Bergbau in der Euregio Maas-Rhein

Euregio Maas-Rhein: Malakowturm der Zeche Oranje Nassau in Heerlen (NL)
Euregio Maas-Rhein: Malakowturm der Zeche Oranje Nassau in Heerlen (NL)

von Ernst Käbisch

So ähnlich wie im Ruhrgebiet wurde im Dreiländereck um Aachen Bergbau betrieben. Und zwar gab es Bergwerke in allen drei Ländern der inzwischen sogenannten Euregio Maas-Rhein. Zuerst waren es die Niederländer, die zu Beginn der Kohlekrise sämtliche Bergwerke in der Mijnstreek innerhalb einer Dekade stilllegten. Und längst sind auch alle Bergwerke im Aachener Revier dicht. Weiter sind auch alle Bergwerke in Belgien stillgelegt.

Zuerst war es nur der Malakowturm in Heerlen, der mich reizte. Denn sämtliche 14 im Ruhrgebiet erhalten gebliebenen Malakowtürme habe ich mir ja angeguckt. Bis auf einen sind das Schachttürme von Steinkohlebergwerken. Und da muss ich doch so ein Gegenstück davon in den Niederlanden auch mal sehen. Zumal das nur unweit der Grenze im südlimburgischen Heerlen ist. Vom Bahnhof Herzogenrath aus ist es bis Heerlen nur 3 Stationen mit einer Euregiobahn zu fahren.

Und hier unweit vom Bahnhof Heerlen ist Schacht 2 der ehemaligen Zeche Oranje Nassau. Inzwischen ist in dem vergleichsweise zierlichen Malakowturm das sehr empfehlenswerte Nederlands Mijnmuseum untergebracht. Also das ist ein würdiger Platz, um dem auch hier im Nachbarland so wie im Ruhrgebiet lange betriebenen Bergbau zu gedenken. Dafür ist die Ausstellung auf 3 Etagen im prächtig restaurierten Malakowturm nicht unbedingt etwas Neues für mich. Denn fast alles hier Ausgestellte kenne ich von Zechen und Museen wie der Rheinhauser Bergbausammlung im Ruhrgebiet. Und neu ist nur, dass das hier eben auf holländisch ist.

Euregio Maas-Rhein: Bergbau in der Mijnstreek und im Aachener Revier

Bergbau in der Euregio Maas-Rhein
Förderturm der Zeche Sophia Jacoba in Hückelhoven

Inzwischen war ich mehrmals in dieser Region um die Großstädte Aachen, Lüttich und Maastricht. Euregio Maas-Rhein wird dieses Gebiet auch genannt. So ähnlich wie im Ruhrgebiet waren alle Nachbarstädte vom niederländischen Heerlen wie Kerkrade, Landgraaf, Brunssum, Simpelveld.. Bergbaustädte. Und insgesamt 12 Bergwerke wie die Zeche Oranje Nassau und die Staatsmijn Wilhelmina gab es hier. In der sogenannten „Mijnstreek“ förderten die Zechen das schwarze Gold. Es gab eine „westelijke Mijnstreek“ um Sittard und Geleen. Und es gab die „oostelijke Mijnstreek“ um Heerlen und Brunssum.

Und nicht anders war das im östlich direkt angrenzenden Aachener Revier auch. Denn sowohl im direkt an der holländischen Grenze gelegenen Herzogenrath als auch in Hückelhoven gab es bedeutende Bergwerke. Außerdem gab es Gruben in Eschweiler, in Stolberg, in Würselen, in Alsdorf… Und nicht zuletzt auch in Aachen selber gab es Bergbau. So wie im Ruhrgebiet die Zechenschliessungen meist schmerzliche Einschnitte in das Leben der Bevölkerung waren, so war das auch hier. Denn in den hier meist kleinen Landgemeinden gab es eigentlich nur 2 prägende Ereignisse. Und zwar ist das der Beginn des Bergbaus oft schon im 19ten Jahrhundert oder sogar früher. Weiter ist es das Ende des Bergbaus gegen Ende des 20ten Jahrhunderts. Nur noch in Alsdorf und in Hückelhoven erinnern jeweils ein prächtiger Zechenförderturm an die längst vergangene Bergbauzeit.

Euregio Maas-Rhein: Bergbau in Belgien

Oskarstollen der Grube Schmalgraf in Kelmis, Belgien
Oskarstollen der Grube Schmalgraf in Kelmis, Belgien

Und noch ein ganz anderes Kapitel ist das Thema Bergbau in Belgien. Steinkohlebergbau gab es auch hier. Aber das war schon im Lütticher Raum und in Belgisch-Limburg in Beringen, Genk, Hasselt und weiteren Städten. Dort sind auch viele Relikte dieser Bergwerke erhalten. Denn ich habe eindrucksvolle Fotos davon gesehen.

Immerhin war ich schon einmal in Kelmis / La Calamine in Ostbelgien. Und diese Kleinstadt direkt hinter Aachen war auch eine Bergbaustadt. Hier gab es das Kuriosum eines lange selbstständigen Staates um das Bergwerk. Das war nämlich der vom damaligen Preussen und Belgien unabhängige Zwergstaat Neutral-Moresnet. Das Bergwerk war hier aber eine Galmeierzzeche. Also Blei und Zink wurde gefördert. Aber ich hatte einen eindrucksvollen Tag in diesem eindrucksvollen Ort. Viele Zeugnisse aus der Bergbauzeit werden hier liebevoll bewahrt.

Bewahrung der Erinnerung und Entdeckung der Gemeinsamkeiten

Förderturm und Maschinenhaus der Grube Anna in Alsdorf bei Aachen
Förderturm und Maschinenhaus der Grube Anna in Alsdorf bei Aachen

Doch etwas erstaunt war ich, dass ein junger Bewohner von Kelmis nichts vom Bergbau in der Region wusste. Denn ich fragte ihn an der Rochuskapelle im Göhltal in Kelmis unweit vom Oskarstollen nach dem Weg dorthin. Und er antwortete mir, dass er noch nie davon gehört habe. Aber da ich tags zuvor gründlich auf Karten recherchiert hatte, fand ich doch noch zu der Grube Schmalgraf. Und von den Relikten der Schachtanlage aus war auch der Weg zum Stollenmundloch vom Oskarstollen gut findbar.

So wurde in den einzelnen Ländern der Bergbau für sich auf jeweils unverwechselbare Art betrieben. Zwar ist das Kapitel Bergbau in der Euregio längst vorbei. Und Spuren darauf sind weitgehend beseitigt. Doch jetzt beginnt man, auch diese Gemeinsamkeiten aller 3 Länder zu entdecken. Denn das Ende des Bergbaus bedeutet für die Euregio Maas-Rhein eine neue Freizeitlandschaft mit begrünten Halden und Parks auf ehemaligen Zechengeländen. Außerdem entstehen vielerorts Kulturzentren in den übriggebliebenen „Kathedralen“ der alten Bergwerke.

Eine Besonderheit der Euregio Maas-Rhein habe ich vor vielen Jahren zufällig  entdeckt. Denn im holländischen „Meinweg“ sollte eigentlich die „Staatsmijn Beatrix“ Steinkohle fördern. Und Beatrix war als größte niederländische Steinkohlezeche geplant. Und sie war bereits abgeteuft. Aber zu Beginn der Steinkohlekrise wurden die Zechen in den Niederlanden stillgelegt. Beatrix begann nie zu fördern.

Text / Fotos: Ernst Käbisch

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