Bergwerk Fürst Leopold / Wulfen in Dorsten

Zechengebäude in Jugendstilarchitektur

Mit der Regionalbahn ab dem Essen HBF fahre ich durch das letzte noch aktive Bergbaugebiet im Ruhrgebiet. Schon nach Essen geht die Fahrt durch Bottrop an der aktiven Zeche Prosper-Haniel vorbei, Und dann geht die Fahrt durch Gladbeck nach Dorsten, wo eigentlich schon das Münsterland beginnt. Dann war unweit der auch noch aktiven Zeche Auguste Victoria in Marl und Haltern das große Bergwerk Fürst Leopold / Wulfen. Und die bis in 1200 Meter Tiefe liegenden Abbaufelder der Zeche August Victoria verlaufen auch genau hier unterhalb dem Stadtgebiet von Dorsten entlang.

So liegt es wohl am Regenwetter, dass die Stadt Dorsten zuerst etwas trist und fremd auf mich wirkt. Denn eigentlich ist es hier gar nicht trist im Sinne von langweilig. Dann am Bahnhofsvorplatz kann ich direkt in den abfahrbereiten Bus 274 nach Dorsten-Hervest einsteigen. Und am Lippertor fährt der Bus auf einer Brücke über die Lippe. So wie in Hamm führt davor aber ein viel breiterer schiffbarer Kanal parallel zur Lippe entlang. Und hier ist es aber nicht wie in Hamm der Datteln-Hamm-Kanal, sondern der Wesel-Datteln-Kanal. Schon nicht nur durch die Wasserstraßen wirkt diese kleine Stadt Dorsten etwas niederländisch beeinflusst. Immerhin ist es hier ja auch nicht weit bis ins Nachbarland. Und rechts fahren wir nun im Dorstener Stadtteil Hervest ein Stück in die Halterner Straße in Richtung Haltern am See.

Die Zeche Fürst Leopold / Wulfen

Dann an der Station „Im Harsewinkel“ steige ich aus dem Bus. Und so kann ich schon auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Halterner Straße das von einem Zechenförderturm überragte Gewerbegebiet sehen. Über einen großen Parkplatz eines hier ansäßigen Discounters nähere ich mich diesem Gewerbegebiet. So ist das offenbar ein noch ziemlich vollständig erhalten gebliebenes Zechengelände mit sofort ins Auge fallenden wunderbaren Jugendstilfassaden.

Also hier ist das ehemalige Bergwerk Lippe bzw. das ehemalige Bergwerk Fürst Leopold / Wulfen. Und 2001 wurde hier die Steinkohleförderung eingestellt. Schon im Internet habe ich Bilder der Zeche gesehen, wo noch ein 2ter Förderturm und weitere ältere Gebäude auf dem Zechengelände standen. Dennoch bin ich positiv überrascht, was hier von den wunderbaren Backsteinbauten zum Teil auch in Jugendstilarchitektur noch erhalten ist. Und zum überwiegenden Teil wurde das aufwändig restauriert. Schon jetzt sind mehrere Restaurants, Galerien, Künstlerateliers und Cafes in den Gebäuden. Obwohl so wirkt die Zeche jetzt schon fast etwas elitär. Denn bei dem einen Restaurant sehe ich auf der Speisekarte, dass das Nichts für meinen Geldbeutel ist. Trotzdem finde ich das wesentlich besser als einen völligen Verfall oder gar Verlust von Zechengebäuden. Denn andernorts verschwinden Zechen ja auch völlig.

Denn an manchen Zechen hatte ich z.B. auch vergeblich nach Relikten wie Loren gesucht. Und hier gibt es rostige und restaurierte und künstlerisch umgeformte Loren in Hülle und Fülle. Zum Beispiel ist in einem kleinen Park im Zecheninnenhof eine ganze Sitzgruppe aus umgestalteten Loren aufgestellt. Und bepflanzte Blumenkübel dazu bestehen natürlich auch aus ehemaligen Loren.

Und das Werkstor zur Halterner Straße entdecke ich erst jetzt auf meinem Rundgang. Denn es ist fast vollständig erhalten und ich kann mir so vorstellen, wie es noch vor wenigen Jahren von den Bergleuten als Werkseingang genutzt wurde.

Der Bahnhof Dorsten

So regnet es zwar jetzt noch ein bisschen stärker als bei meiner Ankunft hier in Dorsten, aber ich habe noch Spass daran, über Lippe und Wesel-Datteln-Kanal zurück in die Stadtmitte zu gehen. Und dort ist etwas abseits von der City der eigenartige Bahnhof gelegen. Schon ist das vermutlich einmal ein ziemlich großer und bedeutender Bahnhof gewesen. Und der ist ja fast wie ein Großstadtbahnhof angelegt. Dafür stehen jetzt aber das alte honigfarbene Hauptgebäude und Nebengebäude leer. Und die eigentlich chicen Bauten bröckeln vor sich hin. Weiter sind Fenster und Türen durch Holzplatten „blind“ gemacht. Und es gibt hier mehrere Gleise, von denen nur 4 genutzt werden. Außerdem ist der Bahnhof in einen Westteil und einen Ostteil getrennt. Und nur eine Mauer fehlt.

Im Moment ist es hier völlig trist. Und nur ein bärtiger Mann geht hier ratlos suchend herum. Dann frägt er mich, ob es hier nicht einen richtigen Bahnhof gäbe. Denn er ist aus Köln und will eine Fahrkarte kaufen. Und ebenso ratlos kann ich ihm auch nur sagen, dass ich am Bahnhofsvorplatz einen Kiosk gesehen habe. Vielleicht bekommt er dort die Fahrkarte.?

Pünktlich zur Abfahrt der kleinen Privatbahnen füllt sich plötzlich der Bahnhof mit Menschen.

Und dann füllt sich der Bahnhof ganz plötzlich mit Menschen. Plötzlich fahren mehrere dieser kleinen Privatbahnen etwa zur gleichen Zeit von hier ab. Und es gibt ja hier Nichts im Bahnhof, wo man bei Kaffee trinken oder Brötchen essen oder Zeitung lesen kann. Oder wo man zumindest bis zur Abfahrt der Züge warten kann.  So kommen die Leute nur pünktlich zur Abfahrtszeit ihrer Züge hierhin.

Einfach auf eins der Vorschaubilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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