Grusellabyrinth NRW in Bottrop

Das Grusellabyrinth ist rechts in der eh. Waschkaue.
Das Grusellabyrinth ist rechts in der eh. Waschkaue.

von Ernst Käbisch

Das Grusellabyrinth NRW in Bottrop ist ein guter Kompromiss für einen harmonischen ersten Sommerferienausflug. Tim ist interessiert an so einer gruseligen Show. Und ich kann mir die gelungene Neunutzung der Waschkaue einer stillgelegten Zechenanlage angucken. Der Eintrittspreis ist gewöhnungsbedürftig. Aber man gönnt sich ja sonst Nichts.

Der Eingang zum Grusellabyrinth ist rechts neben dem Werkstor der eindrucksvollen Zechenanlage Prosper II von der Zeche Prosper Haniel in Bottrop. Bei meinem ersten Besuch hier dachte ich noch, dass das noch ein aktiver Teil der Zeche ist. Dabei ist die Schachtanlage um den eindrucksvollen Malakowturm, den ihn überragenden weiteren Förderturm und die mächtige Waschkaue seit 1986 stillgelegt. Einstmals arbeiteten hier 5000 Bergleute.

Allerdings ist nebenan der aktive Förderberg. Immer noch und das bis 2018 kommt die in den aktiven Schachtanlagen Franz Haniel und Prosper V im Norden der Stadt Bottrop geförderte Steinkohle auf Förderbändern von den bis zu 1400 Meter tief angelegten Abbausohlen über Tage im Förderberg an. Auch eigentlich direkt neben der Schachtanlage Prosper II ist die mächtige Kokerei Prosper. Unübersehbar an regelmässig aufsteigenden, dichten weissen Kokswolken ist die Kokerei nachwievor aktiv.  Es gibt im Ruhrgebiet sonst nur noch die 2 aktiven Kokereien der großen Stahlhütten in Duisburg. So wie Duisburg die letzte große Stahlstadt im Ruhrgebiet ist, ist Bottrop die letzte aktive Steinkohlebergbaustadt im Revier.

Die Waschkaue ist das Grusellabyrinth

So stört es mich eigentlich nicht, dass der Eintrittspreis für das seit längerem jetzt schon in der mächtigen und stilvollen Waschkaue befindliche Grusellabyrinth relativ hoch ist. Man gönnt sich ja sonst Nichts und es sind Ferien. Und mir ist es das wert, dass wir beide hier einen guten gemeinsamen Nachmittag praktisch als Beginn der Sommerferien erleben.

100 Minuten dauert das unterhaltsame Programm, durch das wir von einem mehrköpfigen Team geführt werden. Dieses Programm handelt davon, dass eine gewisse Marie Rosenthal traumatisiert durch den Tod ihrer Mutter ist. Gefangen in ihren Tagträumen geistert sie manchmal für uns sichtbar in diesem Grusellabyrinth herum. Nur durch die positive Kraft von uns Besuchern kann sie von ihren Dämonen befreit werden. Das ist eine professionell vorgetragene Show und spannend finde ich dabei, dass das auch interaktiv passiert. Wir Zuschauer müssen also zum Teil die Leiden der Marie Rosenthal durch gruselige Schockerlebnisse im für uns nicht nachvollziehbaren Labyrinth nachempfinden.

Fotografieren ist im Grusellabyrinth nicht möglich

Dieses Labyrinth in den Räumen der einstigen Bergwerkswaschkaue befindet sich zum größten Teil in völlliger Finsternis. Unheimlich klingende Stimmen flüstern uns zu, dass wir eine Polonaise bilden sollen. Wir sollen uns bei unserem Labyrinthdurchgang nicht verlieren. Dabei sollen wir kleine, aber im Stockdustern doch deutlich sichtbare Lichter von kleinen Glaskugeln einsammeln.  Diese Glaskugeln sind an mehreren Stellen im Labyrinth zu finden und sollen zur Befreiung von Marie beitragen helfen.

Eigentlich alle der ca. 20 Besucher werden entweder durch den exzentrisch wirkenden Butler der Villa Rosenthal oder die Wahrsagerin Madam Lyuba durch kleine Aufgabenstellungen in die Show miteinbezogen. Das überzeugt und ist bis ins kleinste Detail richtig gut gemacht. Nur zum Fotografieren komme ich nicht, weil Tim da wie ein Schiesshund drauf aufpasst. Ich soll die Show nicht mit Blitzlicht stören. Er hat ja recht. Die ehemalige Bergwerksatmosphäre hier in dieser einstigen Waschkaue kann ich in der Finsternis eh nicht einfangen. Das ist ja klar. Aber ich bin sehr angetan davon, dass dieses stilvolle Bauwerk (die einstige „Kathedrale“) der Ruhrgebietsindustriekultur durch diese eher ungewöhnliche Neunutzung der Nachwelt erhalten bleibt. Toll ist das. Dieser erste Ferientag hat was.

Der Malakowturm neben dem Grusellabyrinth

Als wir gehen, entdecke ich am Zaun um das Schachtgelände Prosper 2/3/8 (nach den 3 natürlich längst verfüllten Schächten der Zeche) ein Schild. Das weist darauf hin, dass der Malakowturm bzw. Malakoffturm zweimal in der Woche kostenlos besichtigt werden kann. Dann werde ich ja demnächst noch einmal hier hinfahren. Bisher habe ich von den 14 erhalten gebliebenen Malakowtürmen im Ruhrgebiet nur den Malakowturm der Zeche Hannover in Bochum einmal von innen gesehen. Dort in der Zeche Hannover ist jetzt ein Industriemuseum die Garantie für den optimalen Erhalt der Zechengebäude.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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