Amtsbesuch in der Kreisstadt (Die Neanderthal-Stadt)

Mettmann - Die Neanderthal-Stadt

Wo ich lebe, muss ich nicht stets daran denken, daß ich mich ja eigentlich mitten in der Provinz befinde. In so einer Fast-Großstadt wird man nicht immer daran erinnert. Die Infrastruktur hier ist fast ähnlich wie in den benachbarten Halbmillionen-Einwohnerstädten Düsseldorf und Wuppertal und fast vor der Haustür jedenfalls mit dem Fahrrad gut erreichbar liegt sogar die Metropole RUHR mit den Großstädten Duisburg, Mülheim und Essen. Dabei werde ich wie alle Mitbewohner „meiner“ Stadt auch aus der idyllischen Kleinstadt Mettmann (die Neanderthal-Stadt) mitten in der tiefsten deutschen Provinz regiert; jedenfalls in den kommunalen Angelegenheiten.

Eigentlich ist das Wort Provinz doch gar kein Schimpfwort für mich. So wie viele Menschen gerne in großen Städten und Metropolen leben, müssen mindestens genausoviele Menschen auch in der Provinz leben. Und was heißt eigentlich müssen; es gibt viele, die es geniessen, wenn das Leben nicht zu hektisch ist und wenn man nicht, wie in der Großstadt, stets Gefahr läuft, auf der Überholspur am Leben vorbei zu leben. Auch wenn es dafür in der Provinz oft ein bisschen den Eindruck macht, dass die Zeit da stehen geblieben ist.

Leben im Neanderthal

Zu diesen Menschen, die es gerne auch mal etwas ruhiger haben, gehöre ich durchaus auch. Schliesslich wohne ich auch in der Provinz. Aber das ist mir oft nicht so bewusst. Die Stadt, in der ich lebe, ist ja selbst fast eine Großstadt und es gibt in ihr Stadtviertel, die durchaus großstädtisch wirken und da die Stadt inmitten von mehreren Halbmillionen-Großstädten gelegen ist, habe ich ja stets die Möglichkeit, mal eben in großstädtisches Leben oder sogar in das Leben einer Metropole (die Metropole RUHR praktisch vor der Haustür) einzutauchen.

Die „Neanderthal-Stadt“ ist die Kreisstadt

Wenn man noch dazu lange in Großstädten und sogar in einer Metropole gelebt hat, kann es schon mal passieren, dass man eben doch auf dieses „Kaff“ von Kreisstadt, von dem man nun mal in Kommunalangelegenheiten regiert wird, regelrecht sauer wird. Das kommt mir ja fast vor wie eine Beleidigung, wo ich zum Amtsbesuch in diese nur ein Drittel so große Nachbarstadt zitiert werde. Es fährt nur eine Buslinie im Stundentakt dahin und es gibt Zeiten am Tag, da fährt sogar überhaupt kein Bus auf dieser Strecke.

Um mit dem Fahrrad in die Kreisstadt zu fahren, ist der Weg dann doch viel zu weit. Immerhin sind das pro Strecke ca. 15 Kilometer, also 30 Kilometer inclusive Rückweg habe ich da in bergischem Land, also in anstrengenden Berg- und Talfahrten zurückzulegen. Neben der schmalen, oft löchrigen und vielbefahrenen Landstraße gibt es streckenweise keinen Fahrradweg. Eine idyllische Fahrt ist das zwar, die über Bauernland in ein durchaus freundlich wirkendes Städtchen mit mittelalterlichem Ortskern voller Fachwerkhäuser und schieferverkleideter Steinhäuser führt. Aber das ist eben tiefste Provinz.

Solche Gedanken gehen mir durch den Kopf, wo ich am Sonntag tatsächlich erst fast etwas beleidigt in die „Provinzhauptstadt“ zur Probe mit dem Fahrrad dahin fahre, um mir anzugucken, wo das Amt überhaupt genau gelegen ist und wie lange ich für die Fahrt brauche. Das Wetter ist völlig anders als gestern in Hamm, wo es regnete. Die Sonne scheint heute von einem wolkenlos blauen Himmel.

Die Wege sind klein in einer kleinen Stadt.

Über eine Stunde habe ich mit dem Fahrrad gebraucht. Schnell finde ich dann heraus, dass am Jubiläumsplatz die Bushaltestelle direkt neben dem Amt ist, zu dem ich demnächst hinmuss. Wenn der Bus pünktlich fährt, habe ich genau 9 Minuten Zeit, um von der Bushaltestelle vor das auf dem Einladungsschreiben genannte Zimmer des Amtes zu kommen. Aber in so einem kleinen Ort sind alle Wege eben klein – ich werde dann wohl mit dem Bus fahren. Ortskenntnisse erleichtern einem ja das Leben.

Und überhaupt ist eigentlich sogar dieses „Kaff“ in der „Provinz“ durchaus eine Reise wert, wie ein anschliessender Bummel durch verträumte Gassen im Ortszentrum mit uralten Häusern mir eindrucksvoll beweist. Es gibt in dieser Stadt nicht nur das weltberühmte Neanderthalmuseum am legendären Fundort der Neanderthaler – auch der historische Ortskern ist sehr sehenswert. Anbei ein paar Eindrücke aus der Kreisstadt Mettmann, die seit kurzem den Namenszusatz „Die Neanderthal-Stadt“ trägt.

Einfach auf eins der Vorschaubilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

2 KOMMENTARE

  1. Ich lebe auch in einer kleinen Stadt und finde das super. Auf dem Rathaus muss ich nicht warten, man wird gekannt, für mich nur Vorteile. Vorher lebte ich lange in Frankfurt. Das ist kein Vergleich.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here