Bergwerkssiedlung Selbeck in Mülheim an der Ruhr

Fabrikgebäude in der Stooter Straße

Also Steinkohle wurde in der Zeche Diepenbrock in Mülheim-Selbeck nicht gefördert, sondern Zink, Blei, Kupfer und Schwefel. Schon auch in Mülheim gab es aber bedeutende Steinkohlezechen wie die Zeche Humboldt in Mülheim-Heißen, wo jetzt das Rhein-Ruhr-Zentrum ist. Und in den Bezirken Heißen und in Dümpten im Norden der Stadt waren auch die anderen steinkohlefördernden Zechen. Schon 1966 war die Stadt Mülheim nach der Schließung der Zeche Rosenblumendelle dann als erste Großstadt im Ruhrgebiet bergarbeiterfrei. Dann im Süden der Stadt war bis 1907 die erzfördernde Zeche Diepenbrock im leicht von Ratingen mit dem Fahrrad erreichbaren Bezirk Selbeck aktiv. Schon ist das völlig vergessen.

Für die erste Radtour in diesem Jahr habe ich zuerst kein Ziel. Denn eigentlich bin ich verwundert, dass es überhaupt möglich ist, an so einem Neujahrstag radzufahren. Dann aber ist es ja mild und trocken. Und ich fahre mal die Mülheimer Straße entlang nordwärts durch den Ratinger Stadtwald. So bin ich, ehe ichs mich versehe, in Mülheim. Genau gesagt bin ich nun im Mülheimer Bezirk Selbeck. Und das wirkt ebenso ländlich wie das benachbarte Ratingen-Breitscheid.

Zeche Diepenbrock in Mülheim-Selbeck

Dann kommt nur ein Stück die Kölner Straße entlang die Besonderheit von diesem Bezirk, nämlich ist das die Bergwerkssiedlung. Immerhin erkennt man die aber unmöglich als solche. Denn die Zeche Diepenbrock war nur bis 1907 tätig und förderte in mehreren Schächten Zinkerz, Blei-, Kupfererz und Schwefel. Und dass hier tatsächlich eine Zechensiedlung war, kann man auch an einigen uralten Häusern um eine 1892 erbaute Kirche herum nur erahnen. Dann in der „Stooter Straße“ steht ein wunderbares kleines Fabrikgebäude vermutlich aus der Zeit, wo die Zeche hier tätig war. Und was ist das nur für ein eigenartiges Gebäude? So mit dem verhältnismäßig hohen Schornstein war es ja möglicherweise ein Gebäude einer erzverarbeitenden Fabrik.?

Glückaufstraße und Markscheiderhof, die Zechensiedlung

Dann aber sind es nur ein paar Straßennamen, die sich hier konkret auf den einstigen Bergbau beziehen. So gibt es eine „Glückaufstraße“. Im Vergleich zu all den anderen Glückaufstraßen im Ruhrgebiet erscheint diese Straße unwirklich. Denn es stehen nur neugebaute Einfamilienhäuser auf dieser „Glückaufstraße“. Und es gibt eine Straße „Markscheiderhof“, die nach dem Berufsnamen „Markscheider“ benannt ist. Der Name bezeichnet einen im Bergbau beschäftigten Ingenieur. Und auch einen „Erzweg“ gibt es in Selbeck.

Vermutlich würde es die Bewohner dieser angenehm ruhig wirkenden Siedlung verwundern, wenn man ihre Siedlung als Zechensiedlung bezeichnet. Viel zu weit weg ist die Bergbauvergangenheit in dieser Stadt Mülheim. So sind auch kaum noch Spuren des auch hier einst weit verbreiteten Steinkohlebergbaus zu finden. Und erst recht interessiert die eigene über 100 Jahre zurückliegende industrielle Vergangenheit die Bewohner selbst der Glückaufstraße und des Markscheiderhofs in Selbeck nicht.

Plötzlich tut sich die Erde auf in Ratingen-Breitscheid.

Es kommt immer wieder vor, dass unvermutet aber doch an die eigene Geschichte erinnert werden muss. Vor einigen Jahren tat sich an der Straße „an der Hoffnung“ in Ratingen-Breitscheid zwischen mehrgeschossigen Wohnhäusern ein mehrere Meter tiefes Loch auf. Da fielen nicht nur die Bewohner dieser Siedlung aus allen Wolken. Selbst bei den dafür zuständigen Stellen konnten die Mitarbeiter nur vermuten, dass da einst eine Silbermine tätig war. Vermutlich kommt es der Wahrheit näher, dass hier ein Schacht der Mülheim-Selbecker Zeche Diepenbrock „Hoffnung“ war. Darauf kam man beim zuständigen Amt nicht. Es ist doch sehr wahrscheinlich, dass dieser Schacht Hoffnung unterirdisch bis hierhin nach Ratingen-Breitscheid ausgebaut wurde. Immerhin heißt die Straße im Mülheim-Selbeck benachbarten Ratingen-Breitscheid doch „an der Hoffnung“.

Das Erdloch wurde mit Beton verfüllt und damit das Problem geregelt. Aber aus den Augen, aus dem Sinn ist die Bergbauvergangenheit im Ruhrgebiet damit noch lange nicht, wie auch die unlängst entdeckten Hohlräume am Hauptbahnhof Essen ja beweisen.

2 Links:

http://de.wikipedia.org/wiki/Zeche_Diepenbrock

http://www.rp-online.de/nrw/staedte/ratingen/erdkrater-gefahr-gebannt-aid-1.2644874

Einfach auf eins der kleinen Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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