Bergwerk Neu-Diepenbrock III in Mülheim-Selbeck

Infotafel der Stadt Mülheim
Infotafel der Stadt Mülheim an der Stadtgrenze

Inzwischen habe ich einige Fakten zu den Lintorf/Selbecker Bleibergwerken mit ziemlicher Sicherheit herausbekommen. Es waren 3 Bergwerke, die Bleierz, Zinkerz, Kupfererz und Alaun, also ein schwefelhaltiges Erz industriell förderten. Das waren die beiden Lintorfer (Lintorf ist inzwischen ein Ortsteil der Stadt Ratingen) Zechen Friedrichsglück und Diepenbrock und das war die Selbecker Zeche Neu-Diepenbrock III. Selbeck war einst ein Teil der Landgemeinde Selbeck-Breitscheid und ist jetzt ein Ortsteil von Mülheim an der Ruhr.

Die Mülheimer schmücken sich auf einer Infotafel, die die Stadtgrenze Ratingen-Mülheim im Druchter Wald markiert, auch mit dem Bergwerk Diepenbrock. Allerdings wird das eigentlich zu den Lintorfer Erzbergwerken gezählt. Die Schächte dieses Bergwerks lagen/liegen aber schon weitgehend auf Mülheimer Stadtgebiet bis auf Schacht Drucht, der (vermutlich) in Duisburg-Rahm ist/war.

Bergwerk Diepenbrock, Bergwerk Neu-Diepenbrock III

Immerhin ist es erstaunlich genug, dass überhaupt mal ein bisschen über diese Bergwerksanlagen informiert wird. Zwar sind die zum Teil noch sichtbar, aber dennoch weitgehend unbekannt. Und besser gesagt sind sie völlig in Vergessenheit geraten. Vielleicht hätten die Mülheimer noch erwähnen können, dass diese Bergwerke durch das Engagement des einstigen Lintorfer Revierförsters Engelbert Diepenbrocken gegründet worden. Immerhin ist ja sowohl das Bergwerk Diepenbrock als auch das Bergwerk Neu-Diepenbrock III in Selbeck an der Kölner Straße nach dem Lintorfer Förster benannt.

Dass der Weg durch den Wald trotz des verheerenden Sturms am Pfingstmontag wieder frei ist, habe ich schon vor ein paar Tagen festgestellt. Immerhin komme ich durch einige neuaufgeforstete Bereiche. Die sind weitgehend ohne Sturmschäden davon gekommen. Aber insgesamt scheint hier im Wald der Sturm weit weniger gewütet zu haben als in den Städten. Es ist hier eine abwechslungsreiche Landschaft mit Wald, Feldern, Wiesen, Bauernhöfen. Frühmorgens am Feiertag (Fronleichnam) fahre ich hier mit dem Fahrrad in die „Zechensiedlung“ von Selbeck. Zechensiedlung habe ich in Anführungszeichen gesetzt, weil trotz einer „Glückaufstraße“ und eines „Markscheiderhofs“ habe ich durch überwiegend moderne Einfamilienhäuser hier nicht den Eindruck, in einer Zechensiedlung zu sein.

Die Zeit des Bergbaus war ja hier vor weit über 100 Jahren. Und doch ist viel mehr aus dieser Zeit erhalten als man denkt. Und man sieht das, wenn man nur genau hinguckt. Alle alten Häuser angefangen mit der Kirche von 1892 hier etwa sind durch die Industrialisierung d.h. die nur ein paar Jahrzehnte währende Blütezeit der Zechen entstanden.

Immerhin waren und sind ja auch noch Reichtümer im Boden verborgen. Nur konnte wie in Lintorf, wo die Bergwerke schon 4 Jahre früher aufgaben, das Problem der Wasserhaltung trotz Einsetzung der damals gerade erfundenen Dampfmaschinen nicht gelöst werden.

Halde Neu-Diepenbrock III

Am Erzweg, der auf der Mülheimer Infotafel als Zechenstandort angegeben ist, finde ich nur beschauliche Landschaft und eine Ziege auf einer Weide, die mich ähnlich verwundert anguckt wie sicher ich sie. Aber ein Stück weiter die Kölner Straße stadteinwärts entdecke ich eine Halde. Wie bei der Halde (Heinrich?) vom Bergwerk Diepenbrock im Wald wird auch hier vor Altlasten gewarnt. Es wäre verboten, das umzäunte Gebiet zu betreten, aber der Zaun ist an mehreren Stellen heruntergetreten und es führen einige Trampelpfade auf die dicht mit Bäumen und Sträuchern bewachsene Halde. Hoch ist die Halde ja nicht, nicht einmal 10 Meter. Das kenne ich auch von Halden von Steinkohlezechen, dass die nicht sehr hoch geschichtet wurden. Ein Schieferstein, den ich von hier mitnehme, macht auf Papier einen grauen Bleistrich.

Einer von drei Schächten von Neu-Diepenbrock III

Neben der Halde – direkt gegenüber des Heims der Fliednerstiftung, wo einst die Bergleute wohnten, war die Zeche d.h. einer von drei Schächten von Neu-Diepenbrock III. Das ist ein sich selbst überlassenes, von Gestrüpp überwuchertes Areal, wo in der Mitte ein kleiner Bach durchfliesst. Man findet noch Reste von Mauern und es ist hier genauso, wie man sich eine 100 Jahre sich selbst überlassene einst industriell genutze Fläche vorstellt. Für Fachleute gäbe es aber sicher noch viel Interessantes zu entdecken.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

2 KOMMENTARE

  1. Ist ja interessant was da so geschrieben wird. Es fehlt aber an weiteren Hintergrunginfos bzw. Rechechen.
    Wen die eche Neu diepenbrock in Selbeck interessiert sollte sich mal mit mir in Verbindung setzen. Habe dort in den 70er Jahren intensiev nachgeforscht und auch dem Mülheimer Geschichtsverein eine Führung veranstaltet.

    • Hallo Herr Stoll,

      Sie haben ganz recht, dass ich gar nicht so viel weiss ueber dieses Bergwerk und vor allem ueber kein Hintergrundwissen verfuege. Ich habe Sie auch bereits angemailt, weil es mich aber sehr interessiert, mehr zu erfahren. Ganz konkret interessiert mich derzeit auch die Probegrube Amalie in Ratingen, ein Versuchsschacht der Zeche Neu-Diepenbrock 3. Ich vermute ihn irgendwo da am Blauen See, weil die Erzschichten meist parallel zu den Kalksteinvorkommen verlaufen.

      Viele Gruesse nach Mülheim an der Ruhr

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