Im Bergwerk Nachtigallstollen in Witten

Blick in das Bergwerk Nachtigallstollen in Witten
Blick in das Bergwerk Nachtigallstollen in Witten

von Ernst Käbisch

Soweit ich weiss, gibt es für unbedarfte und aber doch am Bergbau interessierte wie mich im Ruhrgebiet nur noch die Möglichkeit, im Nachtigallstollen in Witten echte Bergbaueindrücke in einem echten Bergwerk zu erfahren. Denn das Anschauungsbergwerk im Bergbaumuseum Bochum ist zwar gut, aber doch nur nachgebaut. Und im Nachtigallstollen gibt es sogar ein richtiges Flöz.

Zuerst wollte ich mit Cousin Peter ja zur Zeche Zollern in Dortmund fahren. Dann aber hatten wir spontan mehr Lust, die Zeche Nachtigall in Witten zu besuchen. Schon war ich da einmal vor etwa einem Jahr, aber ich fahre da gerne noch mal hin.

Denn hier bekommen wir jetzt beide diesen sogar noch nach dem 2. Weltkrieg aktiven Nachtigallstollen im Rahmen einer Führung exclusiv ohne weitere Besucher präsentiert. So ist der unbestrittene Höhepunkt des LWL-Museums hier bei der Zeche Nachtigall natürlich dieser 130 Meter lange „durchschlägige“ Stollen durch den 60 Meter hohen Hettberg durch. Weiter gibt es eine Verbindung zum parallel durch den Berg laufenden Stollen der einstigen Dinkelberg-Ziegelei. Und ein weiterer Abzweig des Stollens führt zum offen erreichbaren Flöz Geitling 3. Hier ist ein „Streb“, wo die Kohle aus dem Flöz zwischen 2 Gesteinsschichten herausgebrochen werden kann.

Der Nachtigallstollen ist ein echtes Bergwerk

Soviel und noch ein bisschen mehr weiss ich noch von der Führung vom letzten Jahr, die ich von einem ehemaligen Bergmann der Zechen Walsum, Zollverein und Minister Stein auch exclusiv als einziger Teilnehmer hatte. So weiß ich auch noch, dass das Werkzeug der Bergleute in der „Gezähekiste“ aufbewahrt wird.

Aber von der jungen Frau, die heute mit etwas anderen Schwerpunkten die Führung durch den Stollen leitet, erfahre ich zu meinem Erstaunen noch viele weitere Dinge aus dem Leben der Bergleute. So bin ich überrascht, dass ich beim anderen Eingang des Stollens im Muttental an der Südseite vom Hettberg oben am Felsen das Flöz Geitling 3 deutlich erkenne. Das ist das gleiche Flöz, was dann in dem Nebengang vom Nachtigallstollen ebenerdig verläuft, erklärt die junge Frau. So bekommen wir eine Vorstellung von der Nordwanderung des Bergbaus im Ruhrgebiet. Schon hier bei der Zeche Nachtigall wurde auch bereits Tiefbau bis zu einer Sohlentiefe von 449 Metern in drei Schächten betrieben. Und je weiter nördlich die Zechen waren, desto tiefer mussten die Schächte abgeteuft werden, um an die dort immer tiefer verlaufenden Flöze zu gelangen.

Dann fällt uns erst nach dem Ende der Führung ein, dass wir die Frau nach ihrem Hintergrund hätten fragen sollen. Denn sie hat uns so gut verständlich viele Dinge aus dem Bergmannsleben erklärt, die Peter und auch ich noch nicht wussten. Und sicher stammt sie aus einer Bergmannsfamilie, soviel wie sie zu all diesen Themen weiss.

Ausbildungsstätte Nachtigallstollen

Weiter ist auch interessant zu erfahren, dass der Nachtigallstollen sogar eine Ausbildungsstätte für Bergleute ist. Wo diese Bergleute denn dann arbeiten, frage ich die junge Frau. Sie sagt, dass die Auszubildenden oft Ausländer sind, die später in ihren Heimatländern als Bergleute arbeiten werden. Außerdem ist es ja so, dass Bergbau auch nach dem Ende des Steinkohlebergbaus in Deutschland weiter betrieben wird. Denn es gibt dann immer noch z.B. Steinsalzbergwerke und diverse andere Gruben, wo nachwievor Schätze der Erde gefördert werden.

Nach dem wieder so spannenden Gang durch die gut beleuchteten und professionell mit dicken Holzbohlen abgestützten Stollengänge gucken wir uns noch die weiteren kleinen Zechen auf dem Bergbauwanderweg im Wittener Muttental an. Denn beim letzten Mal hier musste ich bereits am Bethaus der Bergleute umdrehen, weil der Nieselregen zu lästig wurde. Aber diesmal haben wir angenehmes Wetter und nun einen faszinierenden Weg tief ins auch landschaftlich beschauliche Muttental hinein. Weitere Stollenmundlöcher von Stollenzechen, erste Tiefbauzechen nach dem Prinzip „Zeche Eimerweise“ und Pingen, Halden, Bergbaurelikte aller Art sehen wir hier. Und natürlich darf man die Wege wegen zahlreicher Bergschäden nicht verlassen.

Besucherbergwerke im Ruhrgebiet

Schon ist es aber so, dass der nachhaltigste Eindruck hier das Besucherbergwerk Nachtigallstollen ist. Und für Laien wie uns ist das die wohl einzige Möglichkeit im Ruhrgebiet, noch so ein Bergwerk überhaupt besichtigen zu können. Weiter gibt es den Besucherstollen der Zeche Graf Wittekind (das Stollenmundloch liegt auf dem Syburger Bergbauweg) in Dortmund. Aber ohne jede Bergmannserfahrung wird man da wohl kaum sich durch zum Teil noch engere Gänge als im Nachtigallstollen und oft nur bäuchlings durchkämpfen können. Und Voraussetzung ist ja auch, dass man Enge überhaupt aushalten kann und auch die Dunkelheit in so einem Stollen. Außerdem gibt es noch das Anschauungsbergwerk im Bergbaumuseum Bochum, wo es allerdings kein Flöz gibt und eine Schachtsohle eines Bergwerks 12 Meter unter der Erde nachgebaut ist.

Mehr Infos zur Zeche Nachtigall und dem LWL-Industriemuseum:
https://www.lwl.org/industriemuseum/standorte/zeche-nachtigall

Zeche Nachtigall
Nachtigallstraße 35
58452 Witten

Zuerst auf ein Bild klicken. Dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text / Fotos: Ernst Käbisch

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here