es immer noch hell, als ich an der Emscher entlang den Nordsternpark wieder verlasse und noch einmal kurz durch den Bezirk Horst von Gelsenkirchen komme, ehe ich wieder an der Arenbergstraße in Essen-Karnap bin, wo die Straßenbahnstation der hier über der Erde verlaufenden U11 und der U17 ist. Inzwischen ist es doch Nacht geworden und ich gehe über die Emscher- und Rhein-Herne-Kanal-Brücke noch bis zur nächsten Station Heßlerstraße. Rechts geht mit spektakulärem Farbenspiel die Sonne hinter dem Heizkraftwerk Karnap und über der Emscher und dem Kanal unter. Sogar die blau erleuchteten Faultürme vom Klärwerk Bottrop und das aber noch völlig unbeleuchtete Tetraeder kann ich deutlich erkennen. Und links von der Brücke ist in schon fast völliger Dunkelheit schemenhaft noch die Herculesfigur im Nordsternpark zu sehen.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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