Das Muttental in Witten ist die Wiege des Ruhrkohlebergbaus

Einer von 2 Eingängen zum Nachtigallstollen im Muttental in Witten
Einer von 2 Eingängen zum Nachtigallstollen im Muttental in Witten
von Ernst Käbisch

Im Süden des Ruhrgebiets fehlt also das sogenannte Deckgebirge über der Karbonschicht. Und die Steinkohleflöze erreichen an manchen Stellen die Erdoberfläche. So wird das Muttental in Witten als die Wiege des Ruhrkohlebergbaus bezeichnet. Weil hier entstanden zahlreiche oberflächennahe Kleinzechen und Stollenzechen. Und ebenerdig wie der Nachtigallstollen wurden die in den 60 Meter hohen Hettberg getrieben. Im Muttental wurde auch schon der Übergang zum Tiefbau vollzogen. Und einige der unzähligen Bergwerke in Witten waren bereits Tiefbauzechen.

Soeben war ich im Rahmen einer Führung als einziger Teilnehmer im Anschauungsbergwerk Nachtigallstollen der Zeche Nachtigall. Dann sehe ich auf dem Zechen- bzw. Museumsgelände eine große Gruppe Besucher an dem Gebäude mit dem Tiefbauschacht Hercules stehen. Während ich schon im Stollen war, machen diese Leute nun auch alle eine Führung im Nachtigallstollen mit. So habe ich aber richtig Glück gehabt, daß ich diese Führung vorhin so exclusiv für mich hatte.

Bergbauwanderweg Muttental

Es ist gut, daß ich mich von dem nun aufkommenden leichten Nieselregen nicht ganz von der Besichtigung des außerhalb der Zeche Nachtigall liegenden Bergbauwanderwegs abbringen lasse. Denn dieser Weg ist fast noch eindrucksvoller als die Zeche Nachtigall selber. Außerdem gab es hier im Muttental eine Menge Kleinzechen. Und wie die im einzelnen arbeiteten, wird ja auch auf dem Museumsgelände am Beispiel des Bergwerks Ingeborg II erklärt.

Anschaulich ist da der Beginn des einst 15 Meter tiefen schräg laufenden Schachts dieser Kleinzeche dargestellt. So läuft links eine aus schweren Holzbohlen gefertigte Treppe in den Schacht hinein. Und dort gingen die Bergleute in die Tiefe. Rechts dann ist eine Seilwinde mit einem großen Eimer befestigt. So wurde die geförderte Kohle transportiert. Schon ist das eine einfach wirkende Anlage. Aber sie ist so verblüffend effektiv. Schon wurde so der Übergang zum Tiefbau vollzogen.

Stollenzechen im Muttental

Weitere Stollenzechen gab es hier im Muttental. Zum Beispiel gab es den Stollen Turteltaube. Dann aber waren einige Bergwerke auch schon Tiefbauzechen. So wie die Zeche Martha das war. Und als erstes Stollenmundloch sehe ich den zweiten Eingang zum Nachtigallstollen deutlich erkennbar. So ist er mit einer wunderbar mit Bergbaumotiven verzierten schmiedeeisernen Tür verschlossen. Und auch das ist  am Fuß des 60 Meter hohen Hettberges. Dieses Tor hatte ich vorhin schon vom Stollen aus gesehen. Und nun bin ich also hier auf der anderen Seite des sogenannten „durchschlägigen“ Stollens, faszinierend.

Dann gehe ich bis zum Bethaus entlang. Das ist ein weiteres dieser wunderbaren alten Bruchsteinhäuser aus Ruhrsandstein. Denn hier am Bethaus gab es für die Bergleute die Möglichkeit zu beten. Und heute ist da eine kleine Bergbauausstellung. Dann ist neben dem Haus eine Schmiede, wo Kinder unter Anleitung von Fachleuten an Feuerstellen etwas schmieden können und dabei erfahren, wozu die in den Bergwerken geförderte Kohle noch verwendet wurde ausser zum Heizen und zum Verhütten von Erz zu Stahl.

Auch in Bochum, Sprockhövel und Essen-Kupferdreh gibt es Orte wie das Muttental

Schon ein bisschen erinnert mich dieser Weg an den Bergbauwanderweg in Bochum-Sundern, wo z.B. der Malakowturm der Zeche Brockhauser Tiefbau steht. Und auch dort förderten zahlreiche weitere Kohle- aber auch Erzzechen.  Dann ist ähnlich das Deilbachtal in Essen-Kupferdreh mit zahlreichen kleinen Stahlhütten und Bergwerken. Und auch in der kleinen Stadt Sprockhövel gibt es nahe der Zeche Alte Haase einen solchen Bergbauwanderweg. Alle diese Orte im Süden des Ruhrgebiets können wohl zurecht auch wie das Muttental in Witten als Wiege der Montanindustrie im Ruhrgebiet bezeichnet werden.

Zuletzt erfuhr die Steinkohleförderung im Ruhrgebiet ja eine Nordwanderung erst von der Ruhr bis zur Emscher. Dann führte die Wanderung zur Lippe. Dort mussten die Schächte immer tiefer geteuft werden. So dass die dort schon tiefer liegenden Steinkohleflöze erreicht werden konnten.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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