Halde Pörtingsiepen am Baldeneysee in Essen

Durch die Birken auf der Halde Pörtingsiepen sieht man den Baldeneysee.
Durch die Birken auf der Halde Pörtingsiepen sieht man den Baldeneysee.

von Ernst Käbisch

Manche Halde im Ruhrgebiet ist zum touristischen Highlight geworden. So ist z.B. die Halde Haniel in Bottrop ja ein großartiger Ort. Von hier sieht man die aktiven Anlagen der Zeche Prosper Haniel. Klasse ist etwa auch die Halde Rheinelbe in Gelsenkirchen. Ihre markante Landmarke Himmelstreppe ist weithin sichtbar. Aber die Halde Pörtingsiepen gehört nicht zu diesen Sehenswürdigkeiten. Eigentlich kennt sie fast niemand. Dabei ist auch diese Halde grandios.

Schwarzer (kohlehaltiger) Waldboden
Schwarzer (kohlehaltiger) Waldboden

Wenn man an Halden im Ruhrgebiet denkt, dann fallen einem natürlich so spektakuläre Orte ein wie die Halde Rheinelbe in Gelsenkirchen. Oder man denkt an die Schurenbachhalde in Essen. Weiter ist auch die Halde Haniel in Bottrop klasse. Highlight ist hier ein Amphitheater in schwarzer Mondlandschaft. Und man sieht vom Haldengipfel die aktiven Schächte der Zeche Prosper Haniel. Außerdem ist die  Mottbruchhalde in Gladbeck großartig. Die ist ganz neu. Und sie ist wie ein Vulkan gestaltet. Meistens bieten diese Halden einen Panoramablick weit ins Ruhrgebiet hinein. Teams von Landschaftsarchitekten, Gärtnern, Förstern, Künstlern u.a. haben hier mitgewirkt. So gestalteten die aus dem tauben Gestein aus der Kohleförderung attraktive Naherholungsgebiete. Und zum Teil wurden das touristische Attraktionen.

Aber an die Halde Pörtingsiepen denkt man dabei ganz bestimmt nicht. Denn eigentlich kennt diese Halde auch kaum jemand. Denn hier am östlichen Ende vom Baldeneysee ist zwar renaturisiertes Zechengebiet der Großzeche Pörtingsiepen. Und südlich der Halde ist das noch erhaltene Stück der Hespertalbahn. An 25 Tagen im Jahr fahren Museumsbahnen hier entlang. Das ist eine Attraktion des Hespertalbahnmuseums in Essen-Kupferdreh. Also im Grunde ist das hier ein ganz faszinierender Ort.

Die Halde Pörtingsiepen ist flach und hat keinen Panoramablick

Die Halde ist dicht bewaldet.
Die Halde ist dicht bewaldet.

Auch die völlig bewaldete Halde Pörtingsiepen ist durchaus sehenswert. Sie bietet nicht diesen spektakulären Panoramablick wie andere Halden. Es ist auch nur eine relativ flache Halde. So geht eigentlich niemand auf ihr. Weil links ist doch der so attraktive Weg direkt am Baldeneysee. Und die von einem dichten Birkenwald bestandene Halde ist vergleichsweise absolut nichts Besonderes. Denn andere Attraktionen am vielfältigen Baldeneysee sind offenbar interessanter.

Dabei ist es urig, oben auf dem schwarzen Haldengipfel zu gehen. Schon richtig hochgewachsene Bäume mit weißen Baumstämmen stehen hier. Und durch die Bäume hindurch sieht man links auf den Baldeneysee. Und rechts sieht man auf die Bahnstrecke der Hespertalbahn. In dem wie ein Urwald wirkenden, felsigen Waldstück rechts von der Bahnstrecke endeten zahlreiche Stollen. So entwässerten und bewetterten Bergwerke aus dem Hespertal ihre Abbaugebiete. Mit ein bisschen Geduld kann man da sogar Reste der Stollen entdecken.

Die Halde Pörtingsiepen ist eins der wenigen Relikte der Zeche

Und dass es sich bei der auch zu diesem Wald gehörenden und am Baldeneysee entlanglaufenden Halde überhaupt um die Halde Pörtingsiepen handelt, erfährt man hier nirgendwo. Schon gar nicht etwa auf Infotafeln. Schon so ist es ja erstaunlich, dass von so einer einst gigantisch großen Zeche wie Pörtingsiepen nichts übriggeblieben sein soll. Das einzige ist eine rotangestrichene Seilscheibe eines Förderturms. Und es gibt ein paar Schachtabdeckungen versteckt im Wald.

"Infotafel" am Fuss der Halde Pörtingsiepen
„Infotafel“ am Fuss der Halde Pörtingsiepen

Außerdem ist aber eben noch die Halde Pörtingsiepen ein Relikt der Zeche. Immerhin war diese Zeche mit Zeche Carl Funke am Nordufer vom Baldeneysee die größte Seezeche. Eigenartig ist beim Haldenabstieg so eine verrostete Infotafel. Und die ist ganz am Fuß der Halde. Das ist fast schon in Kupferdreh. Aber die Tafel ist völlig frei von Informationen. Vielleicht ist genau das auch die Aussage dieser „Infotafel“. Es gibt eben nichts zu sagen. Und man möge sich zufrieden geben mit dieser attraktiv renaturierten Landschaft. Das ist doch besser als eine lärmende Zeche mit großer Umweltbelastung. Der Steinkohlebergbau hier am See war gestern. Inzwischen ist er längst Geschichte. Und niemand möchte wohl mehr etwas davon wissen.

Text / Fotos: Ernst Käbisch

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