Es gibt doch noch einen Kalkofen in Duisburg-Rahm

Kalkweg in Düsseldorf-Angermund
Kalkweg in Düsseldorf-Angermund

Also gibt es noch eine Fortsetzung meiner Suche nach dem Kalkofen im Druchter Wald in Duisburg-Rahm mit dem Ergebnis, daß ich ihn nun finde. Jedenfalls vermute ich das stark, daß dieser gewölbte Hügel mit Mauerresten neben dem „Haus in der Drucht“ einer von ehemals 2 Kalkbrennöfen der einstigen Lintorfer Kalkwerke ist.

So diese heftige Reaktion vermutlich der Besitzerin des „Hauses in der Drucht“, dem frei- und derzeit auch leerstehenden Haus neben dem „Bleiweiher“ neulich war schon etwas schwer verdaulich. „Kalkofen, Kalkofen… hier gibt es keinen Kalkofen“, rief sie empört. Und weiter sagte sie noch, daß sie sich mein Gesicht merkt und wenn sie mich auf frischer Tat ertappt, dann…

Der „Bleiweiher“ in Duisburg-Rahm ist der ehemalige Kalksteinbruch

Also nein, ich bin doch kein Einbrecher und daß ich da unweit ihres Grundbesitzes mich im Wald umgeguckt habe, ist tatsächlich, weil ich (auf öffentlich zugänglichem Waldgelände) einen Kalkofen suche. Weil das ist einer von 2 Kalkbrennöfen, die früher den Kalkstein direkt an Ort und Stelle brannten. Denn die Lintorfer Kalkwerke bauten genau hier Kalkstein ab.  Und der „Bleiweiher“ heißt doch nur umgangssprachlich „Bleiweiher“. Weil er liegt in der Nähe der ehemaligen Lintorfer Bleierzzechen direkt neben Schacht Drucht. Dabei ist dieser entengrützebedeckte Teich im Wald der ehemalige Kalksteinbruch. Und später ist er mit Wasser vollgelaufen.

Und unmittelbar rechts von dem Haus war eh die falsche Beschreibung, die ich von dem Ort des Kalkofens hatte. Denn da liegen schon viele vermooste Backsteine auf dem Waldboden. Schon aber ist es da ganz flach. Und es sieht völlig anders aus als an der Teichstraße in Ratingen, wo in einem erdbedeckten und baumbestandenen Hügel ein guterhaltener Kalkbrennofen zu bewundern ist. Schon fast noch ganz intakt ist der und man kann durch die Gitter in die Brennkammern gucken. Und nein, so etwas war hier rechts neben dem Haus wohl nicht.

Ein Kalkbrennofen in Duisburg

Und zwei Tage später fahre ich ein weiteres Mal frühmorgens mit dem Rad nach Duisburg-Rahm. Immerhin habe ich eine exakte mir auch logisch erscheinende Beschreibung des Orts. Und tatsächlich finde ich links neben dem Haus und ein kleines Stück rechts neben dem Weg, der in den Druchter Wald führt, so einen gewölbten Hügel mit Mauerresten. Dann nehme ich doch stark an, daß das tatsächlich der Kalkbrennofen war. Schon ist da nur ein Rest einer aus roten Backsteinen gemauerten Mauer und einer Stelle, die auch aus Bruchsteinen gemauert sein könnte. Und das ist stark vermoost, deswegen bin ich nicht sicher. Weiter finde ich nämlich Nichts mehr. Und hier kann man nicht in deutlich erkennbare Brennkammern hineingucken. Schon gar nicht sieht man womöglich gar noch Kalkreste von Brennvorgängen wie in der Teichstraße.

Also das ist aber auch Wunschdenken. Immerhin wird das schon der Rest des einen von 2 Kalköfen sein. Und der 2te Lintorfer Kalkofen soll vor vielen Jahren schon völlig zerstört worden sein. Und die Steine hat man zum Straßenbau benutzt, lese ich in einem Artikel in der (Ratingen-)Lintorfer Heimatzeitschrift Quecke über die Lintorfer Kalkwerke.

Dann nach noch einem Blick auf den „Bleiweiher“ gehe ich zu dem am Waldweg abgestellten Fahrrad. Und nun höre ich von dem freistehenden Haus Stimmen und Motorgeräusche. Tatsächlich sehe und höre ich die resolute Frau mit dem blonden Pferdeschwanz, der das Haus gehört. Und sie redet mit Bauarbeitern, die irgendetwas auf dem Grundstück machen. Zum Glück bemerkt sie mich nicht.

Der Kalkweg von Ratingen über Lintorf nach Wittlaer

Dann setze ich mich aufs Fahrrad und fahre durch den bunten Herbstwald in Duisburg bis zur Kalkumer Straße in Lintorf. Und rechts geht es nach Angermund und dort von der Rahmer Straße geht links der Kalkweg ab, der direkt bis zum Schloss der Grafen Spee, dem Schloss Heltorf führt. Der (für die Öffentlichkeit derzeit geschlossene) Park des hochherrschaftlich wirkenden Schlosses der Besitzer des Waldes in der Region liegt zum Teil in Düsseldorf-Wittlaer, wohin einst der Kalkweg führte. Denn in Wittlaer am Rhein wurde der in Lintorf und Ratingen geförderte und gebrannte Kalk zum Weitertransport zu Abnehmern am Niederrhein und in die Niederlande verschifft.

Und auch in Duisburg gibt es einen Kalkweg vom Kalkofen in der Drucht bis ins Stadtzentrum:

…Der Name des Kalkweges bezieht sich auf die Kalkfuhren, die aus der Ratinger Gegend Kalk nach Duisburg brachten. 1404 erfahren wird, daß die Abtei Werden ihren Kalkofen in der Drucht – Reste sind noch erhalten – verpachtet. Daß dieser Ofen auch „Kalkofen in Lintorf“ genannt wurde, hängt mit der Nähe zur Siedlung Lintorf zusammen. Über diesen Kalkofen gibt es zahlreiche Nachrichten bis in die neueste Zeit. Aus dem Gebiet von Eggerscheidt und Ratingen ziehen sich Kalkformationen in die Gegend von Lintorf, besonders nördlich davon und bis zur heutigen Duisburger Stadtgrenze.Der für Duisburg bestimmte Kalk gelangte zur Lagerung in den „Großen“ und „Kleinen Kalkhof“.
( Zitat aus: www.bv-neudorf.de/strassen )

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Text/Fotos: Ernst Käbisch

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