Kalkstraße nach Wittlaer am Rhein

Es ist nicht zu erwarten, daß ich in (Düsseldorf-)Wittlaer am Rhein noch Spuren von einem „Kalkblech“ finde. Wozu auch soll man so etwas sachlich nüchternes wie einen Industriehafen zum Verladen von Kalk an einem vielbesuchten Ort über Jahrzehnte kultivieren? Bei dieser Radtour ist der Weg das Ziel. Ich muss einfach mal raus trotz des trüben Novemberwetters und mich bewegen.

Es reizt  mich jetzt einfach, diese Strecke mal mit dem Rad abzufahren. Früher fuhren einmal die Kalkbrenner und Kalkhändler mit ihrer Ladung hier entlang. Den größten Teil der Strecke von den Kalkbrennöfen in Ratingen und Lintorf bzw. inzwischen ja Duisburg-Rahm über Angermund kenne ich ja schon. Am Kalkweg bei Schloss Heltorf in Angermund geht es nicht mehr weiter. Weil dort ist der Schloßpark für die Öffentlichkeit in den Wintermonaten gesperrt. Auch sonst ist der Eintritt zum Schloßpark Heltorf nur gegen Entgelt. Und das ist auch nur von der Wittlaerer Seite aus möglich.

Nach Wittlaer fahre ich durch Kalkum

Um nach Wittlaer zu kommen, muß ich in Richtung Kaiserswerth auf der Kalkumer Schloßallee fahren und dann vor dem Schloß Kalkum rechts in die schmale Landstraße hinein. Auch der Dorfname Kalkum bezieht sich ja wie so vieles hier in der Region auf das Gestein Kalk und das Brennen des Kalksteins und dem Handel mit dem gebrannten Kalk. Jahrhundertelang hat man diesen wertvollen Rohstoff zum Bauen und zum Verhütten von Erz in dieser Gegend in Kalksteinbrüchen abgebaut. Und  er wurde in Kalkbrennöfen gebrannt. Dann transportierte man ihn zu Abnehmern am Niederrhein und in die Niederlande.

Es ist frisch geworden. Aber inzwischen habe ich mich an die Temperaturen gewöhnt. Man muss sich einfach bewegen. Dann vergisst man die Kälte und den nahenden Winter. Hier zwischen den Dörfern Angermund, Rahm, Lintorf, Kalkum und Wittlaer ist ländliches Gebiet. Und da wirkt es etwas überraschend wie in einer Metropole plötzlich ein U-Bahnschild zu sehen. Aber die Strassenbahn U79 zwischen Düsseldorf und Duisburg fährt ja in den Großstädten meist als U-Bahn. Und hier ist eben der (nichtunteridische) U-Bahnhof Wittlaer.

Die Gaststätte Brands Jupp am Rhein

Am Kreisverkehr hinter dem U-Bahnhof Wittlaer geht die Kalkstraße ab. Und nun führt sie durch das winzige uralte Alt-Wittlaer bis zur Gaststätte Brands Jupp. Hier hat man schon den Blick auf den Rhein. Auf der Homepage der Gaststätte steht zu lesen: „Vor allem Bauern und Schiffer, die dort Kalk aus den Ratinger Brüchen auf ihre Schiffe luden, gehörten zu den Gästen, heißt es in der Historie.“

Allerdings kommt man von hier nicht direkt an den Rhein, denn dazwischen ist die breite Rheinaue und da fliesst auch noch der wie die ebenfalls in den Rhein fließenden Bäche Anger und Dickelsbach aus Ratingen kommende Schwarzbach seine letzten Meter zur Mündung in den Rhein.

Unterhalb von Brands Jupp soll das Kalkblech, die Verladestation des in Ratingen und Lintorf geförderten und gebrannten Kalks gewesen sein. Es ist Nichts davon zu entdecken, auch auf Karten und Infotafeln am Rheinufer ist Nichts von einem Kalkblech erwähnt, was mich aber auch nicht überrascht. Dafür entdecke ich, daß der direkt am Rhein entlangführende Weg Leinpfad heißt genauso wie dieser Leinpfad, der an der Ruhr an vielen Stellen z.B. in Kettwig oder in Mülheim noch erhalten geblieben ist. Also auch am Rhein wurden früher die Schiffe von an Leinen gebundenen Pferden gezogen.

Auf dem Rückweg von Wittlaer fahre ich noch kurz durch den jahreszeitmäßig immer noch durch herbstlich bunt belaubte Bäume attraktiven Schloßpark von Schloß Kalkum. Aber ebenso jahreszeitlich bedingt fängt es gerade nun ein bisschen an zu regnen und so mache ich, daß ich flott den nicht mehr allzu weiten Weg nach Ratingen zurückfahre.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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