Braucker Alpen in Gladbeck

Der zentrale Berg der Braucker Alpen - die Mottbruchhalde, ist noch schwarz wie Kohle.
Der zentrale Berg der Braucker Alpen, die Mottbruchhalde, ist noch schwarz wie Kohle.
von Ernst Käbisch

Und auch die Braucker Alpen in Gladbeck sind ein Gebirge von Menschenhand. So ist das eine typische Haldenlandschaft im Ruhrgebiet aus taubem Gestein aus der Steinkohleförderung. Und der höchste „Berg“ der Braucker Alpen, die Mottbruchhalde, wird derzeit noch aufgeschüttet mit Gestein aus der Förderung der aktiven Zeche Prosper-Haniel in Bottrop. So ist geplant, daß diese Halde einmal die Form eines Vulkans erhalten soll.

Schon geht es heute zu meiner Überraschung ganz unkompliziert und schnell, hierhin nach Gladbeck zu kommen. Denn die Lokführer streiken mal nicht. Und der Bergschaden im Essener Stadtwald (Zeche Nikolaus) bei der S6 wurde mit Beton verfüllt. So fährt die S-Bahn endlich auch mal wieder normal. Dann mit der U11 ab Essen Hauptbahnhof muss ich nur 2 Stationen weiter als bis „Arenbergstraße“ fahren. Denn von dort war ich vor ein paar Wochen das eine Mal rechts nach Gelsenkirchen zum Nordsternpark gegangen. Und eine Woche später ging ich links zu den „Blauen Eiern“, den abends spektakulär blau beleuchteten Faultürmen in der Welheimer Mark in Bottrop. Dann heißt die letzte Essener Station „Alte Landstraße Essen“. Und ich steige nun aus der inzwischen überirdisch als Straßenbahn weiter nach Gelsenkirchen fahrenden U11 aus.

Die Braucker Alpen  in Gladbeck

Weiter gehe ich ein Stück die Karnaper Straße nördlich und dann links in die Straße „Bräukerwald“ hinein. Zuerst bin ich so in Gelsenkirchen-Horst und ein paar Schritte weiter in Gladbeck-Brauck. Und das ist hier „mitten im Pott“. Denn das ist reinste Bergbaugegend und die alten Häuser hier sind allesamt stilvolle Zechenwohnhäuser. Schon urig ist das. Und es gefällt mir hier. Dann gibt es auch Zechenrelikte der Zeche Mathias Stinnes, die sowohl in Essen-Karnap als auch hier in Gladbeck-Brauck Schachtanlagen betrieb. Denn an einer Stelle sind lange Stücke einer Zechenmauer um ein weitgehend brachliegendes Gelände erhalten. Wahrscheinlich war genau hier so eine Schachtanlage. Und ein uraltes Schild der RAG-Ruhrkohle warnt davor, eine Bahnstrecke zu betreten. Dann aber sieht diese so überwachsen und verwildert aus, als ob da schon Jahrzehnte lang kein Zug mehr entlang gefahren ist.

Und nur die Braucker Alpen habe ich wieder aus den Augen verloren, nachdem ich vorhin schon bei der Zechenmauer eine Halde gesehen habe. Dann aber ist hier, wo ich jetzt entlang gehe, ein Park mit viel Wald und einem Biotop mit schilfbestandenem Teich am Hahnenbach, wo gerade Frösche laut quaken. So habe ich mich wohl etwas verlaufen und bin jetzt im Gladbecker Südpark, dämmert es mir.

Ein Waldweg führt doch noch auf die Braucker Alpen

Und wo ich zurückgehe, sehe ich dann rechts den schmalen Weg einen Hügel hoch, der ins Haldengebirge Braucker Alpen führt. So übertrieben ist die Bezeichnung Alpen eigentlich gar nicht einmal. Denn ein ausgelatschter Trampelpfad führt mich steil bergauf durch dichten Wald auf den Haldengipfel der Halde an der Heringstraße hoch. Und von da oben erlebe ich die ganze Pracht dieses Gebirges aus kohlehaltigem Gestein dann doch noch. Schon grandios ist nun der Blick auf große Teile des Ruhrgebiets.

Zeche und Kokerei Prosper, das Tetraeder, die Mottbruchhalde

So ist vor mir das aktive Bergwerk Prosper-Haniel in Bottrop deutlich zu sehen mit der markanten Kokswolke, die alle paar Minuten von der Kokerei Prosper ausgestoßen wird, wenn wieder Kohle zu Koks veredelt wurde. Und das Tetraeder auf der Halde Beckstraße ist deutlich zu erkennen. Weiter in nördlicher Richtung erhebt sich ein schwarzer Berg über den anderen Bergen. Also das ist der zentrale „Berg“ der Braucker Alpen, die Mottbruchhalde. Und dieser schwarze Berg wird derzeit noch aufgeschüttet mit taubem Gestein aus der Steinkohleförderung bei Prosper-Haniel. So wurde ein Wettbewerb unter Landschaftsplanern ausgerichtet und der Entwurf, daß diese Halde einmal die Form eines Vulkans erhalten soll, gewann.

Zeche Nordstern in Gelsenkirchen

Und rechts von mir ist deutlich ein roter Förderturm zu erkennen. Zuerst denke ich, der ist vom Essener Zollverein. Dann aber sehe ich den großen rechteckigen Turm mit der Herculesfigur obenauf. Und das ist direkt neben dem formschöneren Förderturm mit den Seilscheiben. Und das ist natürlich die Zeche Nordstern in Gelsenkirchen.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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