Gedenkstätte an die Tragödie der Loveparade in Duisburg

Die Tragödie der Loveparade wird endgültig zum Trauma für die Stadt Duisburg. 3 Jahre später ist noch immer nicht Anklage gegen Schuldverdächtige erhoben worden. Ein Prozeß ist erst recht nicht in Sicht. Zum Leidwesen der Angehörigen der Opfer scheint die Schuldfrage im Sand zu verlaufen.

Jetzt fahren wieder ganz normal Fahrzeuge durch die Tunnel in der Karl-Lehr-Straße. Und auf mich wirkt dieser Ort noch kleiner als vor 2 Jahren, wo ich mich zum 1jährigen Gedenken an die Tragödie hier schon einmal umgeguckt habe. Einiges ist auch verändert. Die Rampe hinauf zum ehemaligen Güterbahnhofsgelände, wo das Unglück vor 3 Jahren passierte, ist verkleinert worden. Und einer der Tunnel wurde dafür verlängert.

Das Unglück bei der Loveparade

Die Unglücksstelle ist aber weitgehend so erhalten geblieben. Es war geplant, dass die Berliner Möbelhausfirma, die ganze Rampe für ihren Neubau erhält. Damit wäre der nach wievor offenbar viel besuchte, mit Blumen, Bildern, Stofftieren, bemalten Steinen, unzähligen weiteren Gegenständen geschmückte Todesort von 21 Jugendlichen nicht mehr als Ort zum Gedenken aufrecht zu erhalten gewesen. Zum Glück haben die Angehörigen der Opfer immerhin doch noch diesen Platz zum Trauern von der Stadt bekommen. Dieser Ort ist ja gar nicht zu vergleichen mit der offiziellen Gedenkstätte. Das hat die Stadt ein paar hundert Meter von hier in einem kleinen Park hinter den Tunnels errichtet.

Auch dieser Ort ist eindrucksvoll mit dem stählernen rostenden Kunstwerk mit 21 fallenden Stäben, wobei natürlich jeder Stab für ein Todesopfer steht. Auch dieses angemessen würdige Kunstwerk ist mit Blumen, Grablichtern geschmückt.

Die Massenveranstaltung Loveparade.

Aber natürlich ist direkt da, wo die Jugendlichen zu Tode kamen und wo spontan nach dem Unglück ein Ort des Gedenkens entstand und bis jetzt erhalten blieb, der wahre Gedenkort und seit kurzem ist das auch offiziell von der Stadt Duisburg so anerkannt worden. Das ist vielleicht ein kleiner Trost für die Angehörigen der Opfer, die ja nachwievor es nicht erleben durften, dass Anklagen gegen Schuldverdächtige an der Katastrophe erhoben wurden. Ein Prozess gegen städtische Beamte und/oder den Veranstalter und/oder die Polizei ist nicht in Sicht. Die Schuldfrage scheint im Sand zu versickern. Das schlimmste Trauma der Stadt Duisburg wird wohl nicht aufgeklärt werden können.

Dabei sieht doch eigentlich jeder Laie, dass hier einfach nicht der Ort war, um eine Massenveranstaltung für mehrere hunderttausend junge Leute auszurichten. Heute morgen an einem Samstag, wo noch nicht viel los ist, wirken die Tunnel nur etwas düster und ungemütlich, aber natürlich nicht bedrohlich. Aber wenn ich mir vorstelle, dass hier viele Menschen in den engen Tunneln sind, wird es mir sehr unheimlich. Die Tunnel sehen auch alle ähnlich aus und man kommt von einer der Rampen dazwischen auf Eisenbahngelände; von einer anderen Rampe an die Stadtautobahn. Schon alleine das scheint mir nicht ungefährlich zu sein, wenn man zu entscheiden hat, ob an so einem Ort eine Massenveranstaltung für Jugendliche zu genehmigen ist.

Die Tragödie

Am Tag der Tragödie waren auch wir zu einem Familienausflug im Ruhrgebiet. Wir wussten ja, dass zu dieser Massenveranstaltung Loveparade viele, viele Menschen kommen werden. Und so waren wir in ein ganz anderes Gebiet der Metropole Ruhr, die im Jahr 2010 ja Kulturhauptstadt Europas war, gefahren, um den Menschenmassen aus dem Weg zu gehen. Und wir waren etwas überrascht, dass wir in Hagen am Hauptbahnhof doch viele der gerade zur Loveparade fahrenden Jugendlichen trafen. Die stiegen sogar alle mit uns in den Zug, den wir allerdings in Witten schon wieder verliessen. Die Jugendlichen fuhren mit diesem Zug weiter bis nach Duisburg.

1karllehrstr
Schon der Eingangsbereich der Karl-Lehr-Straße wirkt durch das Blätterdach der Platanen wie ein Tunnel. Foto anklicken
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Blick vom Autobahntunnel durch die anderen Tunnels. Foto anklicken
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Die übernächste Rampe ist der Unglücksort. Foto anklicken
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Es sieht hier fast so aus wie einen Tag nach dem Unglück. Foto anklicken
Gedenkstätte an die Tragödie der Loveparade in Duisburg
Links ist der Tunnel inzwischen verlängert; die Gedenktafel war früher unten an der Mauer angebracht. Foto anklicken
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Der längste Tunnel ist durchgehend mit diesen lebensgroßen schemenhaften Figuren bemalt. Foto anklicken
Gedenkstätte an die Tragödie der Loveparade in Duisburg
Offizielle Gedenkstätte  Foto anklicken
Gedenkstätte an die Tragödie der Loveparade in Duisburg
Fussgänger im Tunnel Foto anklicken
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Die meisten vorbeifahrenden gucken auf die Gedenkstätte; manche bleiben stehen. Foto anklicken
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Gesamtanblick der jetzt anerkannten Gedenkstätte Foto anklicken

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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