Gartenstadt Margarethenhöhe in Essen

Tor mit Arkaden vor der Margarethenhöhe
Tor mit Arkaden vor der Margarethenhöhe

Im Volksmund wird die Margarethenhöhe wenig respektvoll „Maggihöhe“ genannt. Aber natürlich ist jedes einzelne dieser wilhelminischen Häuser mit seinen Erkern, Balkonen, Arkaden, Fensterläden… einzigartig. Also jedes Haus ist eine architektonische Besonderheit. Im 2ten Weltkrieg wurde dieses Ensemble zu großen Teilen zerstört. Die Margarethenhöhe war ja unweit der Kruppstadt gelegen. Von den Alliierten wurde sie ebenso stark angegriffen wie die Gußstahlfabrik. Inzwischen ist die einstige Arbeitersiedlung der Krupparbeiter denkmalgeschützt. In den 50er Jahren wurde die Margarethenhöhe aber wieder vollkommen aufgebaut und restauriert.

Einzelne dieser Häuser mit ihren so vielfältigen Formen gefallen mir ja. Und die hübschen Gärten und Vorgärten sind auch überaus reizvoll. Aber die üppige Vielfalt all dieser Beschaulichkeit hat auch etwas Erdrückendes. Straßen und Gassen heißen „Sonnenblick“, „Winkelstraße“ oder gar „Trautes Heim“.  In Fenstern und Vorgärten sind Engelsfiguren, Putten und dergleichen plaziert. Ich habe eigentlich nichts gegen Kitsch. Aber das hier ist mir schon viel zu viel Kitsch.

Am kleinen Markt in der Siedlung Margarethenhöhe

Und ich will ja wirklich nicht meckern. Der kleine Platz kurz hinter der Straßenbahnhaltestelle der U17 an der Laubestraße ist gerade auch sehr belebt. Weil viele Leute zu dem Bäckerladen in der Ladenzeile streben. Oder sie kommen mit vollen Brötchentüten aus dem Geschäft heraus. Der kleine Marktplatz der Siedlung findet ja gerade heute am Samstag statt. Und mit seinen vielen kleinen Marktständen wirkt er sehr geschäftig. Das hat sogar etwas mediterranes Flair. Aber der Eindruck, dass hier auch die Zeit irgendwann in der Kaiserzeit stehengeblieben ist, bleibt einfach. Es fehlte fast nur noch, dass hier uniformierte Beamte mit wilhelminischen Pickelhauben nach dem Rechten sehen.

Die Margarethenhöhe ist eine typische Kruppsche Arbeitersiedlung

Aber ich muss ja hier auch nicht wohnen. Ich bin hier nur noch einmal hingefahren, weil so eine typische Arbeitersiedlung zur Kruppschen Familiengeschichte einfach dazu gehört. Es gibt zahlreiche weitere derartige Kruppsche Arbeitersiedlungen in Essen. Aber auch in Mülheim oder in Duisburg gibt es das. In Mülheim ist es die Siedlung Heimaterde und in Essen gibt es noch die Siedlung Altenhof. Aber die Margarethenhöhe ist einfach die bekannteste Kruppsiedlung. Und wenn man es pragmatisch sieht, ist es auch die schönste dieser Arbeitersiedlungen.

Mir allerdings reicht es jetzt hier. Am Eingang zur Siedlung sind auch ein paar Informationen, aus denen ich herauslesen kann, dass die Margarethenhöhe ganz bewusst wie eine Kleinstadt angelegt wurde. Genauso kam mir das hier auch vor. Ich habe mich zum Teil gar nicht getraut, Fotos zu machen. Weil ich fühlte mich beobachtet. Vermutlich wäre es auch gar nicht passend zu meinem Geldbeutel, hier zu wohnen. Während früher die einfachen Arbeiter in diesen Siedlungen wohnten, ist die Margarethenhöhe hier im wohlhabenden Essener Süden inzwischen eine Wohngegend der betuchteren Menschen.

Krupp ist nach wie vor in der Stadt Essen allgegenwärtig.

 

Zu Fuß gehe ich nun in die Stadt zurück. Denn das waren nur 6 Stationen, die ich mit der U-/Straßenbahn U17 ab dem Essen HBF hierhin fuhr. Das gehe ich jetzt gerne zu Fuß zurück. Da gehe ich durch den auf mich vergleichsweise angenehm anonym und großstädtisch  wirkenden Stadtbezirk Holsterhausen. Am Bismarckplatz steht dann vor einem Bankgebäude eine lebensgroße patinagrüne Bronzeskulptur von Bismarck. Und eine der bebilderten Stahlplatten unter diesem Denkmal zeigt auch eine Abbildung des alten Alfred Krupp.

Durch die Kruppstraße komme ich nun zum Bahnhof vorbei an einem Hochhaus von ThyssenKrupp. Nach wie vor oder wieder ist Krupp in der Stadt Essen allgegenwärtig.

Einfach auf eins der kleinen Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

2 KOMMENTARE

  1. Hi Moro,
    Faszinierend sind die Krupps trotz allem, was sie angerichtet hatten mit ihrer Waffenproduktion… Wo viel Schatten ist, ist halt auch viel Licht und umgekehrt. Nach dem Mittagessen will ich noch zur Villa Hügel fahren. Dann hab ich die Krupps mal wieder durch.
    schöne Grüße in die Hauptstadt
    Ernst

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