„Bergkamen – hier sind Sie richtig“

Auch auf der Schachtanlage Grimberg 1/2 in Bergkamen passierte ein schlimmes Grubenunglück.
Auch auf der Schachtanlage Grimberg 1/2 in Bergkamen passierte ein schlimmes Grubenunglück.

von Ernst Käbisch

Bergkamen war lange Zeit die größte Bergbaustadt Europas. Während und kurz nach dem Ende des zweiten Weltkriegs passierten hier zwei schlimme Grubenunglücke mit vielen hundert toten Bergleuten. Das Unglück vom 20.Februar 1946 auf „Schacht Kuckuck“ (Schachtanlage 3/4 der Zeche Grimberg) nach einer Schlagwetterexplosion war das schrecklichste Unglück im deutschen Bergbau. 405 Bergleute starben.

Zufällig habe ich die Kamera noch in der Hand, als der Bus R 81 an dem Straßenschild „Zum Schacht Kuckuck“ vorbei fährt. Und da der Name so ulkig ist, drücke ich auf den Auslöser. Erst zuhause sehe ich dann, dass Schacht Kuckuck im Volksmund das Unglücksbergwerk Grimberg 3/4 in Bergkamen genannt wird. Dort passierte 1946 das schlimmste Bergbauunglück im deutschen Bergbau. Schon ein Stück vorher habe ich den Ort wieder erkannt, wohin ich vor einigen Wochen zu Fuß vom Bahnhof Kamen aus hingegangen war. Auf dem Waldfriedhof in Bergkamen-Weddinghofen steht ein 9 Meter hohes Denkmal an die 405 Todesopfer des Unglücks.

„Zum Schacht Kuckuck“ in Bergkamen

Die Schulstraße ist ganz in der Nähe von dem Waldfriedhof. Der Bus fährt von der Marina Rünthe kommend auf dem Weg nach Kamen da entlang. Auf der Internetseite zechensuche.de habe ich gesehen, dass auf der Schulstraße die Schachtanlage Grimberg 3/4 war. Und es sind da aber eigentlich keine Relikte mehr ausser Protegohauben. Weil dort eben das Unglück stattfand, muss ich da natürlich nicht gezielt hingehen oder hinfahren. Aber nun fahre ich zufällig im Bus an so einem vermeintlichen ehemaligen Zechengelände vorbei. So drücke ich eben auch dort mal auf den Kameraauslöser. Wahrscheinlich wird das ein nichtssagendes Bild, denke ich zuerst. Aber zuhause finde ich dann im Internet die bedrückenden Infos zum Schacht Kuckuck. Nach dem Schacht Kuckuck ist die Straße „Zum Schacht Kuckuck“ ja benannt.

Weitere schlimme Bergbauunglücke durch Schlagwetterexplosionen gab es in Bergkamen. Und zwar passierten die auch auf Zeche Grimberg bzw. Zeche Monopol. Ab 1967 hieß das Bergwerk Grimberg ja so. Bei einer Schlagwetterexplosion wird das berüchtigte Grubengas Methan entzündet. Die weiteren Grubenunglücke geschahen auf der Schachtanlage Grimberg 1/2. Diese Schachtanlage ist unweit des Bergkamener Zentrums. Sie ist noch zu einem großen Teil erhalten geblieben. Bis 2010 war sie dann Teil der viertletzten Ruhrgebietszeche Bergwerk Ost in Hamm. Also war sie bis vor kurzem sogar noch aktiv. Ein markanter Förderturm als weithin sichtbare Landmarke konnte erhalten bleiben.

„Bergkamen – hier sind Sie richtig“

Auf einem Plakat der RAG Steinkohle vor dem hier neu entstehenden Gewerbegebiet Neu-Monopol steht: „Bergkamen – hier sind Sie richtig“. Bei einem Bombenangriff im Jahr 1944 wurde hier die Grubenbelüftung zerstört. Und als Folge davon starben durch eine Schlagwetterexplosion im September 1944 auf Grimberg 1/2 107 Bergarbeiter. 78 davon waren als Bergleute eingesetzte Zwangsarbeiter. Und in 1953 forderte eine weitere Schlagwetterexplosion auf Grimberg 1/2 5 Tote.

Für eine so kleine Stadt wie Bergkamen mit deutlich weniger als 50.000 Einwohnern müssen das unfassbare Katastrophen gewesen sein. Fast jede Familie in der Stadt und auch den umliegenden kleinen Städten war direkt oder indirekt von den Tragödien betroffen. Besonders das Unglück auf Schacht Kuckuck traf die kleine Stadt schwer. Neben der Landwirtschaft und dem Bergbau gab es doch früher hier kaum eine Möglichkeit für die Menschen, eine Arbeit zu finden. Außerdem sind am Rande des Münsterlands die großen Städte weit weg.

Bergkamen ist heute eine Stadt mit attraktiven Freizeitmöglichkeiten

Immer noch ist Bergkamen deutlich vom lange betriebenen Bergbau geprägt. So ist das auch in den Nachbarstädten Kamen und Werne. Deutlich wird das an vielen Relikten und Zeugnissen aus der Bergbauzeit. Dazu gehören Fördertürme, Zechengebäude, Zechensiedlungen und Bergbaudenkmäler.  Eine zurecht vielbesuchte Sehenswürdigkeit in Bergkamen ist die Halde Großes Holz. Sie ist begrünt und durch interessante Kunstobjekte attraktiv gestaltet. Von hier hat man eine großartige Panoramasicht über das östliche Ruhrgebiet und ins Münsterland hinein. Dazu gibt es in Bergkamen-Rünthe die chice Marina Rünthe am Datteln-Hamm-Kanal mit vielen Liegeplätzen für Yachten und Sportboote. Die Marina Rünthe ist ein ehemaliger Kohlenhafen. Aber nur noch ein alter Kran am Hafenkai mit seinen einladenden Cafes und Restaurants erinnert an die hier bereits vergangene Bergbauzeit.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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