Auf ewig muss im Ruhrgebiet gepumpt werden.

ÖPNV
In Richtung Bochum fahren derzeit nur Busse und Bahnen.

Die beiden Steinkohlezechen Hansa in Dortmund und Robert Müser in Bochum haben etwas gemeinsam. Denn bei beiden ehemaligen Zechen ist jeweils einer dieser markanten Zechentürme erhalten geblieben.

Schon aber sind das keine Fördertürme und diese Türme sind auch nicht aus Sentimentalität oder aus Gründen des Denkmalschutzes stehen geblieben. Denn vielmehr sind das Wassertürme, die nachwievor Wasser aus den Bergbaugruben pumpen. Und das Thema Wasserhaltung ist das sogenannte Ewigkeitsproblem des Ruhrgebiets nach dem Motto „Auf ewig muss im Ruhrgebiet gepumpt werden.“ Denn durch jahrhundertelang betriebenen Bergbau ist das Ruhrgebiet ja löchrig wie ein Schweizer Käse. Und immer wieder gibt es auch Bergbauschäden wie aktuell beim Ruhrschnellweg A40, wo ein einstiger Erkundungsschacht verfüllt werden muss.

Dann den Turm der Zeche Hansa in Dortmund habe ich schon mehrmals von weitem gesehen. Und einmal besuchte ich die benachbarte Kokerei Hansa. Denn dort zeigt inzwischen ein Industriemuseum anschaulich, wie eine Kokerei im Ruhrgebiet arbeitete. Mit der U-/Strassenbahn U47 sind es nur 5 Stationen ab dem Dortmund HBF bis zur Station „Huckarde Bushof“. Und von ist der grüne Turm der Zeche Hansa mit den Seilscheiben oben schon zu sehen.

Die Zeche Hansa in Dortmund

Und die Zeche Hansa hatte mich bisher nicht so gereizt zu besuchen. Weil ich finde den vermeintlichen Förderturm vergleichsweise nicht so attraktiv. Denn da habe ich schon viel interessantere Exemplare von gesehen. Und jetzt erfahre ich vor Ort, dass das ein nachwievor arbeitender Turm ist, aber natürlich kein Förderturm. Denn es ist ein Wasserturm. Und hier wird schlicht und einfach Grubenwasser aus der Grube gepumpt. Deswegen ist dieser Turm als einer von einst dreien dieser Bergbauanlage erhalten geblieben.

Ausser dem Wasserturm ist noch ein sogenanntes Notgerüst vorhanden und schräg über die Emscherallee steht noch ein neogotischer roter Backsteinbau. Und das ist die alte Schmiede der Zeche. Inzwischen ist hier ein Kulturzentrum. Dann in der Kokerei waren wir einmal vor ein paar Jahren. Und wir wollten da an einer Führung teilnehmen. Aber Tim wollte das nicht und wir gingen dann, ohne „Dönekes vonne Maloche auffe Kokerei“ zu erfahren, wie diese Führung angekündigt war. Naja, vielleicht war das auch besser so. Immerhin ist die Arbeit in einer Kokerei sicher ein hartes und schmutziges Arbeiten.

Die Zeche Robert Müser in Bochum

Auf der Rückfahrt von Dortmund sehe ich aus dem fahrenden Zug einen weiteren Wasserturm nämlich der Zeche Robert Müser in Bochum. Ich versuche ihn zu fotografieren und tatsächlich bekomme ich ein Bild hin, wo der Turm fast unverwackelt drauf zu sehen ist und nur die Umgebung ist unscharf.

2 Wochen später fahre ich also nach Bochum. Am Bochum HBF steige ich in den Bus 345 in Richtung „Knappschaftskrankenhaus“ und steige an der Station „Arnoldschacht“ aus. Hier ist in einem jetzt wochenendlich verwaisten, sonst aber offenbar rege genutzten Gewerbegebiet der Wasserturm der Zeche Robert Müser, den ich aus dem Zug gesehen hatte. Ausser diesem Turm scheint hier Nichts von der Zeche übriggeblieben zu sein. Der Turm pumpt das Grubenwasser in die Harpener Teiche wie früher die Abwässer von der Kohlenwäsche steht auf einer Infotafel zur Zeche neben einer Lore und einer Seilscheibe zu lesen.

Bergbauschaden an der A40 in Essen-Frillendorf

Innerhalb der Großstädte im Ruhrgebiet ist man mit dem ÖPNV schnell unterwegs wie es sich für eine Metropole gehört. Da ich heute früh wieder in Essen bin, gucke ich mir noch den Bergbauschaden direkt an der A40, dem Ruhrschnellweg an. Durch den Erkundungsschacht „Joachim“ von 1847, der immerhin 58 Meter tief ist, ist die Fahrbahn der starkbefahrenen Autobahn einsturzgefährdet und der Schacht wird derzeit mit Beton verfüllt. Schon im Bezirk Frillendorf im Osten der Stadt Essen merke ich an den sich stauenden Autos und den Hinweisschildern die Ausnahmesituation. Der Frillendorfer Platz ist eigentlich nur ein winziges Waldstück. Von hier kann ich einen Damm hochklettern, von wo ich über die heute nur einspurig befahrene A40 bis hin zu der Baustelle gucken kann.

Einfach auf eins der Vorschaubilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

3 KOMMENTARE

  1. Hallo Ernst!
    Ja, das sind schöne Bilder, allerdings muss ich dich in einigen Dingen korrigieren. Die Bezeichnung Fördergerüst passt durchaus, denn auch das heben von Grubenwasser wird als Förderung bezeichnet. Ebenso müssen regelmäßig Bergleute zur Pumpenwartung nach Untertage auf diese beiden Schachtanlagen. Denn auch ein Seilfahrtsschacht wird als Förderturm bezeichnet, ebenso muss Materialförderung stattfinden (Ersatzteile für die Pumpen zum Beispiel oder auch neue Pumpenanlagen). Der Schacht Arnold der Zeche Robert Müser ist auch nicht das einzige verbliebene von der Schachtanlage, es gibt noch einen zweiten Schacht. Immerhin muss die Bewetterung auch bei der Pumpenwartung untertage stimmen, zusätzlich muss immer ein Notausgang vorhanden sein – auch in einem Bergwerk. Ein Rechteckiger Backstein-Turm mit einem herausguckenden Seil ist der 2. offene Schacht der Zeche Robert Müser. Wie der Schacht mit dem Fördergerüst sich „Arnold“ nennt, so nennt sich der zweite offene Schacht „Gustav“.
    Und nochwas: Die beiden Schächte der Zeche Hansa sind mittlerweile verfüllt worden. Durch den geplanten Anstieg des Grubenwasserspiegels nach 2018 wird der Wasserhaltungsstandort Hansa nicht mehr benötigt.
    Glückauf und Grüße, Tobi.

    • Hallo Tobi, herzlichen Dank für den Kommentar und die Informationen. Wahrscheinlich sind meine Texte voll mit so Dingen, die eigentlich korrigiert gehören. Das mit dem „Wasserturm“ von der Zeche Robert Müser, der eigentlich doch ein Förderturm ist, habe ich einfach von einer Info über die Zeche Helene Amalie in Essen übernommen, wo drin stand, dass das dort stehengebliebene Gerüst ein solcher Wasserturm wäre. Dann weiss ich also jetzt, dass auch das Heben von Grubenwasser als Förderung bezeichnet wird. Interessant. Ich bin halt kein Bergmann und war es auch nicht, sondern bin absoluter Laie bei diesen Themen. Aber der Altbergbau besonders im Ruhrgebiet interessiert mich schon sehr und ich freue mich, wenn ich wieder etwas dazu gelernt habe. Auch das mit dem Notausgang und dem 2. offenen Schacht ist interessant und ja auch logisch z.B. wegen dem Wetter. Vor ein paar Wochen war ich in der Stadt Wetter beim Fahrschacht vom Schlehbuscher Erbstollen und habe da dieses Warnschild vor hohen CO-Konzentrationen gesehen. Und ein ehemaliger Bergmann, der dort oft hineingeht, hat mir von dieser Gefahr auch erzählt.
      Glückauf und schöne Grüße Ernst Käbisch

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