Bergbau in Kamen und Bergkamen

Relikte aus dem Bergbau vor dem Rathaus Bergkamen
Relikte aus dem Bergbau vor dem Rathaus Bergkamen

von Ernst Käbisch

Lange Zeit war die kleine Stadt Bergkamen nordöstlich von Dortmund die nach Förderung pro Einwohner größte Bergbaustadt Europas. Hier passierte 1946 in der Zeche Grimberg 3/4 das schrecklichste Grubenunglück im deutschen Bergbau. 405 Bergleute starben. Auch in Bergkamens Nachbarstadt Kamen wurde Bergbau betrieben. Davon ahnte ich jahrzehntelang überhaupt nichts, obwohl ich oft hier war.

Dass überhaupt Bergbau in diesem Gebiet im Nordosten vom Ruhrgebiet betrieben wurde, war mir lange Zeit nicht bewusst. Dabei hatte ich hier Verwandte. Manchmal fuhr ich in meiner Kindheit mit meinen Eltern im Auto zu ihnen unweit des Kamener Kreuzes in Kamen-Methler. Dann verbrachten wir einen Nachmittag in deren gemütlichem kleinem Wohnhaus mit kleinem Garten, habe ich noch in Erinnerung. Mehr weiss ich eigentlich nicht von ihnen. Nach meinem Gefühl war hier schon hinter Dortmund das Ruhrgebiet mit seinen qualmenden Schloten der Zechen und Hütten und Kokereien längst zu Ende. Mein Onkel um ein paar Ecken war ein freundlicher Mann und so weit ich mich erinnere, arbeitete er bei der Post.

Auch in Kamen wurde Bergbau betrieben

Aber sogar in Kamen waren Bergbaubetriebe. Das stelle ich jetzt fest, wo ich heute Jahrzehnte später am Bahnhof Kamen aus dem Regionalzug nach Hamm steige. Über die Koppelstraße und die Lünener Straße gehe ich zu Fuß in Richtung Bergkamen. Zu meiner Überraschung steht da links am Weg kurz hinter der Abzweigung Weddinghofer Straße über Wohnhäusern ein roter Förderturm. Das ist im Ruhrgebiet schon ein eher selten gewordenes Bild. Natürlich gehe ich da näher ran und muss mir diesen stilvollen Förderturm genauer angucken. Es sind weitere stilvolle Zechengebäude eines Schachtgeländes erhalten geblieben. Erst zuhause erfahre ich auf Internetseiten wie zechensuche.de, dass das hier die Zeche Grillo bzw. die Schachtanlage Grillo der Zeche Monopol war. Gegen Ende der Steinkohleförderung war fast alles von den Bergbaubetrieben in Kamen und Bergkamen nur noch die Zeche Monopol.

Das schlimmste Unglück im deutschen Bergbau

Nachdem ich also die Schachtanlage Grillo besichtigt habe, gehe ich nun erst etwas zögerlich weiter, weil es zu regnen beginnt. Aber dann gehe ich zielgerichtet, da es bei dem einem kurzen Schauer bleibt, den ca. 3 Kilometer langen Weg zum Waldfriedhof Weddinghofen in der Nachbarstadt Bergkamen. Auch in Bergkamen leben wie in Kamen etwas über 40.000 Menschen. Das erste, was ich auf dem Waldfriedhof sehe, ist bereits das 9 Meter hohe Denkmal im Eingangsbereich. Dieses schlichte, aber ergreifende Denkmal erinnert an das schrecklichste Bergbauunglück nicht nur in der Geschichte des Ruhrbergbaus, sondern des deutschen Bergbaus insgesamt. Am 20. Februar 1946 fanden in der Bergkamener Zeche Grimberg 3/4 405 Bergleute durch eine Schlagwetterexplosion den Tod.

Ich habe gestern noch lange Videos und weitere Informationen zu diesem Unglück angeguckt. Das war offenbar eine vermeidbare, weil durch Schlamperei und Habgier der Zechenbesitzer verursacht dann aber in der Konsequenz doch fast unvermeidliche Tragödie. Der 2. Weltkrieg war ja gerade einmal ein dreiviertel Jahr zu Ende. Selbst bei den Rettungsarbeiten wurde noch geschlampt. Es hätten viele verunglückte Bergleute vermutlich noch gerettet werden können, wenn die Rettungsarbeiten besser koordiniert worden wären. So erzählen es traumatisierte, aber das schlimme Unglück noch überlebende Bergleute bei Zeugenbefragungen durch die englische Besatzungsmacht.

Ehemaliges Zechengelände Grimberg 1/2 in Bergkamen

Das Unglücksbergwerk Zeche Grimberg 3/4 liegt in der Nähe vom Waldfriedhof in Bergkamen-Weddinghofen; es ist aber nichts mehr davon erhalten geblieben. Dafür ist unweit der Stadtmitte von Bergkamen noch die Schachtanlage 1/2, bei der während des 2. Weltkriegs auch bereits ein schreckliches Grubenunglück durch eine Schlagwetterexplosion passierte. 107 Bergleute starben. Grimberg 1/2 war natürlich später auch ein Teil der Zeche Monopol. Noch vor kurzem war diese Anlage sogar noch aktiv als Teil der viertletzten Großzeche im Ruhrgebiet, des Bergwerks Ost in Hamm.

Bergbaurelikte in Bergkamen

Bei Grimberg 1/2 sind noch viele Zechengebäude erhalten geblieben und werden auch in dem neu hier entstehenden Gewerbegebiet Neu-Monopol von Betrieben neugenutzt. Der unbestrittene Mittelpunkt dieses Gewerbegebiets ist natürlich der honiggelbe und von weitem schon sichtbare Förderturm von Schacht 1. Und auch Schacht 2 direkt am Zaun des Schachtgeländes entdecke ich. Eine Protegohaube immerhin erinnert noch an diesen zweiten Schacht dieses ehemaligen Zechengeländes. Zwei halbe Seilscheiben der Zeche Monopol sind rotbemalt als geschmackvolle Gedenkstätte für den Bergbau vor dem modernen Rathaus von Bergkamen aufgestellt. Ein stilisierter Förderturm von Schacht 1 ziert neben einem Stadtplan von Bergkamen ein Häuschen an dem zentralen Busbahnhof der Stadt.

Es gibt in dieser Stadt Bergkamen, die laut der Webseite ruhrzechenaus.de lange die größte Bergbaustadt (Förderung/Einwohner) Europas war noch eine der schönsten renaturierten Bergbauhalden des Ruhrgebiets, nämlich die Halde Großes Holz und im Stadtteil Oberaden noch weitere Zechenrelikte z.B. einen weiteren markanten Förderturm der Zeche Haus Aden. Es sind also noch reichlich Spuren vom Bergbau hier vorhanden, von dem ich aber Nichts ahnte, als ich als Kind mit meinen Eltern zu Besuch zu meinen Verwandten nach Kamen fuhr.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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