Ein mächtiges Flöz am Steinbruch Mitzwinkel in Kettwig

Das Flöz besteht tatsächlich aus offenbar ganz reiner Kohle.
Das Flöz besteht tatsächlich aus offenbar ganz reiner Kohle.

von Ernst Käbisch

Schon oft war ich zuletzt in Essen-Kettwig. Und immer wieder bin ich überrascht, wieviel Bergbaurelikte es in dieser ehemals wie Ratingen eigenständigen Stadt Kettwig im Kreis Mettmann gibt. Und heute mache ich eine weitere ganz unerwartete Entdeckung. Denn am Steinbruch Mitzwinkel wurde von Arbeitern der Stadt Essen ein mindestens 2 Meter mächtiges Flöz freigelegt. Damals in Berlin in den Altbauwohnungen mit Ofenheizung hätte ich lange mit der hier freiliegenden Kohle heizen können.

Ein mächtiges Flöz mit echter Steinkohle
Ein mächtiges Flöz mit echter Steinkohle

Eigentlich ohne konkretes Ziel fahre ich heute bei endlich mal herrlichem Maiwetter mit dem Rad los. Und erst spontan entscheide ich in Kettwig, nicht rechts der Ruhr entlang Richtung Oefter Wald zu fahren, sondern links. So kann ich vielleicht einmal den Weg am Steinbruch Mitzwinkel weiter hoch gehen. Denn da oben kenne ich noch nicht viel.

Aber dann ist direkt an der Wegbiegung, wo es um den Felsen herum zum Steinbruch geht, dieses Flöz. So wie ein Flöz z.B. das große unzugängliche Flöz an der geologischen Wand Kampmannbrücke sieht das jedenfalls hier aus. Also dass ich das überhaupt übersehen habe bei den letzten beiden Besuchen hier. Schon wird es aber so sein, dass  die Arbeiter der Stadt Essen diese Stelle freigelegt haben. Denn die sichern schon seit Wochen den Felsen ab. Und ich weiß gar nicht einmal mehr, was hier vorher war. Vermutlich wird diese Stelle dicht mit Gestrüpp und Sträuchern überwachsen gewesen sein.

Das Flöz ist weitaus mächtiger als das Flöz Neuflöz

Blick vom Steinbruch Mitzwinkel auf Ruhr und den Oefter Wald
Blick vom Steinbruch Mitzwinkel auf Ruhr und den Oefter Wald

Also schade ist ja fast, dass ich nicht mehr wie damals in Berlin Kohleheizung habe. Denn das mächtige Flöz (vom Boden aus sicher 2 Meter 50 hoch) hätte mir Brennstoff für lange Zeit liefern können. Und das ist gar kein Vergleich zu diesem dagegen winzigen Flöz nebenan. Denn nur vielleicht 20 Meter von diesem Flöz entfernt verläuft da am Felsen zwischen Gesteinsschichten das Flöz Neuflöz. Und das ist vielleicht 10 cm breit.

So ein mächtiges Flöz wie hier habe ich überhaupt noch nicht gesehen. Und noch nicht einmal das Flöz Geitling 3 bei der Zeche Nachtigall in Witten ist so mächtig. Dort wurde meinem Cousin und mir ja erklärt, dass Geitling 3 ca. 60 cm breit wäre und das hieße eigentlich, dass es nicht abbauwürdig wäre. Aber für den Eigenbedarf der dort ansäßigen Ziegelei wurde die Kohle sogar noch in der Nachkriegszeit eben doch gefördert. Und nun ist ja dort das Ausbildungs- und Besucherbergwerk.

Hier sollte ein Bergbauwanderweg entstehen

Blick von oberhalb auf den Steinbruch mit den neuen Zäunen
Blick von oberhalb auf den Steinbruch mit den neuen Zäunen

Also unbedingt ist Kettwig bzw. der Stadt Essen zu empfehlen, hier auch so etwas wie einen Bergbauwanderweg anzulegen und diese Flöze zu schützen. Und wenn ich mich so umgucke, scheint genau das gerade auch zu passieren. Denn unterhalb des Steinbruchs ist schon ein massiver Zaun angelegt und auch am Felsen wird mächtig gearbeitet. Und so ein Weg entsteht erst jetzt durch all diese Arbeiten. Leider ist so auch die Pinge, die ich neulich genau hier entdeckt hatte, verschwunden. Aber es ist sicher notwendig, an diesem wild zerklüfteten Felsen die Menschen nicht nur vor Gefahren wie etwa Steinschlag zu schützen. So eine Pinge ist natürlich auch eine Gefahr. Und die geologischen Besonderheiten müssen auch geschützt werden. Aber da hat die Stadt Essen ja viel Erfahrung mit. Und da kann man schon Vertrauen haben, dass die das richtig machen.

Dann klettere ich noch ein wenig über die Stelle hinaus, wo diese Pinge war. Das sieht hier schon abenteuerlich aus. Auf der einen Seite ist ein herrlicher Ausblick über die Ruhr hinüber in den Oefter Wald und Richtung Essen-Werden. Und unter mir ist schon ganz klein der durch die Bauarbeiten jetzt so verändert wirkende Steinbruch Mitzwinkel. Und auf dem Waldboden hier oben scheinen auch so abgesackte Stellen zu sein. Also vielleicht sind das auch Pingen. Denn hier war ja die Zeche Kanzel. So muss ich wohl bald mal wieder hierhin fahren.

Text / Fotos: Ernst Käbisch

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