Börgermoor, ein Dorf in Niedersachsen

bunte Kuh in einem Gartencenter in Börgermoor
bunte Kuh in einem Gartencenter in Börgermoor

von Ernst Käbisch

Für mich ist diese Reise nach Börgermoor bzw. Surwold-Börgermoor wie eine Zeitreise. Denn ich war hier über 40 Jahre nicht mehr. Und davor war ich 2mal als Kind in den ganzen Sommerferien bei meinen Verwandten auf dem Bauernhof. Schon hat sich Vieles radikal verändert. Aber manches ist verblüffend genauso wie früher. Und mir fallen zahlreiche Anekdoten aus der Vergangenheit ein. Außerdem macht mir jetzt als Erwachsener die Abgeschiedenheit dieser flachen Landschaft mit den endlosen Mooren Nichts mehr aus.

Und wieder einmal ist das Ruhrgebiet nur Transitgebiet für mich. Die letzten Haltestellen der Regionalbahn dort sind Recklinghausen, Marl-Sinsen und Haltern am See. Schon da beginnt das Münsterland. Weiter geht es über Münster als Umsteigebahnhof. Und dann folgen die Bahnhöfe von Emsdetten, Rheine, Lingen, Meppen und anderen Orten im Emsland, die mir alle von früher noch etwas sagen.

Schon bin ich eine Bahn eher als angekündigt in Papenburg an der Ems. Aber ich bin so gespannt auf diese mir eigentlich unbekannte Stadt, dass ich mir noch etwas von den Kanälen und möglichst vom Hafen angucken will. Denn zu meiner Überraschung ist das 80 Kilometer von der Nordseeküste entfernte Papenburg bereits eine Seehafenstadt. Und ganz bekannt ist hier die Meyer-Werft, wo riesige Kreuzfahrtschiffe gebaut werden.

So weit bis zur Meyer-Werft gehe ich jetzt nicht. Dafür ist aber am Bahnhof direkt die alte Werft mit Kanälen und alten Hafenkränen und chic restaurierten Reedereigebäuden. Schon ist das fast wie in Duisburg-Ruhrort oder in Hamburg am Hafen. Aber das ist wohl doch nicht zu vergleichen.

Lager Börgermoor

Das Börgermoor; ehemaliges Torfabbaugebiet
Foto von Lager Börgermoor vor seinem früheren Standort

Immerhin zeigt mir Karlheinz dann etwas das Werftgelände mit den gigantischen Werkshallen. Und morgen soll hier wieder so ein Kreuzfahrtschiff zu Stapel gelassen werden. Dann wird da viel Rummel sein und der NDR ist da und man braucht Karten… So kommt das für uns natürlich nicht in Betracht. Dafür fahren wir nun durch das beschauliche und mit seinen Grachten wie eine holländische Stadt wirkende Papenburg nach Börgermoor hinein. Und da wir am Küstenkanal in der Nähe davon vorbeikommen, halten wir an der Gedenkstätte für das ehemalige Lager Börgermoor.

Denn das ist ein ganz berühmter und berüchtigter Ort. Das Lager Börgermoor war eine Zweigstelle des KZ Esterwegen. Und hier wurde von einem der Häftlinge das berühmte Lied „Wir sind die Moorsoldaten“ geschrieben und komponiert. In den 60er Jahren wurden die Baracken des Lagers abgerissen. Aber man sieht noch Steinhaufen von alten Backsteinen hinter dem Zaun des Gartenbaubetriebs, die doch vermutlich von den Lagergebäuden stammen.

Wir sind die Moorsoldaten auf einer Gedenktafel an Lager Börgermoor
Wir sind die Moorsoldaten auf einer Gedenktafel an Lager Börgermoor

Dann bin ich gespannt auf den Hof. Und tatsächlich erkenne ich vieles wieder, wo ich als 10jähriger gespielt habe und ganz starke Erinnerungen daran habe. Aber natürlich hat sich auch hier Vieles verändert. Anbauten sind an dem stilvollen Backsteinbau aus den 50er Jahren und es sind viel weniger Tiere hier, wie ich es in Erinnerung habe.

Außerdem ist auch der mir noch gut bekannte Torfabbaubetrieb neben dem Bauernhof längst eingestellt. Schon seit 1986 ist das, sagt Karlheinz. Und wie im Ruhrgebiet vor einer alten Zeche steht da zur Erinnerung daran eine Lore mit Torf statt Kohle auf einem Schienenrest vor der kleinen Siedlung, wo früher die Torfstecher gewohnt hatten.

Im ehemaligen Torfabbaugebiet von Börgermoor

Das Börgermoor; ehemaliges Torfabbaugebiet
Das Börgermoor; ehemaliges Torfabbaugebiet

Und in dem Haus hinter der Lore war die Bäckerei, wo ich mit den Bäckerkindern gespielt hatte und mit denen im weitläufigen Garten am Lagerfeuer Kartoffeln geröstet hatte. Leider ist die Bäckerei längst ganz weg. So gibt es in der ganzen kleinen Siedlung kein einziges Geschäft mehr. Und die nächste Einkaufsmöglichkeit ist im Dorfzentrum von Surwold-Börgermoor ca. 5 Kilometer entfernt oder in der Nachbargemeinde Esterwegen. Also das wäre hier wohl nicht etwas zum Wohnen für mich als Radfahrer und Fußgänger. Denn ohne Auto ist man in dieser Gegend verraten und verkauft. Und nicht einmal eine Buslinie verkehrt hier mehr.

So gehe ich noch etwas ins Moor, wo früher der Torf gestochen wurde und wo jetzt kleine schwarze Seen sind, soweit das Auge blicken kann. Und zwischendrin sind gerade jetzt blühende Gräser und rotblühende Erika und kleine Birkenbäume. Also daran erinnere ich mich natürlich auch. Und nachwievor ist das eine faszinierende Landschaft. Aber jetzt beängstigt mich das nicht mehr wie früher. Und im Gegenteil beruhigt mich diese herrliche Landschaft.

Text / Fotos: Ernst Käbisch

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