Hespertalbahn von Velbert nach Essen-Kupferdreh

Lok der Hespertalbahn auf dem Museumsgelände in Essen-Kupferdreh
Lok der Hespertalbahn auf dem Museumsgelände in Essen-Kupferdreh

von Ernst Käbisch

Schon lange ist die Hespertalbahn mehr als die „Pörtingssiepenbahn“ bekannt. Denn auf dem letzten Teilstück der Bahn am Baldeneysee  wurde die geförderte Steinkohle der großen Zeche Pörtingsiepen transportiert. Und noch an 25 Tagen im Jahr wird die Erinnerung an die Zeche lebendig. Dann fährt die Bahn nämlich als Museumsbahn von der Station Haus Scheppen bis nach Essen-Kupferdreh. Zwar mündet der Hesperbach bereits bei Haus Scheppen in die Ruhr. Dennoch ist das auch hier die Hespertalbahn.

Dabei war der Anfang der Hespertalbahn eine Pferdeschleppbahn. Und die verband die Städte Heiligenhaus und Velbert. So wurde Erz aus zahlreichen Erzzechen im niederbergischen Land ins Hespertal nach Velbert gebracht. Diese Eisenerz- und Bleizechen sind längst vergessen. Weiter verband man den Velberter Teil des Hespertals durch die Hespertalbahn mit Haus Scheppen an der Ruhr in Essen. Und als letztes Teilstück entstand die Strecke zwischen Haus Scheppen und Essen-Kupferdreh. So konnte die Bahn das Erz aus Velbert zum Verhütten zur Phönixhütte bringen. Aber auch die Phönixhütte ist bereits lange vergessen. Und nur der Straßenname Phönixhütte im Prinz-Friedrich-Gewerbegebiet in Kupferdreh erinnert noch daran. Außerdem gibt es eine Infotafel zur Phönixhütte am Baldeneysee.

Im niederbergischen Land gibt es fast gar keine Erinnerungen mehr an die Hespertalbahn. Und nur dem beherzten Eingreifen eines Velberter sachkundigen Bürgers bei einer Ratssitzung ist der Erhalt eines letzten Relikts zu verdanken. So konnte der nämlich verhindern, dass die Schleppbahnbrücke im Langenhorster Wald in Velbert auch noch abgerissen wurde. Denn sie war baufällig geworden. Und zu irgendwas nützlich war sie längst nicht mehr. Aber nun wurde dieses wertvolle Bergbaurelikt unter Denkmalschutz gestellt. Und die stilvolle Brücke wurde restauriert.

Der Anfang der Hespertalbahn war eine Pferdeschleppbahn

Schleppbahnbrücke im Langenhorster Wald in Velbert
Schleppbahnbrücke im Langenhorster Wald in Velbert

Dabei ist die Schleppbahnbrücke im Langenhorster Wald leicht übersehbar. Immerhin erkennt man sie deutlich. Aber das ist auch nur, wenn man nicht oben auf dem Weg bleibt. So muss man schon ein Stück hinunter und in den Wald hineingehen. Und diese massive Brücke aus Ruhrsandstein ist wohl die einzige sichtbare Erinnerung in Velbert an die Pferdeschleppbahn. Darüber hinaus erinnert sie auch an die Anfänge der Hespertalbahn. Damit ist sie eins der sehr selten gewordenen Zeugnisse an die Velberter und niederbergische Bergbaugeschichte.

ehemaliger Lokschuppen der Hespertalbahn in Essen-Fischlaken
ehemaliger Lokschuppen der Hespertalbahn in Essen-Fischlaken

Dann im Essener Teil des Hespertals gibt es auch nur ein deutliches Relikt der Hespertalbahn. Das ist der ehemalige Lokschuppen an der Straßenecke Hammer Straße / Pörtingsiepen. Und das ist ein eigentlich unscheinbares Bruchsteinhaus. Denn von solchen Häusern gibt es in der Region viele. Und dieses Haus im Hespertal ist inzwischen längst bewohnt. Und absolut nichts daran erinnert mehr an seine ursprüngliche Funktion als Lokschuppen.

Dann sind auch die Gleisanlagen der Hespertalbahn im Essener Teil vom Hespertal längst entfernt. Zwar dachte ich, dass Gleisreste über den Weg am Hesperbach entlang führen. Aber das ist nur der Rest eines Bahnübergangs. Also war der jetzige Wanderweg durch den Wald die Trasse der Bahn. Immerhin erfahre ich das dadurch. Und nur undefinierbare Metallkonstruktionen im Wald stammen eventuell noch von der Hespertalbahn. Aber auch das können Zechenrelikte des Steinkohlealtbergbaus sein. Denn außer der Zeche Pörtingsiepen gab es hier zahlreiche Kleinstbergwerke wie Richrath, Nöckerkottenbank, Dreckbank… Und im Gegensatz zur Zeche Pörtingsiepen gibt es davon noch viele Relikte.

Die Museumsbahn der Hespertalbahn

Das letzte Stück führt die Hespertalbahn direkt am Baldeneysee entlang.
Das letzte Stück führt die Hespertalbahn direkt am Baldeneysee entlang.

Dann bei Haus Scheppen mündet der Hesperbach in die Ruhr. Immerhin existiert die Bahnstrecke ab hier noch. Bereits in den 30er Jahren wurde die Ruhr zum Baldeneysee gestaut. Damals war diese großartige Naturlandschaft ein quirliges Zentrum der Montanindustrie. So gab es die großen Übertageanlagen der Zeche Pörtingssiepen (Die Zeche Pörtingsiepen wird sowohl mit einem S als auch mit 2 S geschrieben. Beide Schreibweisen sind gebräuchlich.). Und in mehreren Schächten wurde die Kohle gefördert. Außerdem gab es hier eine Kokerei und eine Brikettfabrik. Aber längst wurde aus all dem ein attraktives Naherholungsgebiet. Und die Industrieanlagen von Pörtingsiepen sind komplett verschwunden.

Dann gibt es die Bahnstation „Haus Scheppen“. Und gelegentlich fahren ab hier rostige Züge die Museumsbahnstrecke ab. Links ist die von einem Birkenwald bestandene, weitläufige Halde Pörtingssiepen. Dann ist daneben direkt der Baldeneysee. Rechts ist nun ein dichter Wald in felsiger, zerklüfteter Landschaft. Und wenn man da genau hinguckt, sieht man im Felsen zahlreiche Stollenmundlöcher. Und es verwundert, dass die noch da sind. Dicht aneinander waren Stollen durch den Berg gebaut. Und hier kurz vor der Ruhr endeten die Stollen. So entwässerten und bewetterten die kleinen Bergwerke im Hespertal ihre Bergwerksanlagen. Und durch die Stollen transportierten sie eventuell auch die geförderte Kohle ab.

Text / Fotos: Ernst Käbisch

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