Ein Sommerabend auf der Schurenbachhalde in Essen

Rechts neben der Landmarke der Schurenbachhalde ist die Mottbruchhalde in Gladbeck
Rechts neben der Landmarke der Schurenbachhalde ist die Mottbruchhalde in Gladbeck
von Ernst Käbisch

So eine Schönheit auf den ersten Blick ist die flache Schurenbachhalde in Essen-Altenessen ja nicht. Denn sie wirkt etwas wie ein in sich zusammengefallener Kuchen.  Dann aber ist die Panoramasicht vom Haldengipfel großartig. So sehe ich das Gasometer, die Zeche und die Kokerei Prosper, die Mottbruchhalde und die Zeche Nordstern. Außerdem geht der Blick bis zur Halde Hoheward/Hoppenbruch und den Doppelbock vom Zollverein in Essen.

Die Schurenbachhalde in Essen-Altenessen ist die für mich am schnellsten erreichbare Halde aus der Steinkohleförderung im Ruhrgebiet. Denn in weniger als einer Stunde bin ich dort. Und am Essener Hauptbahnhof muss ich nur in die U11 umsteigen und 11 Stationen nordwärts fahren. Schon an der Station Heßlerstraße steige ich aus. Dann ist es noch ein Fußweg von 10 Minuten bis zum Fuß der Halde in der Fritzstraße. So ist die Straße benannt nach der ehemaligen Zeche Fritz. Dann komme ich an dessen erhalten gebliebenem Werkseingang mit einer bepflanzten Lore daneben vorbei.

Der Haldengipfel der Schurenbachhalde ist wie eine Mondlandschaft

Also eine Schönheit ist diese Schurenbachhalde nicht gerade. Schon ist sie zwar fast bis zum Gipfel bewaldet. Dann aber sind die Wege hinauf schlecht befestigt. Und einer der Wege ist durch eine breite Rinne von herablaufendem Regenwasser sogar praktisch zweigeteilt. Dann macht die ganze ziemlich flache Halde den Eindruck eines prächtigen Kuchens, der nach dem Backen in sich zusammengefallen ist. So ist der Haldengipfel auch sehr weitläufig und abschüssig. Und nach dem vielen Regen der letzten Tage haben sich hier große Pfützen gebildet. Außerdem wächst hier auf dem schwarzen wie eine Mondlandschaft wirkenden Gipfel fast gar nichts. Denn auf dem Schwarzen sind nur ein paar kümmerliche gelbblühende Ringelblumen.

Dann ist die Landmarke der Schurenbachhalde eine häßliche, oben rostende und unten mit Graffitis besprühte rechteckige hohe Stahlplatte Und das ist die sogenannte Bramme. Trotzdem bin ich gerne hier. Immerhin ist die Schurenbachhalde keine Halde der ersten Generation. Und damit ist sie auch keine brennende Halde. Obwohl sie so flach ist (vielleicht 50 Meter hoch), ist die Panoramasicht ins Ruhrgebiet von hier oben grandios.

Schon bis nach Oberhausen, Bottrop, Gladbeck, Gelsenkirchen, Herten/Recklinghausen und Essen hinein kann ich erkennbar an Gasometer, Kokerei und Zeche Prosper mit dem Tetraeder, der Mottbruchhalde, der Zeche Nordstern, der Halde Hoheward/Hoppenbruch und dem Doppelbock vom Zollverein gucken. Und trotz des durchwachsenen Wetters heute ist die Sicht auf all diese Ruhrgebietswahrzeichen ausgezeichnet. Gerade wegen des durchwachsenen Wetters kann das aber auch sein.

Die Schurenbachhalde wurde geformt von den Zechen Fritz, Nordstern, Carl …

Und eine Menge anderer Fußgänger, Radfahrer, Hundebesitzer… sind bei gerade sogar zaghaft etwas herauskommender Sonne hier auf der Halde. So an einem sonst trüben Tag genießen sie dieses Naherholungsgebiet in einem einstmals hochindustriellen Umfeld. Schon werden die umliegenden längst stillgelegten Zechen Fritz, Nordstern, Carl die Schurenbachhalde mit ihrem taubem Gestein aus der Steinkohleförderung geformt haben. Und vielleicht hat auch die Zeche Mathias Stinnes in Karnap/Gladbeck mitgeformt. Und dass die Steine hier kohlehaltig sind, sieht selbst ein Laie wie ich auf den ersten Blick.

Dafür ist ringsum den schwarzen Haldengipfel alles grün. Dann gar nicht weit von hier fließt die renaturierte Emsche, Und daneben ist der auch mit grünen Ufern umgebene schiffbare Rhein-Herne-Kanal. Denn selbst in seinem proletarischen Norden wird Essen immer grüner. Also der Titel „Grüne Hauptstadt Europas 2017“ wurde der Stadt schon zurecht verliehen. Und auch die Straßen im etwas verrufenen Stadtbezirk Altenessen wirken gar nicht mehr kohlenstaubgeschwärzt wie früher.  Denn all die stilvollen und gepflegten Zechenwohnhäusern wirken adrett. Und an den liebevoll bepflanzten Vorgärten merkt man, wie gerne die Menschen hier „mitten im Pott“ leben.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann oeffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Kaebisch

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