Der Mythos vom Schalker Markt

Der Mythos vom Schalker Markt

So etwas gibt doch sonst nicht in Deutschland, dass um einen Fussballclub ein solcher Kult aufgebaut ist wie um Schalke 04 aus Gelsenkirchen.? Außerdem vielleicht nun noch im benachbarten Dortmund beim BVB. Denn auch im übrigen Revier gibt es ja Kultvereine oder kultverdächtige Vereine, die aber alle bessere Zeiten erlebt haben und derzeit in niederen Ligen kicken. Und nur noch der Vfl Bochum spielt  in einer der ersten beiden Ligen. Zuletzt hatte es den MSV Duisburg erwischt. Und dem wurde die Lizenz für die 2.Liga entzogen. Weiter kommen traditionsreiche Vereine wie Rot-Weiss Essen, Rot-Weiss Oberhausen, Wattenscheid 09 oder Westfalia Herne überhaupt nicht mehr aus ihren Oberliga oder Kreisklasse heraus.

Die Zeche Graf Bismarck will ich mir angucken bzw. was davon so übriggeblieben ist. Dafür fahre ich am Gelsenkirchen HBF mit der U-/Straßenbahn 302 in Richtung Gelsenkirchen-Buer mit. Denn bei den Google-Maps sah es so aus, als ob es auf dieser Strecke eine Station Uechtingstraße gäbe. Dann heißen die Stationen aber Berliner Brücke, Schalker Meile und dann Ernst-Kuzorra-Platz.

Ernst-Kuzorra-Platz, die Schalker Meile

So steige ich eben hier aus. War denn Ernst Kuzorra nicht ein bekannter Schalker Fußballspieler? Ich meine, so etwas gelesen zu haben. Und das passt dann ja auch, weil hier unübersehbar z.B. an diesen blauen Pfählen mit weisser Aufschrift genau die Schalker Meile ist auf der Straße, die eigentlich Kurt-Schumacher-Straße heißt. Weiter gibt es hier eigentlich nur blauweißdekorierte Geschäfte, Kneipen, Trinkhallen, Kioske… Und selbst Döner-Imbisse oder die Schalker Polsterei sind blauweiss dekoriert. Dann heißt eine Trinkhalle auf der Uechtingstraße schlicht Schalke.

Inzwischen an der Straßenbahnstation, die Schalker Meile heißt, geht die Uechtingstraße links ab. Und auch hier sind die Geschäfte blauweiss geschmückt und heißen z.B. Arena nach dem neuen Stadion der Schalker. Während am Anfang der Uechtingstraße noch schöne alte Gründerzeithäuser stehen, sieht es im weiteren Verlauf dieser Straße mehr nach Zechensiedlungen aus. So massive Backsteinbauten aus roten Steinen stehen an der Straße. Dann ist auch jeweils eine kleinere Version dieser Häuser hinter den Häusern im Garten, der auch jeweils zu einem Zechenhaus gehört. Und das kleine Haus wurde früher fürs Vieh genutzt. Denn jede Bergmannsfamilie baute Gemüse im Garten an und hielt eine Ziege oder eine Kuh oder Geflügel.

Schacht Bismarck, die Zeche Graf Bismarck 1/4

Ein einfaches Straßenschild weist nach rechts zum Schacht Bismarck. Hier sehe ich aber erst nur so etwas wie ein Krankenhaus. Sozialwerk St.Georg steht auf einem großen Plakat. Wo ich das parkähnliche Gelände betrete, sehe ich dann aber auch die roten Seilscheiben, die mit Blumen bepflanzten Loren und vor allem das barocke Kauengebäude der ehemaligen Zeche Graf Bismarck 1/4. Auch eine Infotafel der Route der Industriekultur steht hier und informiert darüber, wie getroffen die Bevölkerung von der plötzlichen unvermuteten Zechenschliessung dieser einstmals großen Zeche im Jahr 1966 wurde. Erst ab diesem Zeitpunkt begriffen die Menschen die Ausmasse, die die Kohlenkrise annehmen würde und in dessen Verlauf 300.000 Bergleute im Ruhrgebiet ihre Arbeit verloren.

Ausser dem prächtigen wie eine Kirche wirkenden Kauengebäude sehe ich hier keine weiteren Bauten, die noch von der Zeche stammen könnten. Es sind nur im Karree um den kleinen Park ein paar Neubauten errichtet und nur noch 2 Loren und zwei knallrot bemalte Seilscheiben eines Förderturms erinnern daran, dass hier einst Steinkohle gefördert wurde. Inzwischen ist auf dem Zechengelände ein sozialpsychiatrisches Zentrum entstanden und das merke ich auch an mehreren etwas orientierungslos wirkenden Bewohnern hier.

Die Zechen Nordstern und Consolidation

Sonntags fahren die Bahnen nicht so oft. Da gehe ich die Schalker Meile noch ein Stück stadteinwärts, so wie ich auch hergefahren war. An der Berliner Brücke endet die Schalker Meile. Hier kann ich über die Bahngleise zwei weitere ehemalige Steinkohlezechen sehen. Rechts sind die beiden Fördertürme der Zeche Nordstern. Auf dem höheren der beiden Türme ist jetzt diese 12 Meter hohe Aluminiumfigur „Hercules“ des Düsseldorfer Künstlers Marcus Lüpertz aufgestellt. Links sind deutlich die beiden noch erhaltenen imposanten Fördertürme der Schachtanlage 3/4/9 des Bergwerks Consolidation zu erkennen. Es macht offenbar Sinn, dass der hier im Bezirk beheimatete Fussballverein vom Volksmund auch „Die Knappen“ genannt wird. Bergbau hat Tradition in dieser Stadt. Viele der tausend Feuer der „Stadt der 1000 Feuer“  Gelsenkirchen sind zwar inzwischen erloschen, aber das Schalker Feuer brennt weiter.

Einfach auf eins der kleinen Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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