Auf dem Gipfel der Mottbruchhalde in Gladbeck

Auf dem Gipfel der Mottbruchhalde in Gladbeck
Auf dem Gipfel der Mottbruchhalde in Gladbeck

von Ernst Käbisch

Dass wir sogar einen Weg finden, der uns auf das Hochplateau der Mottbruchhalde in Gladbeck führt, hätte ich ja nicht erwartet. Das ist da oben eine menschenverlassene, schwarze und fast gänzlich vegetationslose Mondlandschaft. Abweisend, aber auch grandios und faszinierend.

Es trifft sich gut, dass auch Cousin Peter heute erst nachmittags etwas vorhat. Ausserdem ist heute endlich mal bombiges Frühlingswetter. Und so setzen wir uns früh am Morgen am Hauptbahnhof Essen in die U 11 Richtung Gelsenkirchen-Buer, um zur Mottbruchhalde in Gladbeck zu fahren. Naja, wir fahren nur bis zur Station Essen, Alte Landstrasse mit. Und dann gehen wir zu Fuß in den Gladbecker Ortsteil Brauck hinein bis zu der Heringstrasse. Dort ist der Aufstieg zur Halde 22. Früher hat man in dieser Bergbauregion die Halden dann einfach durchnummeriert. Es gibt hier auch eine Halde 7 (oder Stinneshalde) und eine Halde 19.

Den Weg bis hier kenne ich schon ganz gut. Bis in die „Braucker Alpen“ war ich schon ein paarmal zu Fuß gegangen. Aber jetzt möchte ich endlich mal etwas mehr von diesem Berg mit der schwarzen Kuppe sehen, der wie ein Vulkan aussieht (was beabsichtigt ist). Und dieser Berg ist die höchste Erhebung in diesem von Menschenhand geschaffenen „Gebirge“.

Diesmal erreiche ich die Mottbruchhalde

Das ist die Mottbruchhalde, die ich bisher immer nur von weitem sah. Und wir kommen ganz nahe an die Halde heran, als wir von der Halde 22 konsequent wieder talabwärts gehen. Und dabei gehen wir nicht auf einem Weg um die Nachbarhalde, herum. Diese Halde hielt ich für die Halde Graf Moltke. Aber das ist wohl ein zweiter Gipfel der Halde 22.

Und es sieht nun ganz am Fuss der unten mit Wiese bewachsenen Mottbruchhalde so aus, als ob man ganz gut über die Wiese nach oben käme. Peter ist erst skeptisch, aber dann lässt er sich von meiner Neugierde anstecken und geht mit über den schon etwas steilen Weg nach oben. Ein Weg ist das ja eigentlich nicht. Die richtigen Wege auf die Halden führen eigentlich über Serpentinen hoch. So sehen wir es dann auch hier nach einiger Kletterei auf der Wiese, wo man von oben schon eine grandiose Aussicht über Bottrop mit Bergwerk und Kokerei Prosper und Gelsenkirchen mit der Zeche Nordstern hat.

Auf dem Gipfel der Mottbruchhalde

Und dann auf einmal wird die Erde schwarz und fast gänzlich vegetationslos. Wir haben den Haldengipfel erreicht. Auf einer großen Hochebene ist mittendrin ein mit gelbem verdorrtem Schilf umstandener Teich und rings um uns herum sind gänzlich schwarze Hügel, die von weitem gesehen den Eindruck dieser Halde als der eines Vulkans machen. Grandios wirkt das.

Wir verharren hier eine ganze Weile und lassen die so bizarren Eindrücke an diesem eigentlich menschenabweisenden Ort auf uns wirken. Es sind hier Fahrwege mit Reifenspuren von schweren Fahrzeugen zu sehen, aber die ganze Zeit, wo wir hier sind, sehen wir keinen einzigen Lastwagen, der hier taubes Gestein aus der Steinkohleförderung von der Zeche Prosper anfährt und aufschüttet und überhaupt begegnen wir die ganze Zeit hier keiner einzigen weiteren Menschenseele.

Am Fuss der Mottbruchhalde

Als wir wieder unten am Fuss der Halde sind, kommen wir ganz woanders aus als wo wir vorhin waren. Da ist ein Zaun mit einem abgesperrten Tor und Warnschildern der RAG-Steinkohle, wo geschrieben steht, dass die Bergwerksanlagen bzw. die Halden nicht zu betreten sind. Wir merken etwas irritiert und amüsiert, dass wir ja jetzt offenbar im abgesperrten Bereich sind und klettern über einen Zaun aus dem abgesperrten Areal heraus. Vorhin waren wir doch an keiner Absperrung? Das hätten wir doch respektiert.

Noch eine Weile irren wir in ehemaligem Bergbaugebiet am Fusse dann wohl der Halde Graf Moltke herum. An einer Stelle ist ein gemauerter Rest eines Stollens vermutlich wohl zur Entwässerung oder Bewetterung eines Bergwerkschachts und es sind da in einem kleinen Wäldchen noch weitere Bergbaurelikte wie so ein gemauerter Turm. Auch das fasziniert, aber hier durch diesen Wald kommen wir nicht heraus in bewohntes Gebiet und so gehen wir da wieder raus.

An einer ganz anderen Stelle, als wir erwartet haben, kommen wir dann wieder an der Heringstrasse aus, wo wir am Anfang auf die Halde 22 hochgeklettert waren und gehen und fahren nun schwer beeindruckt von dem Ausflug wieder nach Velbert bzw. nach Ratingen.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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