Kalkwerke GmbH am Blauen See in Ratingen

Blauer See, rechts oben wo das
Blauer See; rechts oben wo das Wikingerschiff von "Wicki" ist, ist dahinter die Naturbühne.

Am Blauen See in Ratingen fahren nicht nur mehrmals täglich voll mit Kalk bei Firma Rheinkalk in Wülfrath beladene Züge der Kalkbahn auf ihrem Weg nach Duisburg vorbei. Gerade hier am Blauen See arbeiteten bis 1932 auch die Ratinger Kalkwerke. Denn der Blaue See ist ein mit Wasser vollgelaufener ehemaliger Kalksteinbruch.

Schon ist das Thema Kalk, Kalksteinbruch und Kalkbrennen ein ganz nüchternes, eher langweiliges Thema. Und ich habe mich deswegen nie dafür interessiert. Dann merke ich aber, dass es im Gegenteil ein reizvolles Thema ist. Und das offenbart sich mir sofort, wo ich einfach mal einen Blick in diesen Kalkbrennofen werfe. Denn weitgehend unbeachtet ist er unweit des Blauen Sees in Ratingen direkt am Wegesrand der Teichstraße.

Ratinger Kalkwerke GmbH am Blauen See

So viel zu sehen ist ja von aussen nicht in den beiden Brennkammern und einer Art Lager des Kalkbrennofens. Und so blitze ich mit dem Kamerablitz hinein, um überhaupt etwas auf den Fotos erkennen zu können. Und was ich da sehe, ist so überraschend farbenprächtig, dass ich doch sehr erstaunt bin. Denn die gewölbten Räume sind durchgehend aus roten Backsteinen gemauert und verfugt. Und durch Jahrzehnte, oder vermutlich sogar fast ein Jahrhundert zurückliegende Brennvorgänge und natürliche Verwitterungen und Bewuchs mit Moosen und Flechten sind die gemauerten Innenräume des Kalkofens von einer überraschenden Farbenvielfalt und Ästhetik. So eigentlich wirken diese Kammern relativ intakt. Obwohl die Gesamtanlage ist von aussen fast durchgehend mit Erde bedeckt. Und obendrein ist sie von Bäumen und Sträuchern bewachsen.

Dann aber ist schon auch der Eindruck einer Industrieruine da, die durch Wurzelwerk von Bäumen und Sträuchern, viel weniger durch Vandalismus sehr bedroht in ihrer Existenz ist. Denn von aussen scheint der Kalkbrennofen aus Bruchsteinen gemauert zu sein. Und es braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, wie die wachsenden Wurzeln der sich ausbreitenden Vegetation das Mauerwerk langsam aber sicher zerstören.

Relikte der Kalkwerke am Blauen See

Schon ist das schade, aber es ist optisch auch sehr reizvoll wie so oft bei Industrieruinen. Dann bei den noch vorhandenen Relikten der Kalkwerke direkt am Blauen See ist der Verfall noch längst nicht so weit fortgeschritten. Weil dort sind die Gebäude vermutlich in Privatbesitz. Und sie werden für irgendwelche derzeit nicht recht erkennbaren Zwecke neugenutzt. Immerhin eins der derzeit leerstehenden Gebäude am Seeufer mit mehreren dieser Brennkammern ist offenbar sehr gut erhalten. Und nebenan war früher mal ein gut laufendes Cafe mit herrlichem Blick über den Blauen See. Dann aber dämmert dieses eigentlich fantastische Ausflugsziel seit vielen Jahren fast ungenutzt in einem Dornröschenschlaf vor sich her. Und auch eine große Bruchsteinmauer der einstigen Kalkwerke etwas unterhalb davon mit weiteren gewölbten und gemauerten Brennkammern vermutlich sieht noch sehr intakt aus.

Dass es sich überhaupt um Relikte der Kalkwerke handelt, wird aber auch nicht so recht deutlich auf einer vor der Mauer plazierten Infotafel, die zwar über die geologischen Formationen des Blauen Sees informiert. Dann aber sagt es nichts über die Relikte des Werkes aus. Dazu finde ich spärliche Informationen nur im Internet.

Das „Graue Loch“ ist überhaupt nicht grau

Nicht nur der Blaue See ist – nachvollziehbar, jetzt wo ich es weiß – ein ehemaliger Kalksteinbruch, der mit Wasser vollgelaufen ist, auch das neben der Naturbühne nördlich des Blauen Sees befindliche „graue Loch“ ist ein solcher vollgelaufener ehemaliger Steinbruch. Auch das ist gut nachvollziehbar, weil hier die hohen schroffen Felsen aus Dolomit oder Kalkstein sind, die sich bei der Naturbühne fortsetzen, wo früher Karl-May-Bücher szenisch dargestellt wurden. Seit vielen Jahrzehnten wird die Naturbühne  in den Sommermonaten inzwischen sehr erfolgreich für Aufführungen von z.B. Astrid-Lindgren-Kinderbüchern genutzt.

Der „Bleiweiher“ in Duisburg-Rahm war auch ein Kalksteinbruch.

Einen weiteren mit Wasser vollgelaufenen Kalkbruch habe ich bei meinen Suchen nach den Schächten und Halden der Lintorfer Erzzechen im „Druchter Wald“ entdeckt. Es ist der sogenannte „Bleiweiher“ nahe der einstmals hier fördernden Lintorfer Bleizechen kurz hinter der Stadtgrenze schon auf Duisburger Stadtgebiet. Es ist aber nicht (!) der vollgelaufene Schacht Drucht der Lintorfer Erzzechen, sondern tatsächlich ein ehemaliger Kalksteinbruch und gegenüber bei dem einsam im Wald stehenden Fachwerkhaus war der Kalkbrennofen, der den geförderten Kalkstein brannte. Vielleicht ist er da sogar noch immer, aber das Gelände ist ja umzäunt und in Privatbesitz.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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