Dickelsbachsiedlung und Hochfelder Markt in Duisburg

Auf dem Hochfelder Markt
Auf dem Hochfelder Markt

Die Dickelsbachsiedlung ist eine architekturgeschichtlich bedeutende Arbeitersiedlung in Duisburg. Und heute findet unweit der Siedlung gerade in einem Viertel mit zahlreichen Gründerzeithäusern ein stimmungsvoller Wochenmarkt, der Hochfelder Markt, statt.

Endlichh wollte ich mal wieder eine Radtour machen. Denn ich hatte gesehen, daß in der Duisburger Sechs-Seen-Platte die Straße, die zwischen dem Wolfsee und dem Masurensee Richtung Stadtzentrum führt, Kalkstraße heißt. Und tatsächlich ist das die alte Kalkstraße, auf der einstmals gebrannter Kalk von Kalksteinbrüchen in Ratingen und Lintorf zum Großen Kalkhof und zum Kleinen Kalkhof in der Duisburger City transportiert wurde.

Dann ist eine Querstraße der Kalkstraße die Wacholderstraße, die links in die sehr interessante Dickelsbachsiedlung führt. Und da für heute aber Nieselregen im Wetterbericht angesagt ist, fahre ich lieber mit dem Bus 749 erst nach Kaiserswerth und mit der U79 nach Duisburg zur Kulturstraße. Denn hier beginnt rechts der Düsseldorfer Straße am Posadowskyplatz bereits die Dickelsbachsiedlung.

Dickelsbachsiedlung und die Siedlung Kiefhoek

Trotzdem so tristes Wetter ist, sehe ich, was für ein reizvolles, architekturgeschichtlich interessantes Arbeiterviertel hier 1925/1926 erbaut wurde. Und von der Route der Industriekultur wird diese Siedlung sogar in eine Reihe gestellt mit der Siedlung Kiefhoek in Rotterdam. Und auch die den Bruno-Taut-Bauten (z.B. die Hufeisensiedlung in Britz) in Berlin werden mit der Dickelsbachsiedlung verglichen.

So auf den ersten Blick ist die Uniformität der Häuser aus roten Backsteinen und mit grünen Türen und Fensterrahmen schon etwas gewöhnungsbedürftig. Dann sind die Häuser eigentlich winzig. Und zwar hat jedes Haus einen Garten, aber das ist nicht viel größer als ein Badehandtuch. Also mich erinnert das an holländische Wohnsiedlungen, wo die Menschen auch so dicht aneinander wohnen.

Und nicht zu übersehen aber ist, daß die Menschen hier wohl gerne wohnen. Denn fast jedes Portal und jedes Fenster ist stilvoll geschmückt. Und die Gärten sehen selbst jetzt im November gepflegt aus. Dann sind die wenigen Menschen, die bei dem tristen Novemberwetter und zu der frühen Tageszeit am Samstag auf der Straße sind offenbar zufrieden. Und auch ich könnte mir nun sogar gut vorstellen, in einem dieser winzigen Häuser zu wohnen mit offenbar zumeist angenehmen Nachbarn.

Also mich interessiert die Dickelsbachsiedlung noch aus dem Grund, weil sie nach dem durch die Siedlung fliessenden Dickelsbach benannt ist. Denn das ist nämlich auch ein Ratinger wie ich. Der Bach entspringt in Ratingen-Hösel und fliesst dann durch Lintorf nach Duisburg. Und wo ich jetzt schon einmal hier bin, gucke ich auch, wo der Dickelsbach in den Rhein mündet.

Unweit der Dickelsbachsiedlung ist der „Kultushafen“

Dazu muss ich nur die Kulturstraße bis zur Hochfelder Eisenbahnbrücke und zum S-Bahnhof Hochfeld-Süd entlang gehen. Vom hier bereits beginnenden auf einstigem Industriegelände einer Drahtfirma angelegten und sich bis zur Brücke der Solidarität erstreckenden Rheinpark ist der „Kultushafen“ zu sehen. Der ist tatsächlich wie ein Hafenbecken geformt und ist genau das letzte Stück vom Dickelsbach, bevor er in den Rhein fließt.

Multikultibezirk Hochfeld, der Hochfelder Markt

Vom Rheinpark habe ich es nun nicht mehr weit in den Multikultibezirk Hochfeld, der mich immer ein bisschen an Berlin-Kreuzberg erinnert. Aber es ist hier schon anders als in Berlin, weil Duisburg ja ganz stark durch die Montanindustrie geprägt ist.

Der Hochfelder Markt ist der stimmungsvollste Markt, den ich im Ruhrgebiet kenne. In einem Viertel voller Gründerzeithäuser ist von dem rechteckigen Marktplatz jeder Meter genutzt von Marktständen. Zum großen Teil sind es Migranten, die hier ihre Geschäfte betreiben, wodurch man das Gefühl hat, auf einem orientalischen Basar zu sein. Und an einem Pizzastand esse ich leckerste türkische Pizza seit langem.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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