Bergwerk West in Kamp-Lintfort

von Ernst Käbisch

Das Bergwerk West in Kamp-Lintfort war die drittletzte aktive Zeche im Ruhrgebiet. Am 16.6.2012 besuchte ich hier einen Tag der offenen Tür, an dem Abschied von der Zeche und von 100 Jahren Bergbau am Niederrhein gefeiert wurde. 14 Monate später fahre ich noch einmal hierhin. Und da finde ich eine völlig trist wirkende Atmosphäre rund um die eindrucksvollen Industriedenkmäler vor.

Der Schnellbus SB 30 verkehrt halbstündlich ab dem Duisburg HBF. Der Bus um halb fährt bis nach Geldern an der holländischen Grenze über Kloster Kamp und der um voll endet schon vorher an der Haltestelle Kamp-Lintfort Neues Rathaus. Ich erinnere mich, dass wir hier ausstiegen, um zum Tag der offenen Tür zu gehen. Das war das erste – und einzige Mal – dass ich in einer noch aktiven Steinkohlezeche war. Deswegen ist klar, dass ich mich heute da noch einmal umgucken muss. Das Kloster und der Klostergarten ist mir heute nicht wichtig.

Die ehemalige Steinkohlenzeche Bergwerk West

Da ich das Bergwerk ja nur voller Menschen kenne, wirken die eindrucksvollen Werksgebäude heute natürlich trist. An Tor 2, wo der Haupteingang zum Fest war, erinnere ich mich an die markante Architektur der Werksgebäude mit den schönen Backsteinbauten. Der die Szenerie überragende riesiggroße rotweiße Turm, den man von vielen Stellen der Stadt sieht z.B. auch vom Klostergarten aus, ist hier ganz nah. Es wird hier nachwievor gearbeitet und alle Tore sind verschlossen. Nur der Haupteingang ein Stück weiter die Friedrich-Heinrich-Allee hinunter ist geöffnet.

Ich gehe in die imposante Eingangshalle, wo allerdings niemand zu sehen ist. Nur ein paar Stimmen sind da zu hören. Und so gehe ich wieder und gucke mir Tor 1 an, wovor eine Lore steht, die mit echter Kohle beladen ist. Ich breche mir ein kleines Stück davon ab und gehe wieder zurück. Nun stehen ein paar mürrisch aussehende Männer schweigend und rauchend vor dem Haupteingang. Sie beachten mich nicht und ich spreche sie auch nicht an.

Tag der offenen Tür im Bergwerk West am 16.6.2012

Am 16.Juni 2012 wurde im Bergwerk West ein Tag der offenen Tür gefeiert, was gleichzeitig das Abschiedsfest der Zeche und von über 100 Jahren Bergbau am Niederrhein war. Zufällig hatte ich diese Information beim Brötchenkaufen auf einem Plakat beim Bäcker gesehen, als ich eine Woche vorher das sehenswerte Kloster Kamp besuchte. Damals dachte ich nicht so sehr daran, dass dieses Fest ein Abschied vom Bergbau sein würde, weil die Zeche danach ja noch ein halbes Jahr arbeitete. Der beliebte frühere Sportmoderator Manfred Breuckmann moderierte diesen durchwegs kurzweiligen und sehr emotionalen Tag der offenen Tür. Es wurde auch angeboten, an einer Grubenfahrt teilzunehmen. Nachdem wir aber eine Stunde an der schier endlosen Schlange vor dem Förderturm anstanden, gaben wir diese Idee etwas entnervt auf.

In der Bergarbeitersiedlung

Aber nun wirkt hier das Bergwerk mit der so interessanten Architektur verlassen und traurig. Darüber hinaus ist ja die ganze Stadt Kamp-Lintfort vom nun beendeten Bergbau geprägt. Gegenüber dem Bergwerk auf der breiten Friedrich-Heinrich-Alle und in den abgehenden Straßen stehen zur Architektur des Bergwerks passende Wohnhäuser der Steiger. In der Bertastraße z.B. sind es Doppelwohnhäuser mit einem eigenartigen barocken Giebel. Jedes Haus sieht aber anders aus. An einem Wohnhaus in der Friedrich-Heinrich-Allee hängt ein Plakat mit dem Text „Weg mit der Giftmülldeponie“. Klein darunter steht „Interessengemeinschaft Endlager Mensch e.V.“ Dieses Plakat steht aber wohl nicht in Zusammenhang mit der Zechenschliessung? Hier im kleinen Ort Kamp-Lintfort gibt es sonst doch nur das Kloster Kamp und eine Filiale der Hochschule Rhein-Waal. Im Internet finde ich aber dann die Information, dass es tatsächlich auch eine Giftmülldeponie in Kamp-Lintfort gibt – Eyller Berg – die den Bewohnern große Probleme bereitet.

Halden der Steinkohlezechen vom Niederrhein

Zurück fahre ich wieder mit dem SB 30 durch diesen nachwievor offensichtlich sehr vom Bergbau geprägten Teil des Niederrheins in Kamp-Lintfort und Moers nach Duisburg. Nachdem rechts von weitem die Halde Norddeutschland in Neukirchen-Vluyn mit der markanten Lankmarke, einem stilisierten Haus, zu sehen ist, fahren wir auch noch an der Halde Pattberg und der Halde Rheinpreussen in Moers vorbei. Eine Realschule in Moers heisst Heinrich-Pattberg-Schule; der Schulname steht auf einer vor der Schule plazierten Lore einer Steinkohlenzeche.

Bergwerk West in Kamp-Lintfort
Am Tag der offenen Tür am 16.6.2012 vor dem Bergwerk West Foto anklicken
Bergwerk West in Kamp-Lintfort
Tor 2 am 10.8.2013 Foto anklicken
3klostergarten
Klostergarten von Kloster Kamp in Kamp-Lintfort Foto anklicken
Bergwerk West in Kamp-Lintfort
Blick auf das Bergwerk West vom Klostergarten aus Foto anklicken
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Haupteingang des Bergwerks Foto anklicken
Bergwerk West in Kamp-Lintfort
Geduldig warten die Menschen am Tag der offenen Tür auf den Einlass zur Zeche Foto anklicken
6zaunblick
Blick vom Zaun Foto anklicken
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Am Tag der offenen Tür Foto anklicken
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Warten auf die begehrten Karten für die Grubenfahrten beim Tag der offenen Tür Foto anklicken
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Giebelhaus in der Bertastraße Foto anklicken
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Ein weiteres dieser eigenartigen Doppelhäuser in der Bertastraße  Foto anklicken
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Am Tag der offenen Tür – Moderator Manni Breuckmann im Gespräch mit Betriebsräten des Bergwerks Foto anklicken
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Baustelle Bergwerk West Foto anklicken
12schild
kaputtes Schild vor dem Bergwerk Foto anklicken

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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