Bergbau in Kettwig

Blick in einen Stollen der Zeche Rudolf in Kettwig
Blick in einen Stollen der Zeche Rudolf in Kettwig

von Ernst Käbisch

Kettwig ist für seine Bewohner einfach Kettwig und nicht Essen-Kettwig. Auch ich kenne Kettwig als die Nachbarstadt von Ratingen im Kreis Mettmann. Und es fällt mir schwer zu akzeptieren, dass hier seit 1975 Essen ist und auch, dass hier bereits das Ruhrgebiet ist. Dass bis 1966 in Kettwig jahrhundertelang rege Steinkohlebergbau betrieben wurde, ist mir sogar ziemlich neu. Spuren vom Bergbau gibt es hier aber eine Menge. Man muss bloss genau hingucken.

Der Vorteil mit einem Auto ist natürlich, dass man viel schneller von A nach B kommt und das ganz so wie man das will. Die Rösche von der Zeche Kanzel unweit des Kattenturms in Kettwig haben wir gerade begutachtet, da sind wir schon wieder aus Kettwig raus und in Essen-Werden. Da wo die Häuser Ruhrlandstrasse 164 und 168 sein sollen, gibt es nur die Hausnummern 163, 165, 167 und 169. Nr. 164 ist in der Kettwiger Stadtchronik erwähnt als Ort, wo 1637/38 die erste Förderung der Kettwiger Zeche Kanzel war (jetzt soll da der Reiterhof Auerhof sein). Und bei Nr. 168 soll ein Steigerhaus der Zeche erhalten sein. Den Reiterhof gibt es hier ja, aber auf der anderen Strassenseite stehen gar keine Häuser. Wo ist dann das Steigerhaus?

Zeche Rudolph im Oefter Wald im Kettwig

Nun fahren wir weiter nach Essen-Werden auf die andere Ruhrseite und gucken uns da bei einem ehemaligen Steinbruch um. Der ist jetzt eine Art Vogelreservat, jedenfalls laut Infos auf einem Plakat ein Brutgebiet für Vögel. Und aber sehr vermutlich war auch das einmal ein Bergwerk. Alles auch hier in der Region war ja irgendwie mal mit dem Bergbau verbunden. An einer Stelle an der Laupendahler Strasse fliesst rötliches Wasser von einem der schroffen, steilen Felsen hinab.  Eisenhaltiges Wasser ist das und das ist immer ein Indiz auch auf ein nahes Kohleflöz wie z.B. auch bei der Zeche Pauline, die direkt hier um die Ecke ist. Wir kennen die Zeche Pauline aber bereits, deswegen fahren wir noch ein Stück weiter die Laupendahler Strasse entlang. Links geht inzwischen wieder in Kettwig bei Schloss Oefte der Weg Oefte ab.

Eine Maschinenhausruine in Kettwig

Hier geht es zur Zeche Rudolph, die Andre noch nicht kennt, aber ich war auch schon eine Weile nicht mehr hier. Es ist eigentlich jetzt mit der schon sommerlich üppig gewachsenen Vegetation kein guter Zeitpunkt für eine solche Zechenexkursion in die Wildnis. Aber den Weg zu der faszinierenden Maschinenhausruine kenne ich ja längst gut. Auf Anhieb finde ich sogar auch das Stollenmundloch Wilhelm wieder, wo ein paar Treppenstufen hinab zu einem Vorraum mit einem Gang führen. Diesmal gehe ich da auch mal hinein. Man kommt noch in einen weiteren winzigen Raum, der aber zugemauert ist. Es ist natürlich richtig, so etwas so gut zu sichern. Sonst könnte man ja seine Kinder nicht mehr alleine im Wald spielen lassen.

Auch bei einer Rösche ein Stück höher als das Mundloch gucken wir mit Taschenlampe bewaffnet hinein. Hier kann man mal weit in einen Stollen hinein gucken. Interessant, allerdings würde es hier wohl zu eng sein, hineinzugehen geschweige denn mit einer Lore geförderte Kohle herauszuholen. Das ist halt (vermutlich) eine Rösche, ein Abwasserstollen. Eventuell ist der auch zur Bewetterung angelegt.

Kettwig, Laupendahler Höhe

In jedem Fall ist das alles noch gut erhalten und das gilt ja auch für die Maschinenhausruine der Zeche Rudolph, bei der aber mal wieder der sie umgebende Zaun kaputt ist. Diesmal ist es aber nicht von Vandalen gemacht, sondern das war offensichtlich ein Sturmschaden. Ein Baum ist umgekippt und hat den Zaun an einer Stelle heruntergedrückt. Eigentlich ist klar, dass wenn man sich mit Bergbau in Kettwig beschäftigt, dass man unweigerlich bei dieser größten und mit seinen vielen großartigen Relikten nachwievor spannendsten Zeche des Ortes landet. Neben dem Maschinenhaus ist ein weiteres Stollenmundloch, in das man hineingucken kann. Der Stollen ist weit einsehbar. Allerdings ist natürlich der Eingang vergittert.

Im Anschluss fahren wir von dieser einstmals größten und bedeutendsten Zeche von Kettwig noch auf die Laupendahler Höhe, wo einst das feudale und im Krieg weitgehend zerstörte Anwesen Charlottenhof der Industriellenfamilie Flick war. Und auch hier arbeiteten mehrere Steinkohlezechen, Zeche Emilie etwa und auch die Zeche Werner und das noch nach dem 2ten Weltkrieg. Kettwig war eben nicht nur die bekannte Tuchmacherstadt. Der Bergbau war auch in diesem südlichsten Essener Bezirk über Jahrhunderte sehr bedeutend, auch wenn wir in Laupendahl mal auf keine sichtbaren Spuren treffen.

Zeche Kanzel am alten Kettwiger Bahnhof

Aber immerhin bekomme ich dann auch am alten Kettwiger Bahnhof, wo wir im Anschluss hinfahren, von Andre bestätigt, dass dieses Loch am Felsen gegenüber dem Bahnhofsgebäude ein Stollenmundloch der Zeche Kanzel ist. Auch hier kann man einigermassen weit in den Stollen hineingucken; allerdings funktioniert wie beim letzten Mal wieder das Blitzlicht an meiner Kamera nicht.

Es sind in Kettwig auch noch so viele weitere kleine Zechen wie z.B. die Zeche Erbenbank tätig gewesen, dass ich hier das eine oder andere Mal noch hinfahren werde. Einmal verlassen wir bei unseren Rundfahrten das Essener Stadtgebiet und sind am ehemaligen Eisenbahnviadukt in der Ruhrstrasse in Heiligenhaus. Hier kennt Andre noch einen efeuüberwucherten Stolleneingang der Bleizeche Thalburg, von der ich dachte, dass es da keine Relikte mehr von gibt.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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