Ein Frühlingsmorgen im Cromfordpark in Ratingen

Herrenhaus Cromford
Herrenhaus Cromford

Schon 1783 errichtete der Unternehmer Johann Gottfried Brügelmann die erste Fabrik auf dem europäischen Kontinent. Und nach dem Vorbild der englischen Weberei Arkwright im mittelenglischen Dorf Cromford baute Brügelmann in Ratingen ebenfalls eine Seidenspinnerei und Weberei auf. Dann nannte er die Fabrik Cromford. Weiter gehört zur Fabrik und dem eindrucksvollen Herrenhaus ein für eher kleinstädtische Verhältnisse großer und weitläufiger Park. Und das ist der Cromfordpark.

„Warum auch immer in die Ferne schweifen?“, denke ich mir und fahre nun eben mit dem Fahrrad in den Cromfordpark. Denn eigentlich hätte ich bei dem herrlichen Frühlingswetter gerne eine Radtour zu Schloss Landsberg und nach Kettwig gemacht. Dann aber hatte ich etwas einzukaufen und etwas beim Kinderarzt abzugeben. So ist dann nicht mehr Zeit für eine längere Radtour.

Im Cromfordpark

Und für eine kleine Radtour ist das hier in Ratingen aber ideal. Denn man ist schnell draussen im Grünen. Schon in nur ein paar Minuten bin ich im Cromfordpark, den ich ehrlich gesagt erst seit meinem zweiten Wohnen in dieser Stadt kenne. Und das ist ja fast unverzeihlich, dass ich ihn von früher nicht kannte. Immerhin ist Haus Cromford der ehemalige Wohnsitz der Familie Brügelmann, die die erste Fabrik auf dem Kontinent Europa errichteten. Denn das war eine Seidenspinnerei nach englischem Vorbild. Und deswegen ist der englische Name Cromford nach einer Gemeinde im britischen Derbyshire. Gerade dort war das Vorbild der Textilfabrik Cromford in Ratingen.

Vom Cromfordpark vorbei an der Kalkbahn zum blauen See

So ist der Park um das eindrucksvolle Herrenhaus und die Fabrikgebäude / die Museumsgebäude herum vergleichbar mit einem großstädtischen Park. Und mächtige alte und zum Teil für diese Gegend ungewöhnliche Bäume wie ein kanadischer Hickorybaum, ein Maronenbaum, ein chinesischer Gingkobaum bilden ein kleines Wäldchen. Weiter laden große Wiesen  zum Picknicken ein. Und die Anger durchfliesst den eindrucksvoll großen Park. Dann über Wiesen und vorbei an einem Froschteich führt mein Weg nun zur Kalkbahn. Und die verbindet die Kalkwerke in Wülfrath mit dem Binnenhafen Duisburg. Schon zum Leidwesen mancher Anwohner wird die Kalkbahn nachwievor lautstark oft von mit Kalk beladenenen Güterzügen befahren. Dann führt neben dem Gleis ein schmaler asphaltierter Weg zum blauen See, einem alten Steinbruch. Und hier ist das beliebteste Freizeitzentrum der Stadt Ratingen.

Am blauen See

Denn am See selber gibt es einen Bootsverleih und eine Tauchschule. Und das Wasser des sehr tiefen Sees ist kristallklar. Und steile mit Bäumen bewachsene Felsen sind ringsum den eigentlich sehr kleinen See. Dann gibt es eine Besonderheit  hier. Denn die Steine hier am ehemaligen Steinbruch sind zu einem großen Teil quarzhaltig. Und wenn man gut sucht, findet man hier schöne Kristalle, in denen sich das Sonnenlicht bricht.

Weiter ist neben dem blauen See an einem anderen ehemaligen Steinbruch ist die überregional bekannte und beliebte Naturbühne von Ratingen. Denn in den Sommermonaten wird an mehreren Wochentagen hier jeweils ein beliebtes Theaterstück für Kinder in eindrucksvoller Naturlandschaft aufgeführt. Und in diesem Jahre ist es mal wieder ein Stück von Astrid Lindgren, nämlich „Pippi Langstrumpf im Taka-Tuka-Land“. So war ich selber schon oft Zuschauer bei einer dieser Aufführungen. Dann ist der Höhepunkt jedesmal, ob bei „Pippi Langstrumpf“ oder dem „Räuber Hotzenplotz“ oder „Ronja Räubertochter“, wenn die Schauspieler gemeinsam in einen der kleinen Teiche der Bühne springen und sich nach getaner Arbeit so erfrischen.

Die Siedlung Cromford, das Herrenhaus, das Museum

Durch die gut erhaltene Werkssiedlung der einstigen Spinnereimitarbeiter fahre ich wieder nach Cromford. Ich war schon oft in einer dieser alten Werkswohnungen zu Besuch. Jedes Detail dieser erstmal unscheinbaren Häuser ist liebevoll und handwerklich perfekt gestaltet. Jede dieser Wohnungen ist ein Kleinod. Die Textilfabrikanten haben einst ihre Mitarbeiter durchaus generös an ihrem Wohlstand beteiligt.

Und selber haben die Unternehmer ja auch sehr repräsentativ gelebt, wie das Herrenhaus Cromford in all seiner Pracht beweist. Hier und in den benachbarten erhalten gebliebenen Fabrikgebäuden ist jetzt ein Industriemuseum mit einer sehens- und empfehlenswerten Dauerausstellung.

Einfach auf eins der kleinen Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here