Halde Norddeutschland in Neukirchen-Vluyn

Auf der Halde Norddeutschland
von Ernst Käbisch

Und auch das Bergwerk West war wie die Zeche Rheinpreußen in Duisburg und Moers ein Steinkohlebergwerk am Niederrhein. Denn es war sogar das drittletzte aktive Bergwerk im Ruhrgebiet. Und wie für die Zeche Rheinpreußen galt für das Bergwerk West nicht preußisches, sondern französisches Bergrecht. So waren Grubenfelder der Zeche ungewöhnlich groß für Ruhrgebietsverhältnisse und erstreckten sich über die niederrheinischen Städte Kamp-Lintfort und Neukirchen-Vluyn. Und erst Ende 2012 schloss das Bergwerk West.

Der Bus SB 30 nach Geldern fährt samstags alle halbe Stunde ab dem Duisburg HBF. Dann im niederrheinischen Kamp-Lintfort steige ich an der Haltestelle „Verkehrspavillon“ aus. Schon von hier aus sehe ich den großen roten Förderturm von Schacht 1 des Bergwerks West, was vor inzwischen fast einem Jahr als drittletzte Zeche des Ruhrgebiets die Förderung von Steinkohle einstellte. Dann durch hübsche Zechensiedlungen finde ich schnell den Weg zur Friedrich-Heinrich-Allee, wo Schacht 1 und Schacht 2 der Zeche umgeben von mächtigen, aber schönen Zechengebäuden aus rotem Backstein sich befinden.

Schachtanlage 3 Norddeutschland des Bergwerks West in Kamp-Lintfort

Jedenfalls heute will ich mir aber nicht diesen Ort angucken. Denn hier war ich schon mehrmals unter anderem bei einem sehr belebten Tag der offenen Tür im Jahr 2012, wo praktisch der Abschied von der Zeche gefeiert wurde. Dann gehe ich am Bergwerk die Friedrich-Heinrich-Allee weiter durch. Und links geht die Kattenstraße ab. Dann gehe ich da entlang bis zur nächsten Kreuzung. Und links sehe ich zu meiner Überraschung wieder den mächtigen roten Turm des Bergwerks. Dann führen Gleise wohl einer ehemaligen Zechenbahn über die Straße nach rechts.   Und ein schon etwas verwittertes Schild der RAG Steinkohle am Straßenbeginn sagt aus, das wäre hier eine „Privatstraße“. Aber ach was, längst ist die Zeche stillgelegt. Und das ist die auch im Stadtplan eingezeichnete Norddeutschlandstraße, die zur Schachtanlage 3 Norddeutschland des Bergwerks West führt.

Rechts von mir an der schmalen nur gelegentlich mal von einem Auto befahrenen Asphaltstraße sind jetzt Bauernhöfe und links hinter einem Zaun sehe ich riesige Kohleberge. Das Bergwerk ist viel größer, als ich gedacht habe. Einmal kommt mir auch mal ein Mensch zu Fuß entgegen; ein Mann, der seinen Hund ausführt, grüßt freundlich. Das also zum Thema Privatstraße. Dann ist zu beiden Seiten der Straße Wald und dann sehe ich nach einer ganzen Weile rechts durch all das Grüne einen Zechenförderturm. Hier ist mitten im Wald die Schachtanlage 3 Norddeutschland des Bergwerks West, eine offensichtlich schon lange stillgelegte Anlage. Die Werksgebäude bröckeln vor sich hin und sogar das Pförtnerhäuschen am Werkstor ist baufällig. Die ganze Anlage ist zwar beleuchtet und umzäunt, aber wirkt doch so, als ob hier seit Jahrzehnten niemand mehr arbeitet.

Die Halde Norddeutschland in Neukirchen-Vluyn

Anschliessend an die fast schon etwas verwunschen wirkende Schachtanlage zieht sich der Wald sanft eine Anhöhe hoch. Ich gehe hier einfach in den Wald hinein und es gelingt mir, auf durch Regen etwas feuchtem morastigem Boden die Anhöhe zu erklimmen. Und tatsächlich sehe ich dann oben, dass ich nun auf der Halde Norddeutschland in der Nachbarstadt von Kamp-Lintfort, in Neukirchen-Vluyn bin. Da ist nämlich vor mir auf der grünen Wiese, die die Haldenkuppe bedeckt, die markante Landmarke „Das Haus“. Aber da ich schon vorher auf Landkarten geguckt habe, bin ich auch nicht so überrascht. Es ist ja auch logisch, dass sich an eine Zeche Norddeutschland eine Halde Norddeutschland anschliesst.

Immerhin regnet es nicht, da würde die Landmarke „Das Haus“ auch keinen guten Schutz bieten, weil sie kein Dach hat. Die sonst grandiose Sicht von hier bis Duisburg und sogar bis ins nahe Nachbarland Niederlande hinein ist heute aber von Wolken und Nebel verhüllt. Da ich schon 2mal hier auf der Halde war, kenne ich den Weg zu einer Busstation in Neukirchen-Vluyn. Dazu muss ich durch ein ruhiges Gewerbegebiet, wo auch Menschen wohnen, zur Bushaltestelle „Gewerbegebiet Nord“ gehen. Hier fährt heute am Samstag 2mal stündlich der aus Venlo kommende Bus 629 zum Duisburg HBF.

Einfach auf eins der kleinen Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

 Text/Fotos: Ernst Käbisch

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