Ein Tag an der Nordsee

von Ernst Käbisch

Der einzige Platz, wo es sich an einem Tag mit tropischer Hitze in einem Seebad mit überwiegend häßlichen Betonburgen für die Touristen und einem von unzähligen Menschen überfüllten Sandstrand aushalten lässt, ist natürlich die Nordsee. Da ist es mit ständig neu heranrollenden hohen Wellen von weit über 20 Grad warmem Meerwasser dann so angenehm, dass alles ringsum einen herum schnell vergessen ist.

Nach etwa einer Stunde, nachdem der weisse Reisebus uns in Ratingen am Busbahnhof abgeholt hatte, sind wir bereits an der Grenze. An dem Grenzübergang werden längst nicht mehr die Grenzgänger kontrolliert. Dann fährt der Busfahrer eine nichtssagende Raststätte in Zevenaar an. Der Grund dafür ist, dass er ja schon in Grevenbroich, Neuss und Düsseldorf Fahrgäste eingesammelt hatte. Und nun muss er nach ein paar Stunden Arbeitszeit seine gesetzlich vorgeschriebene Pause machen.

Fahrt an die Nordsee – ins Bad Noordwijk

Lange bleiben wir zum Glück nicht an diesem höchst langweiligen Ort in der Provinz Gelderland. Nach vielleicht einer halben Stunde fahren wir weiter. Nur an einer Stelle der Autobahn ist ein Stau an einer Baustelle. Der Busfahrer ist dreist und fährt links an den wartenden Fahrzeugen vorbei und lässt sich ganz vorne von einem netten/ob dieser Frechheit wohl überraschten Fahrzeugführer in die längere Warteschlange einfädeln. Immerhin sind wir so schneller am Meer.

Wir kriegen fast einen Hitzeschlag, als wir aus dem klimatisierten Bus steigen. Auch am völlig übervölkerten Strand ist es heiß. Der feinsandige Strand brennt uns an den bloßen Füßen. Nirgendwo stehen Bäume und nirgendwo ist Schatten. Auszuhalten ist es hier eigentlich nur direkt am Wasser. Dafür muss man jetzt weit gehen. Es ist Ebbe und gerade ändern sich aber die Gezeiten und das Meer kehrt zurück. Das merken wir nämlich, als wir eine Sandburg bauen und feststellen, dass das eine Sisyphosarbeit ist und nicht von anhaltendem Erfolg belohnt sein kann. Schon kurz nachdem wir unsere stolze Burg zu Ende gebaut haben, ist sie schon wieder von den immer weiter strandaufwärts ankommenden Flutwellen weggespült.

Wie gehen etwas essen in der Fußgängerzone von Noordwijk, die haargenau so aussieht wie Fußgängerzonen in anderen holländischen Städten. Aber die Pommes Frites sind auf flämische/belgische Art; ganz breite Scheiben von Kartoffeln; lecker gewürzt und wie man es aus den Beneluxländern kennt, ist ein Klecks Ketchup oder Majonnaise fast genauso teuer wie die Fritten.

In der Nordsee

Auch im Stadtzentrum der kleinen Stadt Noordwijk gibt es kaum schattige Plätze. Der einzige Ort hier, wo es sich bei dieser heute tropischen Hitze einigermassen aushalten lässt, ist direkt am Wasser, wo es auch etwas windig ist. Bzw. natürlich direkt im Wasser. Beachtlich große Wellen weit über 20 Grad warmen Meerwassers kommen immer wieder angespült und es macht einen Heidenspaß, sich dagegen zu werfen; das Salz im Wasser zu verpüren; die gute salzhaltige Luft in vollen Zügen einzuatmen. So vergisst man fast die Zeit und diese vergeht wie im Nu.

Bis kurz vor der Abfahrtszeit des Busses vergnügen wir uns nur noch im Wasser. Die Anspannung von der mehrstündigen Fahrt und der leichte Stress/Frust von heute morgen bei der Ankunft sind fast völlig vergessen. Wegen dem Meer sind wir gekommen; im Meer haben wir uns vergnügt; die Hitze, die häßlichen Betonburgen der Hotels und Appartmenthäuser mit Ferienwohnungen, die unglaublichen Menschenmassen an diesem Tag mit tropischen Temperaturen an dem feinen Sandstrand sind vergessen oder jedenfalls ist das nicht mehr wichtig.

Ein Tag an der Nordsee
Nicht nur wir sind auf die Idee gekommen, heute ans Meer zu fahren Foto anklicken
2meer
So menschenleer wie auf dem Bild ist es heute sonst nicht. Foto anklicken
3ebbe
Im Moment ist Ebbe Foto anklicken
4duene
karge Dünenlandschaft Foto anklicken
5silhouette
Blick nach Süden Foto anklicken
6fisch
Vor einem Fischrestaurant Foto anklicken
7leuchtturm
Am Leuchtturm von Noordwijk Foto anklicken
8windmuehle
Windmühle Foto anklicken

Text/Fotos: Ernst Käbisch

 

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