Bergschadensgebiet in Duisburg-Großenbaum

Schild des Bergamts Gelsenkirchen

von Ernst Käbisch

Und ich dachte immer, dass der Wald zwischen Lintorf, Mülheim und Duisburg ein Wald wie jeder andere sei. Dabei gab es hier nicht nur einen rätselhaften alten Friedhof im Wald und es finden sich die Reste von Bunkeranlagen aus dem 2. Weltkrieg. Auch über ein ursprünglich als Arbeitslager konzipiertes Heim, kursieren geheimnisvolle Erzählungen. Und da sollen Kinder streng erzogen worden sein. Und was mich am meisten interessiert, sind die alten und  tatsächlich noch zum Teil erhaltenen Bergwerksanlagen einer vor über 100 Jahren stillgelegten Zeche.

Dass der dichte Wald zwischen Ratingen-Lintorf, Mülheim an der Ruhr und Duisburg-Großenbaum etwas Besonderes ist und voller Geheimnisse steckt, erfahre ich zuhause im Internet. Es gibt verschiedene Foren extra zu diesem Waldstück. Die einen interessieren sich mehr für das einstmals als Arbeitslager „Lintorf 2“ im zweiten Weltkrieg angelegte ehemalige Kinderheim „Maria in der Drucht“ im Duisburger Stadtwald. Das ist unweit der Sechs-Seen-Platte und des Waldsees Entenfang.

Maria in der Drucht“ in Duisburg-Großenbaum

 

Tatsächlich wirken alte Bauten des auch für die Öffentlichkeit zugänglichen Geländes der jetzigen Rehaklinik für Jugendliche etwas unheimlich. Zwei alte Türme etwa waren vielleicht einmal als Wachtürme des erst gegen Ende des Krieges fertiggestellten Lagers gedacht?  Und Reste alter Bunkeranlagen um „Maria in der Drucht“ stammen auch noch aus dem zweiten Weltkrieg. Denn hier sollen auch Gefechte stattgefunden haben. Und jahrzehntelang war im Wald versteckt unweit des Heims ein kleiner Friedhof mit 5 oder 6 Gräbern. Nicht von allen der hier einstmals Beerdigten wusste man Name und Herkunft. Man vermutete nur, dass die meisten der Toten in dem Heim wohnten. Inzwischen sind die Gräber umgelagert (im Jahr 2005 soll das gewesen sein) und der Friedhof im Wald ist aufgelöst.

Zahlreiche ehemalige Heimbewohner tauschen sich in mehreren Foren intensiv über ihre ehemalige wohl meist sehr belastete Zeit im Heim „Maria in der Drucht“ aus. Dann gibt es noch ein anderes Forum. Und da interessieren sich die Foristen speziell für die Bunkeranlagen und die Gefechte im zweiten Weltkrieg gerade hier in diesem Waldstück um Maria in der Drucht.

Die Erzzechen in Lintorf und in Mülheim-Selbeck

Und nur am Rande erwähnt ist aber immer wieder die Zeche bzw. die beiden Erzzechen in Ratingen-Lintorf und in Mülheim-Selbeck. Scheinbar gehörten die zusammen. Und gerade hier im Druchter Wald wurden mehrere Schächte betrieben. Ein Forum dann beschäftigt sich ausschliesslich mit den ehemaligen Bergwerksanlagen, von denen noch einiges vorhanden ist. So stelle ich es ganz überrascht fest. In Lintorf und in Selbeck selber ist nämlich so gut wie Nichts von den alten Zechenanlagen übriggeblieben. Und das kann auch nicht verwundern. Immerhin schlossen die letzten Schächte der Bergwerke bereits 1907, also vor über 100 Jahren.

Eine „ALTLASTEN-Verdachtsfläche“

Aber hier im dichten Wald, ja fast schon völlig sich selbst überlassenem Urwald unweit der laut vernehmbaren Autobahn A3 ist noch so einiges stehengeblieben. Gestern war ich bereits mit dem Fahrrad hier und habe diese Stelle im Wald entdeckt, wo ein verwittertes, kaum noch lesbares Schild vor einem Holz- und Maschendrahtzaun vor einer „ALTLASTEN-Verdachtsfläche“ warnt. Was soll hier schon sonst an Altlasten mitten im Wald angefallen sein? Das wird etwas mit der Bleierzzeche zu tun haben. Aber natürlich klettere ich auch nicht über den Zaun und gucke genauer nach. Sondern ich fahre erstmal beeindruckt nachhause und informiere mich im Internet, was ich da überhaupt gesehen haben könnte und was hier noch Alles zu entdecken ist.

Im Internet lese ich also, dass in Lintorf und Duisburg-Großenbaum insgesamt 10! Schächte der Bleierzzeche tätig waren und dass zumindest 2 oder 3 Schächte davon auch noch zu finden wären. Wie elektrisiert fahre ich also heute noch einmal dort in den Wald und entdecke auf Anhieb zwei umzäunte Areale etwas unterhalb des umzäunten „Altlasten“-Areals.

Schächte Loman und Heinrich, Halde Heinrich

In dem einen Areal stehen Mauerfragmente und an einer Stelle ist ein Loch und darüber so etwas wie ein Rundbogen, jedenfalls wurde da  eindeutig etwas aus roten, für diese Gegend typischen Backsteinen gemauert. In dem anderen Areal ist deutlich sichtbar ein tiefes Loch notdürftig mit Maschendrahtzaun abgedeckt wie dieser Schacht in Essen-Kettwig von der Zeche Rudolph (bzw. der Zeche Jacke?), den ich kürzlich auch entdeckte. Hier ist an einer Stelle eine Tür im Zaun. Als ich sie berühre, fällt sie um und ich könnte da hineingehen. Aber natürlich wage ich das nicht. Neben der Tür ist am Zaun dann endlich auch der Beweis, dass es sich hier um Bergwerksanlagen handelt, nämlich ist da ein Schild vom längst nicht mehr existierenden „Bergamt Gelsenkirchen“. Das Schild warnt vor der Einsturzgefahr im Bergschadensgebiet.

Da ich gestern stundenlang im Internet recherchiert hatte und auch zahlreiche Karten angesehen hatte, bin ich mir ziemlich sicher, hier die Schächte Loman und Heinrich der Lintorf/Selbecker Erzbergwerke entdeckt zu haben. Und da auf einer Karte neben diesen Schächten die Halde Heinrich eingezeichnet ist, vermute ich, dass das eingezäunte Areal mit der Warnung vor „Altlasten“ die Halde Heinrich ist. Faszinierend ist diese Spurensuche, aber möglicherweise auch gefährlich und dieser Ausflug von mir ist nicht unbedingt zur Nachahmung empfohlen.


Update am 21.4.2014

Noch immer lässt mir diese Zeche keine Ruhe. Und nach dem Mittagessen fahre ich wieder mit dem Rad in den Duisburger Stadtwald. Zwar an einer anderen Stelle als erwartet, aber ganz in der Nähe der beiden Schächte und der Halde finde ich nun auch die „Maschinenhausruine“ oder das sogenannte „Logierhaus“ des Schachtes Loman. Unglaublich, was nach der langen Zeit und direkt eigentlich an einem stark benutzten Waldweg „überlebt“ hat. Sogar Metallteile wie dicke Schrauben und Metallträger sind nach all den

Jahrzehnten/Jahrhunderten sogar natürlich völlig rostig, aber noch intakt.

Einfach auf eins der Vorschaubilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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