Grube SCHMALGRAF in Kelmis / La Calamine in Belgien

Blick in einen Stollen der Grube SCHMALGRAF
Blick in einen Stollen der Grube SCHMALGRAF

von Ernst Käbisch

So wie im Aachener Städterevier und im niederländischen Südlimburg wurde auch in Ostbelgien Bergbau betrieben. Es war in Kelmis / La Calamine und Plombières am Dreiländereck Galmeierz, also Blei und Zink, was hauptsächlich gefördert wurde. Außerdem gab es Steinkohlebergwerke im Raum Lüttich und in belgisch-Limburg z.B. in Genk, Hasselt und Beringen.

„Bonjour“, sagt der Schaffner mit der ungewohnten Uniform in dem Regionalzug von Aachen nach Spa. Also klar ist natürlich, dass in Wallonien die Amtssprache französisch ist. Obwohl hier in Ostbelgien die kleine deutschsprachige Gemeinschaft des Landes lebt.

Nach Hergenrath ist ja schon mal gut, sagt der Schaffner nach einem Blick auf meine Fahrkarte. Und nun will er noch Geld. Wofür denn? So reden wir ein wenig aneinander vorbei und da hätte ich beinahe verpasst, nach nur ein paar Minuten Fahrt an der Station „Hergenrath“ auszusteigen. Dann ist es ja doch richtig, sagt der Schaffner noch. Und er hätte gedacht, ich fahre noch weiter.

Die Grube SCHMALGRAF in 3 Sprachen

Hergenrath ist ein Ortsteil der kleinen ostbelgischen Gemeinde Kelmis oder La Calamine. Alles hier in der Region hat mindestens zwei Namen, nämlich den französischen und den deutschen. Und meistens wird auch der niederländische Name genannt, weil ja die Hälfte von Belgien niederländischsprachig ist. Auf jeden Fall muss auf Infotafeln z.B. stehen: „La Mine de SCHMALGRAF“ und „De mijn van SCHMALGRAF“. Außerdem ist in Ostbelgien der deutsche Name genannt, weil in Kelmis und in 8 anderen kleinen Orten hauptsächlich deutsch gesprochen wird. Also bei dem Beispiel heisst es dann auch „Die Grube SCHMALGRAF“. Und ganz oft ist sogar noch der englische Name dazu genannt.

Dabei ist diese übermässige Beschilderung nicht immer sinnvoll und erleichtert nicht immer das Leben. Und besonders das Deutsche wirkt hier etwas altertümlich und manchmal fast grotesk und kaum verständlich. Denn was soll z.B. heißen: „Ausser Ausbeutung des Weihers.“? So kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, was gemeint sein soll. Denn ein Schild  mit dieser Aussage steht natürlich zweisprachig am Casinoweiher, welcher ein Relikt von dem Jahrhunderte in Kelmis betriebenen Bergbau ist. Wahrscheinlich ist ja das Angeln damit gemeint und dass das nicht erlaubt ist. Obwohl wer angelt auch schon in einem „Bleiweiher“? Denn hier sind Halden blei- bzw. zinkhaltigen Abraums (von dem hier einst geförderten Galmeierz) um den kleinen See herum. Und auf Plakaten wird von der ungewöhnlichen Flora erzählt, die besonders gerne auf dem mit Schwermetall belasteten Boden wächst.

Oskarstollen und Schächte der Grube SCHMALGRAF

Also hier in Ostbelgien besonders in Kelmis und der Nachbarstadt Plombières, die früher Bleyberg hiess und schon im französischen Sprachbereich liegt, arbeiteten noch zum Teil bis in die 70er Jahre des 20ten Jahrhunderts Blei- und Zinkbergwerke. So ist hier auch noch einiges an Spuren der alten Minen oder Gruben auffindbar. Trotzdem ist die Antwort des jungen Manns an der Rochuskapelle auf meine Frage, wo der Oskarstollen ist, wohl typisch. Denn da hätte er noch nie von gehört, sagt er. Also das kenne ich doch von den Bleizechen in Nordrheinwestfalen und zum Teil auch von den schon länger stillgelegten Steinkohlezechen im Ruhrgebiet. Aus den Augen, aus dem Sinn.

Dann aber gelange ich doch noch zu den Resten der Schachtanlagen der Grube Schmalgraf und etwa 500 Meter entfernt und weit unterhalb der ehemaligen Schächte finde ich auch im Hohnbachtal noch das wunderbar restaurierte Stollenmundloch des Oskarstollens. Allerdings ist das eine abenteuerliche Kletterei dahin. Dafür muss ich mir (und das Ende Oktober) dort sogar Schuhe und Strümpfe ausziehen und durch den kleinen Bach auf die andere Seite gehen. Weil nur dort ist ein richtiger Weg. Und an diesem Weg zurück durch dichten Wald in die kleine Stadt Kelmis finde ich sogar noch einen Stollen.

Am Casinoweiher in Kelmis / La Calamine

Und dann gucke ich mich noch ein bisschen an dem wirklich schönen Casinoweiher mit seinen Halden und der ungewöhnlichen Flora um. Denn nach dem Nebel heute früh ist auch die Sonne herausgekommen und die beleuchtet die herbstlich farbig gewordene Natur intensiv.

Dann wäre ein Belgienaufenthalt natürlich nichts ohne belgische Pommes Frites. Und an der Chaussee de Liège, also der Lütticher Straße unweit des Casinoweihers ist ein kleiner Imbiss, wo die schmackhaften Kartoffelscheiben käuflich erwerbbar sind.

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Text/Fotos: Ernst Käbisch

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