Ein Sonntagmorgen am Phönixsee

Ein Sonntagmorgen am Phönixsee
Ein Sonntagmorgen am Phönixsee
von Ernst Käbisch

Der Phönixsee in Dortmund ist schon nach wie vor faszinierend, weil er ein künstlicher See an dem Ort  ist, wo 150 Jahre lang eine Stahlhütte war. Und jedesmal, wenn ich ihn wie heute am Sonntagmorgen besuche, ist er dichter umbaut. So gibt es bald keine unbebauten Flächen mehr am See. Also Gentrifizierung ist hier eine Tatsache, ob man das gut findet oder nicht.

So auf den nächsten Flughafenbus müsste ich 50 Minuten warten. Und da habe ich früh am Sonntagmorgen keine Lust zu und gehe stattdessen zum Bahnhof. Denn die S-Bahn fährt diesmal ganz normal. Und am Nachbargleis am Essener Hauptbahnhof fährt gerade ein Regionalzug nach Dortmund ein. Dann fahre ich halt ganz spontan mal wieder über die nur 2 Zwischenstationen Wattenscheid und Bochum nach Dortmund und da vom Hauptbahnhof mit der U41 zum Phönixsee. Schon ist es etwas verrückt, daß man mit dem ÖPNV von Ratingen aus manchmal leichter und schneller nach Dortmund am anderen Ende des Ruhrgebiets kommt als in die Nachbarstadt Duisburg. Denn eigentlich war das mein Ziel für heute.

Am Sonntagmorgen muß ich mir den Phönixsee nur mit Wildgänsen und Enten teilen

Dann aber muss ich den Phönixsee auch ab und an mal besuchen, nachdem ich ihn seitdem kenne, wo er noch gar nicht geflutet war. Und man war ja sehr gespannt darauf, wie sich das hier einmal entwickeln wird. Denn jedesmal ist eine andere Stimmung an diesem Ort. Und heute am Sonntagmorgen muss ich den eigentlich schönen See mit nur wenigen Ausflüglern teilen. Eher bin ich in Gesellschft von Wildgänsen und Enten, die sich hier sehr wohl zu fühlen scheinen.

Schon nach wie vor stehen vielerorts Kräne und Baumaschinen herum. Und es wird immer noch kräftig gebaut rund um den See, hauptsächlich sind es Wohnbauten. So wirkt der sehr geschäftige westliche Teil des Sees um die alte Hörder Burg herum nicht sehr attraktiv, sondern irgendwie seelenlos und wie ein austauschbares Stadtviertel am künstlich geschaffenen See.

Schon gefällt mir etwa an der Mitte der Seepromenade der kleine und beschauliche Hafen. Denn dort haben nicht übertrieben große Schiffe geankert, sondern nur kleine Segelboote. Denn das ist etwas für die Allgemeinheit und nicht nur für Leute mit viel Kapital. Schon macht der See hier ja ehrlich gesagt einen etwas verstörenden Eindruck. So muss man halt mal abwarten, bis die ganzen Baustellen fertig sind und die nachwievor sehr präsenten und auch auf Riesenplakatwänden für sich werbenden Immobilienfirmen wieder vom See verschwunden sind.

Am östlichen Teil vom Phönixsee ist noch unbebaute Landschaft

Dann angenehm ist auch der östliche Teil des Phönixsees mit den beiden Halden. Also hier werden zwar auch noch Neubauten errichtet, aber hier ist auch noch ein bisschen Landschaft. Außerdem sind die Ufer am See mit üppig blühenden Sommerwiesen nett gestaltet. So ist das der angenehmste Teil des Sees. Dann hat man von hier einen weiten Blick über eine doch recht große Wasserfläche westwärts bis zur Skyline von Dortmund.

So ist für meinen Geschmack auch zuwenig von dem Alten übrig geblieben. Denn das ist halt die Hörder Burg, wo die Verwaltung von der Hermannshütte war. Weiter ist das ein mächtiger Stahlkonverter direkt am Seeufer. Schon ist ansonsten da nichts mehr, was an die einstige Stahlhütte erinnert und an den Arbeiterbezirk Hörde. Gentrifizierung ist tatsächlich die Realität am Phönixsee, ob man das gut findet oder nicht.

Anderseits kann man aber auch gar nicht all das Alte aufbewahren bis in alle Ewigkeit. Die halbe Hütte nämlich Phönix West ist ja als faszinierende verfallende Industrieruine etwa 1 Kilometer stadteinwärts erhalten geblieben und was am Phönixsee nur etwas aus dem Ruder läuft ist die immer dichtere Bebauung um den schon recht attraktiven See herum. Für die Immobilienbranche ist der Phönixsee eben nachwievor eine Goldgrube. Mit dem früheren Leben und Arbeiten im einstigen Arbeiterbezirk Hörde hat das aber nichts mehr zu tun. Das ist schade.

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Text und Fotos von Ernst Käbisch

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