Erzzechen Lintorf – Treffen mit einem Bergbauexperten

Pinge von Schacht Heinrich
Eine Pinge von Schacht Heinrich.

Endlich hat es mal ein Ende mit all den Spekulationen. Der Vorsitzende des Ratinger Heimatvereins ist ein anerkannter Bergbauexperte. Und er beantwortet mir jede Frage exakt und ohne jeden Zweifel.

Einiges zu den Lintorf/Selbecker Erzzechen hatte ich mir ja richtig zusammengereimt. Bei anderem lag ich wohl völlig daneben. Z.B. war Schacht Drucht nicht dort, wo ich ihn vermutete und ausserdem hatte er keinerlei Bedeutung. Das war vermutlich nur einer von vielen Erkundungsschächten in diesem so erzreichen Gebiet zwischen Ratingen, Mülheim an der Ruhr und Duisburg.

Natürlich ist der Vorsitzende des Ratinger Heimatvereins ein vielbeschäftigter, energisch wirkender und intelligenter Mann. Dennoch nimmt er sich ein bisschen Zeit, um mit mir zu reden. Wie verabredet besuche ich ihn in seiner Wohnung, um ihm die Quecke-Hefte abzukaufen. Er hat eine universitäre Arbeit über die Lintorfer Erzzechen geschrieben und die in Auszügen in 4 Heften der ausgezeichneten und immer gut recherchierten Heimatzeitschrift Quecke veröffentlicht.

In Details kann ich sogar mitreden, weil ich ein bisschen über mein Interesse an Steinkohlezechen den Fachjargon des Bergbaus kenne. Und weil ich inzwischen etwas Ortskenntnis von den eigentlich nicht mehr vorhandenen Lintorfer Erzbergwerken habe. Aber im Wald nördlich von Lintorf, der allerdings seit einer Gebietsreform 1929 meist zu Duisburg und Mülheim an der Ruhr gehört, ist noch einiges an Relikten der Bergwerke aufzuspüren.

Erzzechen Lintorf – das Maschinenhaus von Schacht Loman

Das ist nun ein anderes Kaliber, als die Spekulationen in Internetforen zu verfolgen oder seine eigenen Mutmassungen anzustellen über Dinge, die man meint gefunden und erkannt zu haben. Hier habe ich es ganz offensichtlich mit einem Experten zu tun, der jedes Detail der seit über 100 Jahren geschlossenen Bergwerke kennt. Natürlich kennt auch er keine Zeitzeugen mehr, aber z.B. erfahre ich von ihm, dass die Ruine des ehemaligen Maschinenhauses von Schacht Loman im Wald in Mülheim zuletzt bis 1967 ein Wohnhaus war und dann erst abgerissen wurde. Und er kennt auch Menschen, die dort noch wohnten. Das ist ja erstaunlich, weil ich kenne dieses Gebiet nur als Waldgebiet.

Erzzechen Lintorf – Das Fachwerkhaus im Wald

In manchen Dingen habe ich mich sehr vertan z.B. hatte ich gedacht, dass das Winkelshäuschen das einsam gelegene Fachwerkhaus im Wald in Duisburg-Rahm nahe des Kalksteinbruchs ist. Aber in diesem Haus arbeitete ein Kalkofen und das Winkelshäuschen war ein Stück weiter südlich noch auf Ratinger Gebiet an der Bissingheimer Straße neben der Trafostation.

Erzzechen Lintorf – Schacht Drucht

Auch den Standort von Schacht Drucht habe ich falsch lokalisert. Da wo ich ihn auf Duisburger Gebiet vermutete, ist Schacht und Halde Heinrich und Schacht Drucht ist da, wo ich unweit des Kalksees schon mal Pingen gesehen habe – und eine Halde. Pingen ja, sagt er, aber eine Halde gäbe es da nicht. Es ist auch in seinen Aufzeichnungen, die ich anschliessend natürlich lese, nie von Schacht Drucht die Rede. Die aktiven Schächte der Lintorfer Bergwerke waren Friedrich, Georg, Heinrich, Broekman, Auguste und Loman. Dort wurde auch tatsächlich Erz gefördert. Schacht Drucht war also vermutlich nur einer der vielen unbedeutenden Erkundungsschächte in dieser Gegend.

Erzzechen Lintorf – Schacht Heinrich

Am nächsten Tag habe ich ein bisschen Zeit, um zu rekapitulieren und mir möglichst jedes erwähnte Detail aus dem Gespräch gestern frisch zu halten, denn das sind alles belegbare Tatsachen und keine Spekulationen, was er mir erzählt hat. Mit dem Rad fahre ich in das Zechengebiet. Und tatsächlich finde ich bei Schacht Drucht die eigentlich unverkennbaren Pingen (Pingen sind Stellen von ehemaligen Bergbauschächten, die verfüllt wurden und nachgesackt sind) wieder, aber nicht eigentlich eine Halde. Vielleicht 150 Meter von hier ist Schacht Heinrich, den ich mir jetzt auch noch einmal genauer angucke. Das ist natürlich kein Vergleich zu Schacht Drucht, denn hier ist eine mehrere Meter hohe Halde, unverkennbar und zu der markanten Pinge mit dem Zaun im Boden, die ich schon kenne, finde ich auf der Halde noch eine weitere, fast noch tiefer abgesackte Stelle, ein um die 4 Meter tiefes Loch.

Erzzechen Lintorf – Zeche Friedrichsglück

In Ratingen-Lintorf gucke ich mir noch den Ort an, wo die Zeche Friedrichsglück tätig war. Das ist genau dort, wo die Schienen der Zechenbahn enden auf dem Gelände der ehemaligen Gerüstbaufirma Thyssen Hünnebeck; inzwischen ist da eine andere Gerüstbaufirma tätig. Auf dem Gelände ist ein einziges  Gebäude der ehemaligen Zeche, eine Schlosserei erhalten geblieben. Ein weiteres wie die Schlosserei eigentlich denkmalgeschütztes Gebäude aus der Zechenzeit, ein Verwaltungsgebäude wäre dort auf dem Betriebsgelände im letzten Jahr erst klammheimlich verschwunden.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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