Bergbau im Kreis Mettmann

im Artikel kreis Mettmann
Bergarbeitersymbol "Schlägel und Eisen" am Wülfrather Zeittunnel
von Ernst Käbisch

Das Ruhrgebiet ist näher als man, in nicht mehr zum Ruhrgebiet zählenden Orten wie Ratingen, Heiligenhaus, Velbert oder Wuppertal, denkt. Schon zum Teil bemüht man sich dort ja auch sehr um eine gute Nachbarschaft zu den Essenern und Duisburgern. Und die Stadt Heiligenhaus aus dem Kreis Mettmann etwa feierte wie Essen bei der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 mit. Denn Zechen und Hütten gab es auch hier. Und die Hände beim Arbeiten kann man sich schließlich überall schmutzig machen.

Schon mag man sich ja sehr bemühen in Ratingen, in Velbert, in Wuppertal und anderen ans Ruhrgebiet grenzenden Städten, sich von diesem zu distanzieren. Weil man macht(e) sich da beim Arbeiten die Hände schmutzig. Und auch die Luft dort ist (war) oft sehr schmutzig. Dann aber ist man aber auch in diesen Orten mehr mit dem einstigen montanindustriellen Zentrum Deutschlands und all seinen inzwischen ja meist abgewickelten Hütten und Zechen verbunden als man denkt.

Gerade in der einst sich als grüne Lunge zwischen den Großstädten in der Rhein-Ruhr-Metropolregion rühmenden Stadt Ratingen denkt man, rein gar nichts mit dem Ruhrgebiet zu tun zu haben. Davon ist man weit weg und man orientiert sich nach Düsseldorf und Köln. So mit Essen und Duisburg hat man nichts zu tun. Denn Zechen gab es hier nicht, nur z.B. die feine Textilfabrik Cromford (die erste Fabrik vom Kontinent) und vor allem große Wald- und Naherholungsgebiete.

Erzzechen in Ratingen / im Kreis Mettmann

Jedenfalls gab es in der Kernstadt Ratingen keine Zechen. Und das änderte sich nach der NRW-Gebietsreform von 1975, wo die Dörfer Lintorf und Breitscheid zu Ratingen eingemeindet wurden und Ratingen zur eigenen Industriegeschichte die sehr beachtliche und jahrhundertealte Geschichte der Lintorfer Erzzechen „erbte“.

Schon gibt es ausser einem einzigen erhaltenen ehemaligen Maschinenhaus der Zeche Friedrichsglück auf dem Gelände der Firma Thyssen-Hünnebeck und Resten der Zechenbahngleise nur noch ein paar Straßennamen, die in Ratingen-Lintorf an die Zechen erinnern. Dann aber nördlich von Lintorf in jetzt zu Duisburg und Mülheim an der Ruhr zählenden Waldgebieten sind noch zahlreiche Zechenrelikte wie Halden, Reste von Schachtanlagen und die Ruine eines Maschinenhauses in inzwischen dicht gewachsenen Wald zu finden.

Denn die Lintorfer Erzzechen förderten im gleichen „Erzgebirge“ wie die sich daran praktisch anschliessende Zeche Neu-Diepenbrock 3 in Selbeck, einem Ortsteil von Mülheim an der Ruhr, wo ebenfalls noch Reste von Schachtanlagen und Halden und ein gut erhaltenes neu genutztes Bergarbeiterheim erhalten sind. Dann bis 1929 bildete Selbeck mit dem jetzigen Ratinger Stadtteil Breitscheid die Landgemeinde Breitscheid-Selbeck. Und auch in Selbeck gibt es Straßennamen, die an den Bergbau erinnern: Erzweg, Markscheiderhof und Glückaufstraße.

Noch mehr Bergbau im Kreis Mettmann

Also überrascht hat mich kürzlich bei einem Besuch des Wülfrather Zeittunnels das Bergarbeiterlogo „Schlägel und Eisen“ über dem Portal des Tunnels, durch den auf Schmalspurzügen der geförderte Kalkstein aus dem „Bochumer Bruch“ gefahren wurde. Denn der Betreiber des Kalksteinbruchs, den man im weiteren Sinn natürlich auch als ein Bergwerk bezeichnen kann, war der „Bochumer Verein“. Und in Wülfrath baute der Bochumer Verein den Kalkstein ab, der in Kalkbrennöfen zu dem für seine Hütten im Ruhrgebiet benötigten Grundstoff Kalk gebrannt wurde.

Weiter gab es im Kreis Mettmann gänzlich unvermutet Erzzechen wie in Lintorf und Selbeck wie z.B. die Zeche Talburg in Heiligenhaus und die Zeche Benthausen in Mettmann-Metzkausen nahe der Stadtgrenze zu Ratingen. Also auch hier wurde jeweils Blei, Zink, Kupfer und Alaun gefördert.

Zechen in Velbert / im Kreis Mettmann

Denn die Lintorfer und Selbecker Zechen sind auch verbunden mit dem „Velberter Sattel“ (mit dessen Ausläufern in Heiligenhaus und Mettmann) dieses so erzreichen Vorkommens. Und auch in Velbert gab es mehrere Erzzechen, die inzwischen wie die Lintorfer Erzzechen längst vergessen sind. Schon sind sie bis heute noch aufspürbar. Und man kann Reste von Schächten, Halden und dergleichen finden wie am Zechenweg unweit der Velberter City, wo die Zeche Vereinigte Glückauf bis zu einem plötzlichen Wassereinbruch im Jahr 1916 Bleierz, Zinkerz, Schwefelkies und ein wenig Kupfer förderte. Also ähnlich wie auch die Lintorfer Erzzechen.

Dann gab es in Velbert  sogar eine Steinkohlenzeche, die Zeche Klein Umstand. Und hier ist die Stadtgrenze von Essen ganz nah. Von hier ist es nicht mehr weit zu einem der einst zechenreichsten Bergbaugebiete des Ruhrgebiets am Baldeneysee und in Essen-Kupferdreh.

Und auch die Zeche Rudolf mit der wunderbaren Maschinenhausruine im dichten Oefter Wald in Essen-Kettwig war bis 1897 ein Teil der sich auch im Kreis Mettmann befindlichen Stadt Velbert. Denn das erfuhr ich kürzlich von dem gebürtigen Velberter Bergmann und Autor Ulrich Lütsch.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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