Bergwerk Ewald in Herten

Zwei Fördertürme von Bergwerk Ewald in Herten
Zwei Fördertürme von Bergwerk Ewald in Herten

von Ernst Käbisch

Es gibt nur noch wenige so eindrucksvolle Bergwerke im Ruhrgebiet mit gleich 3 erhaltenen Fördertürmen wie das Bergwerk Ewald in Herten. Und der eine Schachtturm ist sogar ein Malakowturm wie nur noch 13 andere Exemplare. Außerdem gibt es aber auch kaum eine größere Industrieruine als dieses Bergwerk. Denn die Aufrechterhaltung von riesigen Fördertürmen, Maschinenhallen und anderen Zechenanlagen kostet natürlich viel Geld. Und offensichtlich ist das hier längst nicht in ausreichendem Maße vorhanden.

Der Malakowturm und der dritte Förderturm
Der Malakowturm und der dritte Förderturm

Immerhin gibt es hier ein Cafe und ein Theater. Und es gibt ein Restaurant. Das wirbt mit Ruhrgebietsspeisen wie Currywurst und Pommes Frites um Kunden. Aber selbstverständlich ist das noch nicht genug. Und mir fällt dazu ein, dass mich ja auch schon mal jemand in der Hoffnung angerufen hatte, ich wäre am Kauf des Malakowturms der Zeche Rheinpreußen in Duisburg interessiert. Denn er hatte im Internet einen Bericht von einem meiner Ausflüge dorthin gelesen. Schon wäre ich natürlich an einem dieser Malakowtürme interessiert z.B. um darin zu wohnen. Aber ich habe doch gar kein Geld, um so eine Zechenruine wieder in Schuss zu bringen.

Schon gibt es Beispiele, wo uralte und auch mitunter seit Jahrzehnten stillliegende Bergwerksgebäude oder andere Industriedenkmäler erhalten bleiben konnten, weil jemand da viel Geld und Arbeit reininvestierte. Und das sind inzwischen Schmuckstücke. So ist die Zeche Arenberg Fortsetzung in Bottrop nach 60 Jahren Leerstand wieder toprestauriert. Und oft wurden nutzlos gewordene Industriegebäude durch attraktive Projekte sogar Publikumsmagnete. Beispiele sind der Zollverein in Essen, das Dortmunder U oder das Gasometer in Oberhausen. Und auch so Orte wie die vorbildlich restaurierte Kaue der Zeche Prosper Haniel in Bottrop finde ich positiv. Dort bietet jetzt ein Grusellabyrinth erfolgreich sein Programm an.

Bergwerk Ewald ist Ankerpunkt der Route der Industriekultur

Von der Halde bietet sich dieses Bild von Bergwerk Ewald
Von der Halde bietet sich dieses Bild von Bergwerk Ewald

Aber hier in Herten schon weit abseits der Halbmillionenstädte im ehemaligen Revier wird es sicher schwierig. Und man kann nur hoffen, dass sich für Bergwerk Ewald eine gelungene Neunutzung findet. Momentan rotten diese grandiosen Bauwerke scheinbar hoffnungslos vor sich hin. Zwar ist das Bergwerk Ewald längst einer von 25 Ankerpunkten der Route der Industriekultur. Und Bilder der faszinierenden Fördertürme sind überregional bekannt. Aber das ändert ja nichts daran, dass Herten schwer erreichbar ist. Denn diese kleine Stadt hat nicht einmal einen Bahnhof. Und um zum Bergwerk Ewald zu kommen, musste ich mit dem ÖPNV erst bis zum Hauptbahnhof Wanne-Eickel fahren. Von dort und von Marl fährt der Bus SB 27 einmal stündlich bis zum Bergwerk Ewald.

So nutzt es dem faszinierenden Bergwerk offenbar nicht einmal, dass es auch so spektakulär gelegen ist. Denn es liegt am Fuß vom weitläufigen Haldengebirge Hoheward/Hoppenbruch. Und das ist eine der schönsten Bergehalden im Ruhrgebiet. Noch von weit oberhalb hat man einen faszinierenden Überblick über die noch weitgehend erhalten gebliebenen Bergwerksgebäude der Zeche Ewald.

Außer dem Bergwerk Ewald gibt es in Herten die Zeche Schlägel & Eisen

Nur noch die Spitze vom kleinsten Turm, dem Malakowturm ist zu sehen.
Nur noch die Spitze vom kleinsten Turm, dem Malakowturm ist zu sehen.

Von der Halde Hoheward aus sind weitere große ehemalige Bergwerke zu erkennen. So ist südlich gar nicht so weit weg ein roter Förderturm. Und den hielt ich beim ersten Besuch für den Schachtturm von Schacht XII der Zeche Zollverein in Essen. Aber das kann ja gar nicht sein. Weil Essen ist hier schon viel zu weit weg. Und erst neulich löste sich mir dieses Rätsel. Denn der Förderturm der im nahen Herne (Wanne-Eickel) gelegenen Zeche Pluto-Wilhelm ist vom gleichen Architekten Fritz Schupp erbaut wie der markante Turm vom Weltkulturerbe in Essen.

Und auch in Herten gab es noch eine weitere große Zeche. Das war nämlich die Zeche Schlägel und Eisen. Bei einem Besuch dort  konnte ich ebenfalls wie beim Bergwerk Ewald 3 erhaltene Fördertürme bewundern. Aber beim nächsten Besuch dort fehlte ausgerechnet noch der schönste der 3 Türme. Denn der wurde in der Zwischenzeit leider gesprengt. So ist das leider mit so wunderbaren Industriedenkmälern oft trotz Denkmalschutz. Plötzlich fehlt dann wieder eines.

Text / Fotos: Ernst Käbisch

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