Am Beginn vom Baldeneysee in Essen-Werden

Stollenmundloch am Stauwerk Baldeney in Essen-Werden
Stollenmundloch am Stauwerk Baldeney in Essen-Werden

von Ernst Käbisch

Schon sind alle Essener Stadtbezirke, die am Ruhrstausee Baldeneysee liegen, ehemalige Bergbauzentren. So sind das die Bezirke Fischlaken, Heisingen, Kupferdreh, Bredeney und Werden eben auch. Und heute, wo es endlich mal wieder trocken ist und die Sonne scheint, fahre ich nach Werden. Denn dahin habe ich es nicht weit und die Fortsetzung meines noch ausstehenden Rundgangs um den Baldeneysee ab Essen-Kupferdreh diesmal am Südufer verschiebe ich auf später.

Unter der Ruhrbrücke
Unter der Ruhrbrücke

Eigentlich bin ich mit der Nordseite vom nicht nur landschaftlich reizvollen Baldeneysee (mal wieder) durch. Und um meinen Rundgang um den See in Etappen im Süden fortzusetzen, müßte ich ja eigentlich in Kupferdreh bei der Phönixhütte und dem Endbahnhof der Hespertalbahn weitermachen. Aber was heißt schon „bin ich durch“? Denn für die Erkundung eines so interessanten Ortes kann ich mir doch alle Zeit der Welt lassen.

Und heute habe ich auch gar nicht die Ruhe, erst quer durch Essen zum Ostende des Sees zu fahren. Außerdem käme dann ja vermutlich noch ein langer Fußweg dazu. Denn mir stehen nun 9 Tage am Stück schnöder Broterwerb bevor und von Montag bis Freitag ist das sogar mal eine ganz neue Tätigkeit beim Patiententransport.

Essen-Werden ist wie eine Kleinstadt und doch Metropole Ruhr

Ruhrbrücke in Essen-Werden
Ruhrbrücke in Essen-Werden

So fahre ich heute „nur“ bis Essen-Werden. Dabei ist das dort interessant genug. Denn um den mittelalterlichen Ortskern mit der alten Abtei pulsiert das großstädtische Leben der Metropole Ruhr. Und die vielen Studenten der Folkwanghochschule geben dem beschaulichen Ortsteil im landschaftlich reizvollen Essener Süden ein jugendliches Flair. So ist Essen-Werden fast wie eine Unistadt.

Und mich interessiert hier aber wieder nur der Altbergbau, von dem es auch in Werden noch immer so viel Spuren zu entdecken gibt. Zwar kenne ich den Weg rechts der Ruhr entlang schon. Und links ist die Brehminsel, die eigentlich eine Halbinsel in der Ruhr mit einem großstädtisch wirkenden Park ist. Auch die alte Schleuse Neukirchen kenne ich schon ebenso wie das Stauwerk Baldeney, wo ein mächtiges Getöse von dem gestauten und die Staumauer herunterspritzenden Wasser des Baldeneysees ist.

Zahlreiche Stollenmundlöcher auch in Essen-Werden

Park auf der Brehminsel
Park auf der Brehminsel

Und hier will ich mir nochmal dieses Stollenmundloch am Stauwerk genauer angucken. Auf einer Karte bei ruhrkohlenrevier.de habe ich so ein Stollenmundloch in der Nähe nämlich direkt an der alten Schleuse eingezeichnet gefunden. Tatsächlich ist aber so eine gemauerte Stelle direkt am Stauwerk. Und dass es ein Stollenmundloch ist, nehme ich mal als sicher an. Denn es sieht so aus wie zahlreiche andere Stolleneingänge, die ich schon besichtigt habe. Man kann auch ein Stück hineingucken. Und ich vermute, dass es da eine Verbindung mit dem anderen Stollenmundloch an der Schleuse gibt. Da hatte ich natürlich auch geguckt. Aber da war Nichts. Vielleicht ist es auch abgesoffen, wo der See gestaut wurde? Und vielleicht gab es da auch keinen Stolleneingang. Dann vermute ich mit den spärlichen Infos, die ich habe, auch nur, dass das hier der Anselmusstollen war.? Oder Flöte wie auf der anderen Seite der Ruhr im Löwental.

Also bei vielen der alten Bergbaurelikte sind ja selbst die Fachleute schon am Rätseln. Denn wo ich jetzt über dem Stauwehr die Ruhr überquere, komme ich in etwa bei dem Stollenmundloch der Zeche Kalksiepen aus. Und 50 Meter daneben ist so eine Art Bunker. Wenn man aber genau guckt, sieht der ohne all dem Beton genauso aus wie das Stollenmundloch und ist ebenso aus Ruhrsandstein gemauert. Und sehr wahrscheinlich gehörte also auch diese Mauer zur Zeche. Denn wozu sollten die Militärs im Krieg auch genau an dieser Stelle einen neuen Stollen bauen, wenn doch schon ein Bergbaustollen existiert? In einem Forum im Internet habe ich eine heftige Diskussion zu diesen Fragen gelesen.

Im Löwental in Essen-Werden

Dann auch im sich nun jenseits der Bredeneyer Straße anschliessenden Löwental sehe ich heute wieder Dinge, die mir bei den letzten Besuchen nicht aufgefallen waren. So meine ich diesmal auch ein breites Flöz in zerklüfteter Felslandschaft zu sehen genauso wie es auf der Infotafel vom GeoPark abgebildet ist.

Also es lohnt sich in jedem Fall, gerade solche Orte öfter zu besuchen. Weil da gibt es so eine Fülle an interessanten Dingen, die es zu beachten lohnt, dass man bei einem Besuch meistens gar nicht alles erfassen kann.

Text / Fotos: Ernst Käbisch

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