Grube Thalburg in Heiligenhaus-Isenbügel

Das alte Bruchsteinhaus ist sicher noch aus der Zeit der Grube.
Das alte Bruchsteinhaus ist sicher noch aus der Zeit der Grube.
von Ernst Käbisch

Die Zeche oder Grube Thalburg scheint noch vergessener zu sein als all die anderen Bergwerke im Kreis Mettmann, etwa die Lintorfer oder die Velberter Erzzechen. Außer der Talburgstraße finde ich auch keine Straßennamen, die irgendwas mit Zeche zu tun haben. Geschweige denn finde ich eine Informationstafel oder irgendein Zechengebäude, was übriggeblieben ist. Aber hier war doch eine Zeche bis 1902 tätig und förderte Blei-, Zink- und Kupfererz?

Mist, das Fahrrad hat einen Platten. Dann fahre ich eben mit Marions Fahrrad. Ohne Gangschaltung ist das aber zumindest den Hölenderweg nach Ratingen-Eggerscheidt hoch eine Schinderei. Nun muss ich noch durch Hösel. Und dann fahre ich im Heiligenhauser Bezirk Unterilp links die Ruhrstraße, eine steil abschüssige, Richtung Kettwig ins Ruhrtal führende Straße hinab.

Zeche Talburg oder Grube Thalburg

Dass die Zeche Talburg oder Grube Thalburg hier an der Ruhrstraße gewesen sein soll, überrascht mich doch mal wieder. Weil hier bin ich schon oft durchgefahren und habe nie etwas davon bemerkt. Aber tatsächlich ist noch vor dem Abzweig der Isenbügeler Straße links das Hotel Talburg. Und die Bushaltestelle heißt auch Talburg – fast wie die Grube. Ich gehe mal ein Stück durch den Wald hinauf zur Talburgstraße. Aber beim besten Willen sehe ich hier nichts, was an eine Grube, die Blei und Zink und Kupfer förderte, erinnert. Zeche sagt man ja nur zu Steinkohlebergwerken. Vielleicht sind ja diese gegen Steinschlag gesicherten Mauerreste aus groben Steinblöcken mit den Gullideckeln davor rechts von mir im Wald fast an der Ruhrstraße Grubenrelikte?

Bis in eine kleine Wohnsiedlung gehe ich den Berg hoch. Auch die Kantstraße finde ich. Aber wo hier der Kalksteinbruch, von dem ich auch gelesen habe, sein soll, sehe ich nicht. Und so gehe ich halt zurück. Dann gucke ich unten im Tal, ob ich vielleicht da noch etwas finde, was von der Grube stammen könnte. Außer so einem riesigen Betonrohr an der Straße, was aber wohl zu der Abwasseranlage hier gehören wird, finde ich nichts. An einem alten Haus an der Kettwiger Straße ist höchstens noch das kleine stilvolle Steinhaus im Garten etwas, was ich von Ruhrgebietszechensiedlungen her gut kenne. Großes Haus für die Menschen, kleines Haus fürs Vieh.

Keine Spur von einer Grube Thalburg?

Einige uralte Bruchsteinhäuser im Tal sind sicher aus der Zeit, wo die Grube aktiv war oder noch älter, aber die können ja auch nichts erzählen. Eigenartig; von diesem Bergwerk erfahre ich tatsächlich eigentlich gar nichts durch meinen Besuch. Nur dass diese wie die Lintorfer Erzzechen 1902 geschlossene Grube Thalburg in einer bemerkenswert idyllischen Landschaft arbeitete, sehe ich. Aber das ist bei Gruben und Zechen ja fast schon die Regel.

Sehr ratlos, weil ich hier weder Grubenreste noch den Weg zum Steinbruch gefunden habe, fahre ich die Ruhrstraße weiter bergab. Bergauf wieder zurück wäre mir jetzt zu gefährlich, weil die schmale Ruhrstraße hier keinen Seitenstreifen hat und ziemlich stark befahren ist.

Esel“ und „Ruhrhöhenweg“

So fahre ich bis nach Essen-Kettwig und von da aus dann den steilen „Esel“ (die Essener Straße in Ratingen-Breitscheid) wieder hinauf. Das ist eine weitere Schinderei (aber sicher auf Seitenstreifen neben der Straße), bis ich den „Ruhrhöhenweg“ erreicht habe, der eigentlich ein sauerländischer Gebirgswanderweg von der Ruhrquelle quer durchs Ruhrgebiet ist. Aber in Ratingen ist der Ruhrhöhenweg ein Stück weit eine ganz normal auch im Stadtplan eingezeichnete kleine Straße.

Auch im Internet ist so gut wie Nichts zu finden zur Zeche Talburg oder Grube Thalburg. Wie in Lintorf, Selbeck und Velbert wurde in Isenbügel Bleiglanz gefunden und gefördert und andere Buntmetalle, und wie in Lintorf gab es auch hier Probleme mit dem Grundwasser. Wie es scheint, sind das Hotel Talburg und die Busstation Talburg sowie die Talburgstraße die einzigen noch greifbaren Zeugnisse einer ehemaligen Bleigrube.

Der Velberter Bergbau und das Berbaurevier Werden

Ich maile Ulrich Lütsch, den gebürtigen Velberter und Buchautor von „Der Velberter Bergbau und das Bergbaurevier Werden“ an und frage ihn um Rat. Er antwortet, dass die Grube Thalburg hieß und ich weit weg von den Schächten war. Die waren viel weiter südöstlich in der Nähe von dem Viadukt. Da ist am Hauptschacht noch eine Infotafel. Mehr nicht. Durch das Viadukt fuhr ich ja auch durch. Jetzt weiß ich, wo ich demnächst noch mal suchen muss und auf Google Maps sehe ich jetzt auch, dass da, wo ungefähr die Schächte sein müssen, eine Grubenstraße existiert. Eine Bleibergstraße gibt es fast in der City sogar auch. Und Herr Lütsch schickt mir ein Foto von einem Kuxschein der Zeche. Es gibt also doch noch ein paar Spuren! Fortsetzung folgt.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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