Blaue Eier in Bottrop

Die
Die "blauen Eier" sind Faultürme des Emscherklärwerks.
von Ernst Käbisch

Und auch ganz nüchterne Industriebauten wie die Faultürme des Emscherklärwerks in Bottrop können durchaus ästhetisch aussehen. Jedenfalls ist das so, wenn sie nachts spektakulär beleuchtet sind. Denn in eigentlich fast ländlicher Umgebung in der Welheimer Mark in Bottrop bieten die „blauen Eier“ zusammen mit der gegenüberliegenden Kulisse des Bergwerks Prosper II und der aktiven Kokerei Prosper ein eindrucksvolles Ruhrgebietsschauspiel.

Schon erschrecke ich ein bisschen, als an der Station Altenessen-Mitte in Essen Kontrolleure in die U17 nach Gelsenkirchen-Buer einsteigen. Und die wollen natürlich die Fahrscheine der Fahrgäste sehen. Und es ist ja noch vor 19 Uhr und erst ab dann kann ich unbegrenzt im VRR-Gebiet mit dem Ticket 2000 herumfahren. Dann aber  habe ich ja schliesslich auch ein Zusatzticket für 3,20 Euro gekauft. Und auch wenn das hier ganz im Norden von Essen ist, bin ich ja doch noch in der Nachbarstadt (von Ratingen). Ist ok, sagt der Kontrolleur, dem ich diese beiden Fahrausweise zeige. Dann ist ja gut.

Zu Fuß von Essen-Karnap nach Bottrop

Schon zum dritten Mal innerhalb kurzer Zeit bin ich hier so mitten in den Pott hineingefahren. Dann an der Station Arenbergstraße steige ich aus wie zuletzt, wo ich zu Fuß zum Nordsternpark in Gelsenkirchen gegangen bin. Diesmal gehe ich aber in die andere Richtung und in die Arenbergstraße hinein. Und das ist hier in Essen-Karnap typisch Ruhrpott. Denn blumengeschmückte Loren stehen in Vorgärten. Und die Häuser (z.T. geschmückt mit dem Bergarbeitersymbol „Schlägel und Eisen“ über dem Portal) sehen nach Zechensiedlung aus.

Dann überlege ich, von welchen Zechen diese Zechensiedlung ist und die Loren. Also in Essen-Karnap war die Zeche Mathias Stinnes aktiv, an die eine Seilscheibe in der Arenbergstraße direkt an der Straßenbahnstation erinnert. Und sonst ist nichts mehr von diesem Bergwerk vorhanden. Weiter waren in den benachbarten Städten aber auch etliche Zechen wie die Zeche Nordstern in Gelsenkirchen. Außerdem gab es die Zechen Welheim und Arenberg in Bottrop. Und es gibt natürlich in Bottrop die noch aktive Zeche Prosper-Haniel. Und jetzt ist links von mir das Müllheizkraftwerk Karnap mit riesigen Schloten.

Mitten im Pott in der Welheimer Mark

Dann hinter einer die Autobahnlinie querenden Straße gehe ich links in die Straße „In der Welheimer Mark“ hinein. Und das ist fast ein Feldweg. Und hier beginnt bereits die Stadt Bottrop. Irgendwo hier in der Welheimer Mark hat der ehemalige Kultfußballer „Ente“ Willi Lippens (bekannt z.B. durch den Dialog mit einem Schiedsrichter: „Ich verwarne Ihnen.“ „Ich danke Sie.“) seine Kneipe „Mitten im Pott“. Dann vor mir erkenne ich bereits die Kokerei Prosper und Zechengebäude von Prosper II. In regelmäßigen Abständen kommen dicke weiße Wolken aus dem breiten Schornstein der Kokerei. Und links sind schon deutlich die „blauen Eier“ zu sehen, die ich zuletzt ganz klein von der Emscherbrücke in Essen-Karnap aus gesehen habe.

Die blauen Eier von Bottrop

Eigentlich ist es hier aber eher überraschend ganz ländlich. Weite Felder mit Bauernhöfen erstrecken sich bis hin zu den großen Werken der Zeche / der Kokerei und des Heizkraftwerks und des Emscher-Klärwerks mit den knallblau angestrahlten Faultürmen. Je dunkler es jetzt am Abend wird, umso bizarrer sehen diese 4 blauen Eier aus. Wo ich näher herangehe, bin ich schon arg beeindruckt sowohl von den Türmen als auch der grellen blauen Beleuchtung, die durch den tiefblauen, fast wolkenlosen Himmel an diesem Frühlingstag noch stärker wirkt.

Auch spektakulär ist, wie auf der anderen Seite des Feldwegs die schon untergegangene Abendsonne den Himmel über der schwarzen Silhouette des Bergwerks Prosper II und der arbeitenden Kokerei Prosper noch immer rotorange färbt. Selbst der Förderturm und der Malakowturm von Schacht 2 bzw. 3 der Zeche Prosper Haniel sind als schwarze Silhouette deutlich erkennbar. Und auch das Tetraeder auf der Halde Beckstraße sehe ich, allerdings ist es wie bei einem früheren nächtlichen Besuch von mir dort nur ganz an der Spitze ein wenig beleuchtet. Aber ich muss mich nun nicht mehr über mangelnde nächtliche Beleuchtung in Bottrop beklagen, nachdem ich nun ja die prächtig beleuchteten blauen Eier in der Welheimer Mark gefunden habe.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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