Dornröschen schläft wieder in Gladbeck

Dornröschen schläft wieder in der Siedlung
Dornröschen schläft wieder in der Siedlung "Schlägel und Eisen" in Gladbeck.

von Ernst Käbisch

Zuletzt bei meinem 2ten Besuch in der Gladbecker Zechensiedlung „Schlägel und Eisen“ hingen dort Plakate mit dem Text  – Dornröschen wurde aufgeweckt. Und da gab es noch Hoffnung auf Rettung der stilvollen Siedlung. Denn es wurden bereits Fenster und Dachgebälk in 2 Häuser eingebaut. Und jetzt 1 Jahr später ist diese Hoffnung weg.

Erst nach ein paar Wochen gucke ich mir die Bilder an. Dafür war ich lange zu sehr enttäuscht von dem Zustand der „Geistersiedlung“ in Gladbeck, die doch mithilfe eines Investors wieder restauriert werden sollte. So waren zwar Zäune aufgebaut und Container aufgestellt für den Sperrmüll. Und die ersten Häuser an der Bohnekampstraße und in der Schlägelstraße sind ja bereits zum Teil restauriert.

Schon sind da noch die Zäune um die eigentlich wunderbaren Zechenwohnhäuser der Gladbecker Zeche Zweckel. Und bei 2 Häusern sind komplett neue Fenster eingesetzt und morsches Dachgebälk ist durch neue Balken ersetzt. Aber das war doch auch bei meinem letzten Besuch vor 1 Jahr bereits so. Dann ist hier nicht mehr gemacht worden. Offenbar ist dem Investor das Geld ausgegangen. Zuletzt informierten großformatige Plakate, dass „Dornröschen aufgeweckt wurde“. Und diese vielversprechenden Plakate sind verschwunden und an einigen markanten Stellen der Siedlung sehe ich, dass z.B. bereits ein Wäldchen auf einigen der Häuser wächst. Also das ist sicher nicht zu deren Vorteil.

Dornröschen schläft wieder

Doch etwas ist noch verändert. Denn inzwischen kommt man gar nicht mehr in die Höfe der Häuser wie noch beim letzten Mal. Und sicher ist das nötig zum Schutz der Neugierigen. Denn alles hier ist ja baufällig. Und ringsum sämtlicher der stilvollen, aber verfallenden Ruinen sind jetzt Zäune. Schon aber das Werkzeug und das Arbeitsmaterial, was da herumsteht, verrostet und verrottet sichtbar. Weiter sind Firmenschilder und Baustellenschilder an den Zäunen mit Graffitis besprüht und zerstört. So macht die Siedlung einen noch kläglicheren Eindruck als die beiden Male, wo ich schon mal hier war. Also kurz vor der Abrißbirne ist hier. So ist diesmal mein unmaßgeblicher Eindruck.

Obwohl gerade im Ruhrgebiet hat man in der Beziehung schon die dollsten Sachen erlebt. Und längst für nicht mehr für zu retten gehaltene Objekte wurden dann doch plötzlich grundsaniert und wieder zu den architektonischen Schmuckstücken gemacht, die sie einst waren. So ein Beispiel sind die wunderbaren Jugendstilzechengebäude der Zeche Arenberg Fortsetzung in Bottrop, die 60 Jahre leerstanden und dann plötzlich luxussaniert wurden.

Leider kann ich Dornröschen nicht retten

Und das ist wohl auch die Hoffnung von einer Gruppe Kinder aus der Nachbarschaft, die gerade hier durch die Strassen mit den verfallenden Häusern zieht. Denn einer fragt, warum ich das hier fotografiere. Also ich will den Verfall der Siedlung dokumentieren, sage ich etwas verlegen. Weil mit diesem weiteren Verfall hier habe ich ja gar nicht gerechnet. Und eigentlich will ich nur noch schnell weg von dem deprimierenden Ort. Dann haben die Kinder sogar beobachtet, dass ich ein Loch im Schuh habe. Denn nun fragen sie mich auch nicht weiter aus. Zuerst haben sie mich wohl für einen möglichen Investor gehalten. Nein, das bin ich leider nicht.

Dann ein Stück weiter südlich in Gladbeck sind in der Tunnelstraße auch ehemalige Zechenwohnhäuser. Und hier steht in einem Vorgarten eine Lore als Blumenbeet mit der Aufschrift „Glückauf“. Also hier ist die Welt ja noch in Ordnung und die Häuser sind alle bewohnt und gepflegt. Ob das die Siedlung Schlägel und Eisen auch noch mal schafft, bezweifle ich nach meinem heutigen Besuch ja stark. Schon aber bin ich ja kein „Ruhri“. Denn die Ruhris haben Geduld.

Zuerst auf ein Bild klicken. Dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here