Halde im Wandel: Die Mottbruchhalde in Gladbeck

Halde im Wandel: Die Mottbruchhalde in Gladbeck
Halde im Wandel: Die Mottbruchhalde in Gladbeck

von Ernst Käbisch

Bei der sich noch in Schüttung befindlichen Mottbruchhalde will man vermeiden, daß wie bei der Nachbarhalde Graf Moltke unsachgemäß aufgeschüttetes Gestein aus der Steinkohleförderung sich selbst entzündet. Und um das auch optisch zu dokumentieren, bekommt sie die Form eines Vulkans.

Es ist ein gar nicht langer Weg für mich nach Gladbeck: Ab dem Hauptbahnhof in Essen fahre ich vielleicht 20 Minuten mit der U11 in Richtung Gelsenkirchen-Buer. Und dann ist es ab Essen, Alte Landstraße noch einmal etwa so lange durch eine alte Zechensiedlung zu gehen. Ausserdem bin ich hier auch mal ganz nah am Stadtgebiet von Gelsenkirchen.

Halde im Wandel: Die Mottbruchhalde

Zwar sind das hier im Essener Norden und im Gelsenkirchener Süden und auch in Gladbeck-Brauck „Problemviertel“ mit viel Arbeitslosigkeit und hohem Anteil von Migranten an der Bevölkerung. Als Erstes ist da aber der Eindruck eines intakten und sogar gehobenen Wohngebiets. Wahrscheinlich liegt das an dem vergangenen Reichtum durch die Zechen insbesondere hier die große Verbundszeche Mathias Stinnes. Diese Zeche betrieb mehrere Schachtanlagen in Essen, in Gladbeck und auch in Bottrop in der Welheimer Mark.

Eine gewaltige Haldenlandschaft türmt sich hier in der Region auf. Und da die meisten Halden schon begrünt und sogar zum Teil bewaldet sind, ist hier mit all den Zechenrelikten und den Straßenzügen voller prächtiger Villen und Gründerzeithäuser sogar eher der Eindruck eines gediegenen Naherholungsgebiet am Rande wohlhabender Stadtviertel.

Die Mottbruchhalde soll keine brennende Halde werden

Als erstes sehe ich die mir schon bekannte Halde 22 oberhalb der ehemaligen Schachtanlage Zeche Mathias Stinnes 3/4. Trotz der Feuchtigkeit durch den vielen Regen der letzten Wochen kann ich sie leicht auf schon etwas rutschigen Trampelpfaden in hier bereits dicht gewachsenem Wald hochklettern. Und nun habe ich von oben diesen Panoramablick über die Kokerei Prosper, die Halde Prosper mit dem Alpincenter und die Halde Beckstraße mit dem Tetraeder in Bottrop bis hinüber zu den anderen Haldengipfeln der sogenannten Braucker Alpen in Gladbeck. Endlich sehe ich den bereits jetzt höchsten Berggipfel. Das ist die nachwievor in Schüttung durch die aktiven Prosperschächte befindliche Mottbruchhalde.

Es sieht eigentlich so aus, als ob diese Halde gar nicht so weit weg ist. Und ich gehe jetzt nicht den Weg auf die Nachbarhalde, vermutlich die Halde Graf Moltke hinauf. Aber dennoch komme ich nicht ganz an die Mottbruchhalde heran. Wahrscheinlich müsste ich dafür auf Serpentinen erstmal ganz talabwärts gehen. Stattdessen gehe ich nun einen ganz stark mit Moos bewachsenen Weg um die Halde Graf Moltke herum. Schon verschiebe ich daher meinen Plan, die Mottbruchhalde zu besteigen, auf einen weiteren Besuch hier. Meistens wird ja nicht immer alles so feucht und rutschig sein wie jetzt. So rieche ich auch heute nichts von dieser „brennenden Halde“ Graf Moltke wie beim letzten Mal.

Die Mottbruchhalde bekommt die Form eines Vulkans

Vielleicht hat der viele, viele Regen der letzten Wochen doch den berüchtigten Haldenbrand hier löschen können? Schön wäre das ja, weil diese Halde auch sehr attraktiv ist. Schon ist er von Wald und zum Teil wie die Halde Schöttelheide in Bottrop von Heidelandschaft bewachsen. In Folge des Haldenbrandes den Berg abzutragen, wäre ja zu schade. Aber einen Haldenbrand zu löschen, ist unmöglich.

Bei der Mottbruchhalde ist die Kuppe oben noch ganz schwarz von kohlenstoffhaltigem Gestein. Und hier versucht man natürlich, den Fehler durch falsche Schüttung eine brennende Halde zu machen, zu vermeiden. Und um bildlich auszudrücken daß man das nicht will, bekommt diese Halde die Form eines Vulkans. So meine ich, dass die Form jetzt schon ein wenig anders ist als bei meinem letzten Besuch hier vor einem halben Jahr. Es ist ja auch ebenso wie die Halde Schöttelheide eine Halde im Wandel, eine Halde, die noch wächst, solange bei Prosper noch Kohle gefördert wird.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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