Geistersiedlung Schlägel und Eisen in Gladbeck

Das sieht romantisch aus, aber die Wurzeln zerstören die Bausubstanz.
Das sieht romantisch aus, aber die Wurzeln zerstören die Bausubstanz.

Den gruseligsten Ort des Ruhrgebiets verspricht mir für meinen heutigen Ausflug die WAZ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung). Mehrere Zeitungsartikel behandeln die verlassene und verfallende Zechensiedlung Schlägel und Eisen in Gladbeck-Zweckel.

Am Bahnhof Gladbeck-West hört immerhin der Regen von heute morgen auf. Eigentlich ist das trübe, feuchtschwüle Wetter so ganz und gar nicht ein ideales Fotografierwetter. Aber vielleicht passt das ja doch gerade zum angeblich gruseligsten Ort des Ruhrgebiets. Den will ich mir jetzt angucken.

Der Fussweg vom Bahnhof zieht sich. Über die Konrad-Adenauer-Allee und die Feldhauser Straße vorbei am Gladbecker Nordpark mit Sportplätzen und einem See gehe ich nordwärts in den Gladbecker Ortsteil Zweckel. Dort stelle ich fest, dass es ja auch einen Bahnhof Gladbeck-Zweckel gibt, bis zu dem ich hätte mitfahren können. Von diesem Bahnhof ist es dann nur noch ein kurzes Stück zu gehen. Dann habe ich die von der Feldhauser Straße abgehende Bohnekampstraße erreicht.

Geistersiedlung Schlägel und Eisen in Gladbeck

Hier auf der Bohnekampstraße befinden sich auf der rechten Seite bewohnte hübsche Häuser und es parken Autos auf der Straße. Auf der linken Strassenseite ist bereits die Geistersiedlung. Ein Zeitungsbericht von Mai 2014 in der WAZ spricht davon, dass jetzt durch die Renovierungsabsicht der Eigentümer neue Hoffnung für diese eigentlich ja stilvolle und unbedingt erhaltenswerte Siedlung geschöpft werden kann. Aber eigentlich sind hier nur ein paar Informationstafeln direkt am Beginn der so beklagenswert, verfallend aussehenden Siedlung und im weiteren Verlauf an einigen der baufälligen Häuser.

Ansonsten sehe ich hier nur eine wunderbare alte Zechensiedlung, die fast schon hoffnungslos verfallen ist. Gruselig wirkt das nicht auf mich, eher traurig. Und eigentlich entdecke ich auch keinerlei Anzeichen, dass die Besitzer dieses architektonischen Kleinodes das Viertel wirklich aus seinem Dornröschenschlummer herausholen werden, wie sie das auf dem Plakat  ja so vollmundig ankündigen. Da hätte ja schon mal mit den allernötigsten Erhaltungsmassnahmen der verfallenden Bausubstanz begonnen werden können. Ein interessantes Plakat aufzustellen bedeutet ja erstmal noch gar nichts.

Aber wo ich hier auch hingucke, ist nur Verfall zu sehen und überall liegt Müll herum, den verantwortungslose Menschen, wo seit vielen Jahren niemand mehr wohnt, hier einfach ablagern. Zahlreiche Gebäudeteile wirken schon so baufällig, dass sie wohl kaum noch restauriert werden können. Selbst wenn der gute Wille (und sicher auch eine Menge Geld) dazu da wäre. Auf Dächern und Mauern wachsen Bäume und Sträucher und machen mit ihren Wurzeln die Bausubstanz weiter kaputt, auch wenn das romantisch aussieht.

„Schlägel und Eisen“ war vermutlich die Zechensiedlung der Gladbecker Zeche Zweckel.

Ganz klar ist mir nicht, von welcher Zeche diese Siedlung eigentlich war. Der Name „Schlägel und Eisen “ bezeichnet ja das Bergbausymbol der gekreuzten Hämmer. Schlägel und Eisen hieß aber auch eine große Steinkohlenzeche in Herten. Allerdings ist Herten von Gladbeck noch ein Stück entfernt, so daß ich vermute, dass diese Zechensiedlung wohl eher für die Bergleute der Gladbecker Zeche Zweckel gebaut war, nach der ja auch der Gladbecker Stadtteil benannt ist.

Zurück fahre ich natürlich ab dem viel näheren Bahnhof Gladbeck-Zweckel und habe sogar Glück, dass ich auf einen Regionalzug nach Essen über Bottrop nicht lange warten muss. Dort am Essener Hauptbahnhof fällt allerdings mal wieder ersatzlos die S-Bahnlinie 6 nach Köln-Nippes aus.? Das ist die einzige Direktverbindung von Essen nach Ratingen. Aber nochmal habe ich heute Glück. Die feuerrothaarige Zugbegleiterin eines ICE in die Landeshauptstadt lässt mich ausnahmsweise, wie sie sagt, ohne Zusatzkosten bis zum Düsseldorfer Flughafenbahnhof mitfahren.

Hier ist ein Link auf einen Zeitungsartikel über die Gladbecker Geistersiedlung in der WAZ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung).

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

10 KOMMENTARE

  1. Hallo, Da ich selber meine Kindheit in Gladbeck Zweckel verbracht habe kann ich nur bestätigen das sich nicht um eine Geistersiedlung handelt. Meine Freunde haben dort früher einmal gelebt. Leider waren die Wohnungen dort schimmelig und die Genossenschaft hat dort nichts gemacht. Dort wohnten nicht die reiche Bevölkerung sondern ganz normale Menschen. Ich habe dort häufig gezeltet mit meinen Freunden die dort wohnten und ich empfand es sehr amüsant. Leider gab es aber auch ein Haus was mir auch angst machte. Dort lebte ein älterer Mann mit Sohn und zwei Hunden. Der eine Hund hatte nachts schreckliche Angst und jaulte erzählte mir meine Schwester die dort mit den Sohn zusammen war. Sie hörte dort auch lautes poltern von oben obwohl dort niemand wohnte. Sie spürte einen kalten windzug und verließ die Wohnung. Vielleicht war es nur Einbildung oder doch mehr. Ich weiß es nicht ansonsten finde ich es nur schade wie die Verwahrlosung von statten geht.

    • Hallo ehemalige Zwecklerin,

      Schimmelbefall in Wohnräumen geht ja gar nicht. Wir hatten das mal (in einfachen 50er-Jahre-Wohnbauten) und bekamen davon Asthma, Bronchitis und Nebenhöhlenentzündungen. Wir mussten umziehen und die Siedlung wurde abgerissen. Das musste so sein. Aber dafür ist die Siedlung Schlägel und Eisen viel zu schade. Das sind eigentlich so schöne Häuser. Offenbar ist nicht genug Geld da für die Sanierung wie in den neuen Bundesländern, wo es beim Mauerfall auch vielerorts so aussah und Vieles inzwischen saniert wurde. Auch für die Nachbarn in der Bohnekampstraße z.B. stelle ich mir das gruselig vor, da zu wohnen mit dem Anblick der Ruinen.

  2. Hallo „Ehemalige Zwecklerin“,

    ob es nun tatsächlich außergewöhnliche Erscheinungen gibt, können wir als Redaktion in Berlin nicht feststellen :-). Wir werden aber Ernst Käbisch (der Autor) bitten, ob er dem Ganzen mal auf den Grund gehen kann. Wir sind auch gespannt.

    Viele Grüße aus Berlin

  3. Hallo lieber Verfasser dieser schoen gruseligen Geschichtenstunde.
    Ich musste jetzt mal einfach ein Wort einlegen,da ich in zweckel aufgewachsen bin und auch seit letztem Jahr September wieder dort wohne schräg gegenüber des Torbogens.
    An dieser Siedlung ist wohl das einzig gruselige,was sich dort in der Nacht bzw den späten abendstunden fuer Menschen aufhalten. Gestalten sieht man da…. 3 Promille intus und total neben der Spur.
    Aber ansonsten ist dort absolut nichts zum fürchten. Ich fahre dort sehr oft nach der Arbeit durch mit dem Fahrrad und gehe dort gerne spazieren. Als Kinder waren wir dort sehr oft spielen spielen,genauso wie auf dem dahinterliegenden Spielplatz bei den SchreberGärten.
    Dazu muss man auch sagen dass mein Vater immer erzählt,dass er früher selbst in diesen haeusern gelebt hat und mir die Gegend beschrieben. Muss eine sehr hübsche wohnlandschaft gewesen sein.
    An diesem Punkt angekommen bleibt nurnoch zu sagen… Kein gruseliger Ort,keine Geister oder sonst was fuer dinge die komisch erscheinen (und seien wir mal ehrlich… nur weil eine solche Siedlung eine scheinbar schwere Vergangenheit hat,braucht man nicht direkt dran zu glauben,dass dort irgendwelche mysteriösen dinge geschehen,nur weil dort dem ein oder anderen ein leichter Schauer über den ruecken wandert,bei betreten)!! Und zum wichtigsten Thema! Die Bauarbeiten haben vor einigen Monaten schon angefangen. In den ersten haeuserreihen sind schon hübsche Fenster drin usw. Es geht voran. In diesem Sinne verabschiede ich mich und verbleibe mit gruessen.

    • Hallo Melanie F.

      Das freut mich aber, so eine aktuelle und engagierte Beschreibung dieser schönen Siedlung (die ich nur bei diesem einen Besuch einmal gesehen habe) von Ihnen zu lesen. Besonders gut finde ich ja, daß jetzt offenbar endlich etwas gegen den Leerstand und den Verfall der Bauten getan wird. Das ist schön, weil dieser Ort doch spannend und unbedingt erhaltenswert ist. So war jedenfalls mein Eindruck, wo ich ich ihn das eine Mal gesehen habe. Gruselig fand ich da eigentlich auch nichts, so wie es mir ein Zeitungsbericht in der WAZ vorher erzählte. Ich fand es nur so schade, daß diese eigentlich wunderbare Siedlung so unbewohnt und daher verwahrlost wirkte.
      Wenn dann erstmal wieder Menschen in den Häusern wohnen, werden auch sicher diese von ihnen beschriebenen zweifelhaften Gestalten wieder aus der Siedlung verschwinden.

      Viele Grüße nach Gladbeck
      Ernst Käbisch

  4. Hallo Melanie F.

    schönen Dank für den Kommentar. Leider können wir uns gar nicht sinnvoll dazu äußern, da dieser Artikel von dem freien Autor Ernst Käbisch verfasst wurde. Wir werden auf jeden Fall Ihren Kommentar an ihn weiterleiten.

    Viele Grüße aus Berlin

  5. Kennt einer von euch vlcht die familie junkndie da vor jahren gewohnt haben .. Eine frau und ihr man namens. Cihan und petra ihre tochter Janice“puppa“ und der sohn vedat .. Würde mir sehr weiterhelfen ..

    • Auch wenn über diese Regionen geschrieben wird, gibt es selten direkten Kontakt zu den Anwohnern. Von daher sind uns auch diese angefragten Namen nicht bekannt.

      Viele Grüße, die gesunex Redaktion

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