Ganz am Rande vom Ruhrpott

Erst am Morgen sehe ich, wie ländlich das hier ist.
Erst am Morgen sehe ich, wie ländlich das hier ist.
von Ernst Käbisch

Durch die Gebietsreform 1975 in NRW bekam die Stadt Ratingen auch ein bisschen Ruhrpottflair. Denn eingemeindet wurden die nördlich der Stadt gelegenen Dörfer Lintorf und besonders Breitscheid. Und Breitscheid bildete jahrzehntelang zusammen mit dem heutigen Mülheim-Selbeck die Landgemeinde Selbeck-Breitscheid.

Also dieser Supermarkt, den ich zu bewachen habe, ist auch schon ein bisschen Ruhrpott. Denn hier ganz am Stadtrand ist es viel näher nach Mülheim-Mintard oder Mülheim-Selbeck oder Essen-Kettwig als in die Ratinger Stadtmitte. Und da gibt es ja auch solche Märkte. Schon deswegen kaufen hier überwiegend „Ruhris“ und ein paar Leute vom Dorf ein.

Breitscheid ist fast Ruhrpott

Und ein Dorf ist Ratingen-Breitscheid natürlich. Schon hätte ich mir einen anderen für mich sinnvolleren Plan fürs Wochenende gewünscht als Nächte im Supermarkt zu vertrödeln. Dann aber habe ich bei der Morgendämmerung mit klarem Himmel, frischen Farben und etwas Glatteis ja bald Feierabend. Und im Hellen sehe ich erst, wie ländlich das hier ist.

Schon ist es aber nicht sehr ruhig hier. Denn jeder Autofahrer in NRW kennt Breitscheid vom Breitscheider Autobahnkreuz und regelmäßigen Staumeldungen im Radio. Und zahlreiche Autobahnlinien durchqueren auch deutlich hörbar das Bauernland hier mit seinen weitläufigen Feldern und Viehweiden.

Dann sonntagmorgens auf so einem Dorf ist auch die Infrastruktur im ÖPNV gewöhnungsbedürftig. Denn der Bus kommt erst in einer dreiviertel Stunde. So gehe ich zu Fuß Richtung Lintorf, etwas vorsichtig wegen dem Glatteis und habe nun doch ein bisschen meinen an Wochenenden gewohnten Ruhrgebietsausflug.

Schon ein bisschen ist es hier ja wie im ganz nahen Ruhrpott. Denn wie dort gibt es hier starke Kontraste. Weil hier sind zahlreiche beschauliche Bauernhöfe. Dann verläuft mal wieder eine Autobahnbrücke über der jetzt noch kaum befahrenen Landstraße und zwischendurch sind immer wieder Gewerbebetriebe.

Wie im Ruhrpott: Eine Zeche in Lintorf

Nach der nächsten Autobahnbrücke, unter der ich durchgehe, bin ich bereits in Lintorf. Und hier ist ein wirklich wie Ruhrpott anmutendes Gewerbegebiet mit zahlreichen Betrieben in zum Teil schönen alten Gebäuden. Wie bei Fürstenberg, wo auch die Bushaltestelle ist, bei der ich jetzt stoppe, weil da bald ein Bus der Linie 16 kommt.

Im Internet finde ich nichts zu Lintorf, Fürstenberg. Dabei ist das ein wunderbares altes Jugendstilensemble aus roten Backsteinbauten mit hohem überragenden Schornstein auch aus diesen roten Backsteinen gemauert. Mich erinnert das etwas an Zechengebäude im Ruhrgebiet. Ich meine, gelesen zu haben, daß hier ein metallverarbeitender Betrieb arbeitete. Jetzt ist aber Nichts mehr von so einer Firma übrig und die wunderbar restaurierten alten Gebäude werden von einem Weinhandel, einer Gesundheitsfirma und zahlreichen weiteren Betrieben neu genutzt.

Schachtanlage Friedrichsglück

Natürlich weiß ich nicht, wie das hier früher mal aussah, aber es macht den Eindruck, als ob alle diese schönen und sicher denkmalgeschützten Gebäude sämtlich erhalten blieben. Das ist aber direkt mal vorbildlich. Drumherum sind weitere moderne Firmen und ein Stück weiter die Straße hinunter erstreckt sich links das Gelände von der Gerüste bauenden Firma Thyssen-Hünnebeck, wo einstmals die Schachtanlage Friedrichsglück der Lintorfer Erzzechen arbeitete. Das einzige dort von der immerhin bereits vor über 100 Jahren geschlossenen Erzzeche erhalten gebliebene Gebäude sieht man aber hier vom Breitscheider Weg aus nicht.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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