Das Schloß der Arbeit

von Ernst Käbisch

Das Schloß der Arbeit, die Zeche Zollern in Dortmund, gilt als eine der schönsten Zeche im Ruhrgebiet.

Der Regionalzug RE3 fährt immer um die Minute 53 ab dem Bahnhof Düsseldorf-Flughafen durch Duisburg, Oberhausen, Essen-Altenessen, Gelsenkirchen, Wanne-Eickel… Viele denken bei diesen Ortsnamen an schmutzige Arbeit und inzwischen Hartz4. Dann an Krankheiten wie Staublunge und frühen Tod der Hütten- und Bergarbeiter. So habe ich auch jahrzehntelang gedacht und bin solchen Orten möglichst aus dem Weg gegangen. Inzwischen fahre ich sogar gerne und gezielt oft in all diese Städte. Weil ich hatte mich geirrt. Und es gibt dort überall Interessantes zu entdecken.

Mit dem Regio zum Schloß der Arbeit

In Herne steige ich um in den Regionalzug RE 43. Ich habe kaum 5 Minuten Wartezeit. Bei den folgenden Ortsdurchfahrten mit Bahnhöfen in Herne-Börnig und Castrop-Rauxel Süd sehe ich aus dem Zug heraus mehrere Fördertürme von Zechen. Bei einem der Türme steht deutlich spiegelverkehrt ERIN darüber. Zeche ERIN ist das also. Nächste Station nach  Castrop-Rauxel Merklinde ist Dortmund-Bövinghausen. Und hier steige ich aus. Kaum zu glauben, daß in dieser erstmal trist wirkenden Gegend ein imposantes Schloß ist. Aber tatsächlich habe ich jetzt nur ca. 5 Minuten zu gehen: aus dem Bahnhof heraus ein Stück zurück Richtung Castrop-Rauxel und dann die Bövinghauser Straße rechts ein Stück hinein; dann heißt eine Querstraße Grubenstraße und hier ist unübersehbar das im Volksmund sogenannte „Schloß der Arbeit“, die wirklich schöne Zeche Zollern mit lauter Zechengebäuden in ornamentaler Jugendstilarchitektur und zwei vollständig erhalten gebliebenen imposanten Fördertürmen.

Das Schloß der Arbeit
Die Zeche Zollern – „Schloß der Arbeit“

Museum Schloß der Arbeit

Es ist etwas Pech, dass ausgerechnet heute das Museum, was inzwischen glücklicherweise hier ist, geschlossen ist. Aber ich war ja schon mal hier und habe das sehr empfehlenswerte Museum mit vielen Informationen zum Bergbau bereits besichtigt.  Man kann ja auch viele Gebäude der Zeche von aussen sehen z.B. auch wenn man um das Zechen-/Museumsgelände links herum zu einem benachbarten Gewerbegebiet geht. Und interessant an so einer ehemaligen Zeche ist immer auch die Umgebung mit interessanten Zechensiedlungen, wo man Eindrücke bekommt, wie die Menschen früher hier gelebt haben und wie sie jetzt leben.

Hier sind das sehr massive und schöne alte Häuser in einem belebten Viertel. Ein Mann mit Hund, der mich vorhin schon freundlich grüßte, frägt mich, ob ich den „Eingang zum Zollern“ nicht finde. Er ist ganz erstaunt, als ich ihm sage, dass die Zeche/das Museum heute geschlossen ist. Möglicherweise ist er ja ein ehemaliger Bergmann, der hier gearbeitet hatte.

die „Emschertal-Bahn“

Sehr beeindruckt gehe ich wieder zum kleinen Vorortbahnhof von Dortmund-Bövinghausen zurück und habe wieder Glück, daß direkt die „Emschertal-Bahn“ Richtung Dorsten kommt, wo ich bis Herne mitfahren kann. Man muss sich einmal vorstellen, dass in den 60er Jahren, wo die Zeche Zollern geschlossen wurde, ernsthaft überlegt wurde, diese wunderbaren Gebäude einfach abzureissen. Zum Glück ist das nicht passiert und ein Museum, das „Westfälische Landesmuseum für Industriekultur“ (LWL) pflegt das Andenken an eine Zeit, in der es den Menschen offenbar trotz harter und oft gefährlicher Arbeit besser ging als heute. Inzwischen sind fast alle Zechen im Ruhrgebiet geschlossen und nicht alle Menschen konnten mit dem Strukturwandel mithalten und neue Arbeit finden.

Am Bahnhof Herne habe ich Anschluss an eine S-Bahn zum Essen HBF. Dort kaufe ich wie fast immer, wenn ich im Ruhrgebiet war, zum Abschluss am HBF bei einem japanischen Imbiss eine Nudelbox. Und dann setze ich mich damit bei heute fast frühlingshaftem Wetter am Platz Freiheit zum Kunstwerk „Steile Lagerung“, was die harte Arbeit der Bergleute unter Tage würdigt.

Das Schloß der Arbeit
Öffnungszeiten der eh. Zeche zum Jahreswechsel Foto anklicken

 

Das Schloß der Arbeit
Blick durch den Zaun Foto anklicken

 

Das Schloß der Arbeit
Die ehemalige Maschinenhalle Foto anklicken

 

Das Schloß der Arbeit
Giebel im Jugendstil Foto anklicken

 

Das Schloß der Arbeit
Kaum zu glauben, dass Zeche Zollern seit ca. 50 Jahren geschlossen ist Foto anklicken

 

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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