Alaunbergwerk – Zur guten Hoffnung – in Ratingen-Lintorf

Bruchsteinhäuser aus der Zeit der Tätigkeit von - Zur guten Hoffnung.
Bruchsteinhäuser aus der Zeit der Tätigkeit von - Zur guten Hoffnung.
von Ernst Käbisch

Viel ist von dem Alaunbergwerk  – Zur guten Hoffnung –  in Ratingen-Lintorf nicht übrig geblieben. Eigentlich ist das gar nichts. Mit einem 9 Quadratmeter großen und 5 Meter tiefen Bergschaden mitten in einem Wohngebiet im Nachbarort Breitscheid an der Straße „An der Hoffnung“ im Jahr 2011 hat das Alaunbergwerk „Zur guten Hoffnung“ auch nichts zu tun. Zuerst hatte ich das ja vermutet. Aber „Hoffnung“ heissen viele Bergwerke.

Interessant ist es, die Berichterstattung über das Erdloch in Ratingen-Breitscheid im Jahre 2011 noch einmal zu verfolgen. Alle regionalen Zeitungen berichteten seinerzeit davon. Und in fast allen Artikeln wurde ganz richtig gedacht, dass das Erdloch durch ein früher hier arbeitendes Bergwerk verursacht wurde. Nur nannten die Artikelschreiber zuerst ein Silberbergwerk als die Ursache dieses so plötzlich auftretenden Bergschadens. Ein Anwohner hatte nämlich davon geredet, dass hier bei dem Erdloch einstmals ein Silberbergwerk war.

Das Alaunschieferbergwerk  – Zur guten Hoffnung – ist nicht die Ursache des Erdlochs

In den Ämtern sogar im Bergamt in Arnsberg war man rat- und hilflos. Weil von Breitscheid ist kein Bergwerk dokumentiert. Nur im Stadtarchiv von Ratingen verfügte man über das nötige Wissen, daß in dem heutigen Stadtteil von Ratingen ein Schacht eines Erzbergwerks war. Ursprünglich wurde wohl auch hier nach Silber gesucht wie an so vielen weiteren Orten in der Region. Bis hier am Rande vom Ruhrgebiet und im weiteren Kreis Mettmann erstreckte sich vor Millionen Jahren einmal die Nordsee. Als Relikte davon gibt es riesige Kalkvorkommen von einstigen Korallenriffen. Überall in der Gegend wurden diese Vorkommen in Kalksteinbrüchen ausgebeutet. Und noch jetzt gibt es die großen Steinbrüche in Wülfrath, dem größten Kalksteinabbaugebiet Europas. Parallel dazu gibt es hier auch mächtige Erzvorkommen. Jahrhundertelang versuchten die Menschen in der Region in Bergwerken diese Schätze der Erde zu fördern.

Über viele Jahrhunderte wurde in Velbert, Wülfrath, Heiligenhaus, Mettmann und auch in Lintorf, Breitscheid und Mülheim-Selbeck Bergbau betrieben. Ende des 19ten Jahrhunderts und zu Beginn des 20ten Jahrhunderts, wurden große Bergwerke sogar ganz professionell mit großen Investitionen aufgebaut. Das auch unter Einsatz der absolut neuesten Techniken wie den ersten Wasserdampfmaschinen, um das Grubenwasser aus den bis zu 140 Meter tiefen Abbausohlen abzupumpen.

Man hatte Hoffnung, Silber und Kupfer zu finden, fand aber Blei, Zink, Alaun

Besonders interessierten sich die Menschen natürlich für die Edelmetalle Silber und Kupfer, die sich hier auch in kleinen Mengen fanden. In Bleiglanz etwa ist deutlich sichtbar Silber enthalten. Die bleischweren glänzenden Steinbrocken enthalten Silber, allerdings nur in homöopathischen Dosen. Ebenso ist Kupfer in Kupferkies enthalten, aber auch nur in allergeringsten Mengen. Was aber reichlich gefunden wurde, waren Bleierz, Zinkerz, ein wenig Eisenerz und Alaun. Das ist ein schwefelhaltiges Salz gebunden mit Aluminium, Kalium, Natrium und anderen Metallen sowie mit Wasser. Mit Alaun und zumeist ist damit das Aluminiumsulfat gemeint kann man Textilien färben, Tierhäute gerben. Auch bei der Papierherstellung wird Alaun gebraucht. Und auch für Blei und Zink gibt es vielerlei Verwendung. Deswegen konnten all diese Bergwerke, wo man so sehr hoffte, Silber und Kupfer zu finden, lange gut von der Förderung der Erze leben.

Das Ende der Hoffnung und all der Bergwerke

Aber Anfang des 20ten Jahrhunderts stellte man doch fest, daß die hohen Investitionen in all diese Bergwerke sich nicht mehr rentierten. Und die Kosten für das Abpumpen des Grubenwassers wurden viel zu hoch. Und außerdem fielen die Weltmarktpreise für Blei und für Zink. Alaun konnte man chemisch viel rentabler herstellen als in Bergwerken fördern. So schlossen all diese Bergwerke eins nach dem anderen wieder. Und nach und nach verschwanden auch fast alle Spuren davon.

Heute sind zwar noch vereinzelt Spuren der Bergwerke zu entdecken. Aber man muss schon sehr genau hingucken, dann finden sich erhalten gebliebene Zechengebäude und Reste von Schachtanlagen. Auch zahlreiche Straßennamen wie eben „an der Hoffnung“ erinnern an die Bergwerke. In Lintorf gibt es die Reste der Zechenbahngleise quer durch den Ort und eine Kneipe heisst „zur alten Zeche“. In Velbert erinnert eine uralte Schleppbahnbrücke im Langenhorster Wald an den Transport der Erze.  Von den Bergwerken wurden die Erze zur Phönixhütte in Essen-Kupferdreh gebracht. Auch die Phönixhütte gibt es längst nicht mehr.

Bergschaden im Wohngebiet an der Hoffnung

Und manchmal erschreckt die überhaupt nichts mehr von dem einstigen Bergbau wissenden jüngeren Generationen ein urplötzlich auftretender Bergschaden. Wie das 2011 in einem Wohngebiet  in der Straße „an der Hoffnung“ in Ratingen-Breitscheid geschah. Dabei ist das nicht unbedingt ungewöhnlich in einem früheren Bergbaugebiet. Zahlreiche Beispiele im ganz nahen Ruhrgebiet beweisen das. Dort wurde ja noch viel mehr und auch jahrhundertelang Bergbau betrieben. Die Schächte wurden ja zwar alle verfüllt. Aber manchmal sackt das Füllmaterial nach. Und dann entstehen Pingen und im schlimmeren Fall ein Bergschaden. Im Wald um Maria in der Drucht in Duisburg und Mülheim können bei den Schächten Loman und Heinrich der Lintorfer Erzzechen zahlreiche solcher Pingen bzw. Bergschäden mitten im Wald begutachtet werden.

Das Bergwerk zur guten Hoffnung hat nichts zu tun mit dem Bergwerk an der Hoffnung

Mit ein bisschen Wissen oder Halbwissen darüber kann so ein Bergschaden also gar nicht so sehr verwundern. Da ist ja schon der nach Bergbau klingende Straßenname „An der Hoffnung“. Aber laut Andre aus Lintorf hat das einstige Bergwerk hier nichts mit dem Alaunschieferbergwerk „Zur guten Hoffnung“ in Lintorf zu tun. Wenn man ein bisschen in Büchereien oder im Internet recherchiert, wird man auf ausführliche Texte zu diesem aber wohl sehr kleinen und nicht so bedeutenden Bergwerk stoßen z.B. in der Lintorfer Heimatzeitschrift „Die Quecke“. Dort ist sogar der genaue Ort der einstigen Zeche genannt. Nämlich ist das die  Strasse „Am Krummenweg“ Ecke „Am Birkenkamp“ an der Ortsgrenze von Lintorf zu Breitscheid. Es ist von dort doch ein ganzes Stück bis zur Straße „an der Hoffnung“ in Breitscheid. Es leuchtet mir ein, dass ein Bergwerk dort eher etwas mit der viel näheren (Mülheim-)Selbecker Erzzeche NEU-DIEPENBROCK 3 zu tun gehabt hat.

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Text/Fotos: Ernst Käbisch

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