AMALIENGRUBE bei Cromford in Ratingen

Herrenhaus der Textilfabrik Cromford
Herrenhaus der Textilfabrik Cromford

von Ernst Käbisch

Sogar in Ratingen und zwar direkt nebenan, wo die geschichtsträchtige erste Fabrik des Kontinents, die Textilfabrik Cromford inzwischen als Industriemuseum steht, wurde einst Bergbau betrieben. Allerdings wurde von der „Selbecker Gesellschaft“ mit der AMALIENGRUBE hier nur ein Probebergwerk aufgebaut. Schon nach kurzer Zeit wurde die AMALIENGRUBE wegen mangelnder Aussicht auf Erfolg wieder geschlossen.

Je älter diese Bergwerke sind, umso schwieriger ist es, gesicherte Erkenntnisse darüber zu finden. Was kann man erzählen, wenn es gar keine oder kaum noch Zechenrelikte gibt? Und wenn nichts oder fast nichts darüber dokumentiert wurde. Und ganz besonders ist das so, wenn so ein Schacht ?  oder ein Stollen ?  oder mehrere Baue ? nur zur Erkundung eingerichtet wurden. Und wenn dann mangels Erfolgsaussichten der Betrieb nach kurzer Zeit wieder eingestellt wurde. So war das bei der von einer Gewerkschaft „Amalie“ gegründeten AMALIENGRUBE in Ratingen.

Fest steht eigentlich nur, dass die „Selbecker Gesellschaft“ (und damit ist vermutlich oder ziemlich sicher ja das Bergwerk NEU-DIEPENBROCK III um den Erzweg inzwischen in Mülheim-Selbeck gemeint), hier bei Cromford tatsächlich vorhatte, ein weiteres Bergwerk aufzubauen.

Die Bergbauzeitung „Glückauf“ nennt die AMALIENGRUBE bei Cromford

„….Im Kohlenkalk bei Ratingen-Cromford wurde von der Selbecker Gesellschaft mit der A m a l i e n g r u b e ein Gang aufgeschlossen, jedoch der Betrieb bald wieder aufgegeben. Es fand sich nur Bleiglanz, daneben Kupferkies in Spuren vor. Dieselbe Erzführung zeigen einige schwache Trümer, die durch den Steinbruch bei Cromford aufgeschlossen worden sind….“

So steht es im Internet. Eigentlich ist das da die einzige auffindbare Information zum Bergbau bei Cromford in der uralten und zum Teil neu veröffentlichten Bergbauzeitung „Glückauf“. Auch im Ratinger Stadtarchiv gibt es nicht sehr viele Informationen zur AMALIENGRUBE. Mal sind es auch mal 2,3 Zeilen in einem Buch über den ehemaligen Kalksteinbruch blauer See in Ratingen mit Quellenangabe eines weiteren Buches (Wunsdorf, 1931, S.72). Auch dort sind noch einmal die gleichen spärlichen Informationen zur AMALIENGRUBE zu finden.

Und am blauen See, der ja vielleicht 500 Meter von Cromford und dem Poensgenpark entfernt gelegen ist, existiert ein Stollen, der dort längst unterirdisch zwischen dem  blauen See und dem 97 Meter davon entfernten Naturbühnenteich führt. Von Tauchern wurde er schon durchtaucht und in einem Bericht in der Zeitschrift „Quecke“ sehr anschaulich beschrieben. Das war schon mein Favorit für den Standort der einstigen AMALIENGRUBE. Die Taucher berichteten von einer Höhle voll mit Kristallen. Und ich selber kenne eine Stelle am blauen See, wo schöne Quarzkristalle zu finden sind. Außerdem bargen die Taucher im Stollen einen mächtigen Stützbalken wie etwa vom Nachtigallstollen in Witten, der dann in einer Ausstellung im Ratinger Museum zu sehen war.

Die AMALIENGRUBE ist vielleicht der Teich nördlich von Cromford

Aber nun sagt mir ein Mann aus Duisburg, den man wegen seinem Hobby Bergbau als „Grubenanton“ bezeichnet und der mich eigentlich anruft wegen dem ehemaligen Alaunschieferbergwerk HOFFNUNG in Ratingen-Lintorf, dass die AMALIENGRUBE dieser kleine See nördlich des Poensgenparks bei Cromford sei. Ich kenne da so einen kleinen schilfumstandenen See fast direkt an der Kalkbahnstrecke Wülfrath-Duisburg. Im Frühjahr quaken da Frösche. Und manchmal verirren sich Rehe aus dem nahen Stadtwald dorthin auf die den See bzw. Teich umgebende Wiese. Es gibt hier mehrere solcher kleiner Teiche. Als ich auch um das nördlich der Kalkbahn an die Wiese anschliessende umzäunte und bewaldete Privatgelände, wo auf Karten ein weiterer grosser Teich eingezeichnet ist, mit dem Rad herumfahre, fällt mir auf, dass da hinter dem Zaun starke unnatürlich wirkende Unebenheiten im Gelände sind. Das sieht doch aus wie Pingen, Halden und Abwasserrinnen einer früheren Zeche.

Auch wenn das Thema Bergbau in Ratingen für mich völlig neu ist (abgesehen von der Ratingen-Lintorfer Zeche FRIEDRICHSGLÜCK), das sind ja eigentlich schon Indizien für einstigen Bergbau. Hier muss jedenfalls seinerzeit parallel zum Kalksteintagebau in der Region auch unter der Erde mächtig gebuddelt worden sein. Und dass aber so gut wie keine Informationen zur AMALIENGRUBE in Ratingen mehr aufzufinden sind, hängt einfach damit zusammen, dass das nur eine erfolglose Probebohrung war.

Quelle (Zeitschrift Glückauf Nr.47, S.1828):

http://delibra.bg.polsl.pl/Content/11051/P-480_1911-2_AP47.pdf

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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