Gelsenkirchen – die ehemalige „Stadt der 1000 Feuer“

bemalte Landmarke "Himmelstreppe" auf der Halde Rheinelbebemalte Landmarke "Himmelstreppe" auf der Halde Rheinelbe
von Ernst Käbisch

Früher wurde Gelsenkirchen die „Stadt der 1000 Feuer“ genannt wurde. Das ist noch nicht lange her. Inzwischen fördern hier keine Zechen mehr Steinkohle. Die Stadt ist durch Fussball / den FC Schalke 04 bekannt.  Inzwischen arbeiten die Menschen  zumeist im Dienstleistungsgewerbe, in Banken und Versicherungen. Von damals aus der Zeit der Steinkohleförderung  gibt es aber noch 2 „brennende Halden“. Und bekannt ist auch die Halde Rheinelbe. Kaum jemand weiss aber, dass die Halde brennt.

Tabuthema „Brennende Halden“

Also das ist ein Tabuthema auch für die RAG Steinkohle. Die beiden noch im Revier aktiven Zechen verwaltet sie ja. Und über 300 im Ruhrgebiet geschlossene Bergwerken überwacht sie. Eine ihrer Aufgaben ist auch, eine sinnvolle Nachfolgenutzung zu erreichen. Alleine in Gelsenkirchen sind es 2 Kohlehalden, wo es im Inneren brennt. Die wurden unsachgemäß mit taubem aber kohlehaltigen Gestein geschichtet. So ist das die Halde Rungenberg in Gelsenkirchen-Buer. Dann ist es auch die Halde Rheinelbe. Die liegt an der Grenze zu Bochum und Essen im Süden der Stadt.

Geothermische Nutzung scheint möglich

Bei Berghalden aus dem Steinkohlebergbau beträgt der Anteil der Restkohle bis zu 20 %. Diese Restkohle kann sich durch unsachgemäße Schichtung selber entzünden. Besonders bei älteren Halden wurden können diese Brände entstehen. So eine alte Halde ist die Halde Rheinelbe. Denn diese Halden wurden als Tafelberg mit einem Spitzkegel aufgeschüttet. So ein Haldenbrand kann über 100 Jahre andauern. Und praktisch ist der Brand nicht zu löschen. Es können Temperaturen von bis zu 500 Grad Celsius erreicht werden. Bei der Halde Rheinelbe wurden Temperaturen von 400 Grad gemessen. Möglich erscheint Fachleuten eine geothermische Nutzung der Brände. Das wird derzeit in einem Pilotprojekt getestet.

Wissenschaftspark Gelsenkirchen

Daß hier bei Rheinelbe etwas nicht in Ordnung ist, glaubt man als Laie eigentlich nicht. Ein grosser Park beginnt schon kurz hinter dem Gelsenkirchen HBF. Und der heisst „Wissenschaftspark Gelsenkirchen“. Zentral im Park ist ein futuristisch wirkendes Gebäude. Das scheint fast nur aus Solarzellen zu bestehen. Die alten Zechengebäude der ehemaligen Zeche Rheinelbe sind inzwischen sinnvoll neugenutzt. In einigen der schönen massiven Gebäuden aus roten Backsteinen sind Künstlerateliers. Weiter sind bis zum bewaldeten Fuss der Halde Rheinelbe in alten Zechengebäuden wissenschaftliche Unternehmen untergebracht. Da fühlt man sich dann doch sicher. Schwer zu galuben, dass die Halde Rheinelbe doch eine von mindestens 7 brennenden Halden im Ruhrgebiet ist.

Naherholungsgebiet Rheinelbe

Jedenfalls bin ich durch den Wissenschaftspark doch sehr beruhigt. Jedenfalls scheint man den Brand in der Halde unter Kontrolle zu haben. Immerhin scheint man als Besucher von Rheinelbe nicht in Gefahr zu sein. Denn dieses Viertel der Stadt wirkt wie ein ganz normales städtisches Naherholungsgebiet. So ist ein umfangreiches Wegenetz angelegt. Und viele Mountainbikefahrer, Jogger, Hundebesitzer und Familien mit Kindern nutzen wie ich an einem Sonntagmorgen diesen so angenehm wirkenden Ort. Sie kommen hierhin, um sich zu bewegen und zu erholen.

Panoramablick von der Halde Rheinelbe

Es gibt hier sogar eine Forststation. Die Bäume am Fuss der Halde sind schon einige Jahrzehnte alt. Und sie sind schon recht hoch gewachsen. Fast habe ich den Eindruck eines natürlich gewachsenen Waldes. Und vom Haldengipfel, hat man einen grossartigen Panoramablick. Wie bei den meisten anderen Halden im Ruhrgebiet ist der fast völlig ohne Vegetation. Zum Greifen nah sehe ich das Lohrheidestadion in Bochum-Wattenscheid. Und daneben ist der Förderturm der ehemaligen Zeche Holland. Weit hinein nach Essen, Herten, Recklinghausen, Bottrop, Oberhausen… kann man von der Halde Rheinelbe aus gucken.

Anfahrt zur Halde Rheinelbe mit dem ÖPNV:

Dazu muss man am Gelsenkirchen HBF den Hinterausgang zur Bochumer Straße benutzen. Dann geht man diese Straße ganz durch. Und so ist man schon im „Wissenschaftspark Gelsenkirchen“ am Fuss der Halde Rheinelbe. Ca. 15 Minuten Fussweg sind das.

Gelsenkirchen – die ehemalige "Stadt der 1000 Feuer"
spärliche Vegetation auf dem Haldengipfel Foto anklicken

 

Gelsenkirchen – die ehemalige "Stadt der 1000 Feuer"
Panoramablick auf Gelsenkirchen und weit ins nördliche Revier hinein Foto anklicken

 

Gelsenkirchen – die ehemalige "Stadt der 1000 Feuer"
Bochum-Wattenscheid mit rechts dem Förderturm der ehemaligen Zeche Holland; daneben ist ein Flutlichmast des Lohrheidestadions Foto anklicken

 Text/Fotos: Ernst Käbisch

2 KOMMENTARE

  1. Hi Ernst,

    Du schaffst es, mit Deinen Artikeln ein richtiges Interesse am Pott auszulösen. War zwar noch nie da, – müßte eigentlich mal geändert werden. Und angeblich gibt´s hier auch die beste Curry 🙂

    Grüße aus Berlin,
    Moro

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