Gladbeck – Dornröschen wurde wachgeküsst!

Nicht mehr typisches Bild - Dornröschen wurde wachgeküsst.
Nicht mehr typisches Bild - Dornröschen wurde wachgeküsst.
von Ernst Käbisch

Tatsächlich tut sich etwas in der ehemaligen Zechensiedlung Schlägel und Eisen in Gladbeck. So scheint es. Dann kann man dieses Viertel jetzt nicht mehr eine Geistersiedlung nennen. Und schon gar nicht ist es noch der gruseligste Ort des Ruhrgebiets. Weil die ersten Gebäude werden gut sichtbar an neuen Fenstern und Dächern bereits grundlegend saniert.

Dann an meinem ausnahmsweise mal arbeitsfreien Wochenende kann ich ja auch mal wieder in die gruselige Geistersiedlung Schlägel und Eisen in Gladbeck fahren. So fällt es mir spontan ein. Und so fahre ich ab dem Essen Hauptbahnhof mit dem Regionalzug Richtung Borken bis zur Station Gladbeck Zweckel mit. Und ab hier ist es nur ein relativ kurzer Fußweg bis zu der ehemaligen Wohnsiedlung der Bergarbeiter von Zeche Zweckel. Dann vielleicht noch einen Kilometer habe ich nun die Feldhauser Straße in Richtung Feldhausen entlang bis zur Bohnekampstraße zu gehen.

 „Dornröschen war ein schönes Kind…

Und aber was ist das? Denn am Eingang zu der alten und so bemitleidenswert verfallenen Siedlung an der Bohnekampstraße Ecke Schlägelstraße sind Baustellenschilder aufgestellt mit unter anderem dem Text: „Dornröschen ist endlich wachgeküsst.“ Also beim letzten Besuch von mir im September 2014 standen hier noch Plakate mit dem Text: „Dornröschen war ein schönes Kind… Wir erwecken es aus dem Schlaf.“ Und in die Eingangshäuser zur Siedlung an der Bohnekampstraße und der Schlägelstraße sind neue Fenster eingebaut. Dann hatte also die Kommentatorin, die so freundlich zu meinem Text auf gesunex.de „Geistersiedlung Schlägel und Eisen in Gladbeck“ geschrieben hatte, daß es tatsächlich berechtigte Hoffnung für die Geistersiedlung gibt, ganz recht. Außerdem wären in einige Häuser bereits neue Fenster eingebaut worden Und das finde ich ja richtig gut. Denn nicht nur neue Fenster sind in die stilvollen Gebäude eingebaut. Dann auch die Dächer der Häuser werden offenbar gleichzeitig von Grund auf saniert.

 Dornröschen scheint aufgewacht zu sein

Und an vielen der Häuser sind Baustellenzäune aufgebaut. So sind scheinbar auch einige der völlig maroden Gebäude, die nun wirklich keine Chance mehr auf Restaurierung hatten, abgerissen worden. Und es scheint mir auch in der ganzen Siedlung viel weniger Müll herumzuliegen als das einzige Mal vor 13 Monaten, wo ich mal hier zu Besuch war. Weil ich hatte diese Zeitungsberichte zu der vermeintlichen Geistersiedlung in der WAZ gelesen. Dann tut sich ja wirklich offenbar etwas in dieser eigentlich so wunderbar stilvollen ehemaligen Zechensiedlung.

Und aber wo ich so um das Viertel herumgehe, ist doch wie beim letzten Mal zu sehen, daß es auch bitter nötig ist, daß hier mal jemand von Grund auf tatkräftig anpackt. Denn einige der skurrilsten Ecken der Siedlung erkenne ich wieder etwa da, wo inzwischen mannshohe Bäume und Sträucher auf Dächern gewachsen sind. Schon eventuell kann man ja sogar solche Gebäude noch retten und sie von Grund auf sanieren. Denn die Bausubstanz der Siedlung ist ja eigentlich ganz in Ordnung, vermute ich mal. Und manche der Gebäude wie z.B. das markante Haus mit dem Torbogen über der Eisenstraße sehen wie auch die Nachbargebäude noch recht intakt aus. Jedenfalls dafür, daß die so einen langen Leerstand erleiden mussten.

Viel Arbeit wartet noch auf Dornröschen

Schon abenteuerlich sieht es aber auch aus, wo ich mal in einen völlig verwildert zugewachsenen Hof hineingucke. Dann ist zwar auch die typische Zechensiedlungsbauart mit den kleinen Häusern fürs Vieh zu bewundern. Und die sind ebenso stilvoll gebaut wie die Häuser für die Menschen. Und aber auch da ist vieles arg marode. So liegt noch eine riesige Menge an Arbeit vor den Investoren. Und ob Dornröschen wach ist, steht nicht fest. Weiter abenteuerlich ist auch der flüchtige Blick in eins der Häuser hinein. Schon wächst Efeu innen in den Häusern. Und vieles ist von Graffitis besprüht. Außerdem wirkt vieles zerstört.

Schon ist der Anfang ja gemacht. Und heute am Sonntagvormittag bin ich nicht der einzige neugierige Besucher in dieser nicht-mehr-Geistersiedlung. Denn ein paar Kinder spielen zwischen den Häusern. Und ein Mann führt seinen Hund aus. Und wir grüßen uns. So wirkt das ganz normal hier. Schon werden auch die Nachbarn sicher sehr froh sein, daß hier endlich etwas passiert.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text / Fotos: Ernst Käbisch

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